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Aus: Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 3 / Ansichten

Lame Duck des Tages: Frank-Walter Steinmeier

Von Felix Bartels
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So spannend wie ein Beipackzettel: Frank-Walter Steinmeier

Noch 365mal schlafen. Dann ist er hin. Am 18. März 2027 wird Frank-Walter Steinmeier nicht länger Bundespräsident sein. Einen Funktionär in den letzten Tagen nennt man Lame Duck. Wie aber einen, für den der erste Tag schon der Anfang vom Rest war? Steinmeier ist die verkörperte Halbwertzeit, die täglich neu geteilte Null, die stets Null bleibt. Jeder seiner Vorgänger hat irgendwann mal was getan, das erinnerlich bleibt. Lübke die Nation mit Aphorismen erfreut, Herzog durch Deutschland den Ruck gehen lassen, Köhler von ökonomisch motivierten Kriegen gesprochen und Wulff sich den drei kleinen Schweinchen gleich ein Haus aus Backstein gebaut. Mit Gauck hat das Amt sogar einen waschechten Edgelord erlebt.

Frank-Walter: Fahrstuhlmusik, Porträt in Pastelltönen, sprach Sätze wie in Stein gemeiert. Die dpa übt schon mal den Nachruf: »Es gibt kaum eine Hauptstadt auf der Welt, in der er nicht schon war, kaum eine Region, deren Probleme ihm nicht geläufig sind, kaum einen Staats- oder Regierungschef, den er nicht aus früheren Zeiten kennt.« Und keine Spur, die er je wo hinterlassen hat. Nicht mal für einen Bonusmeilenskandal hat es gereicht. Seine gewiss schon in Arbeit befindlichen Memoiren werden ein hartes Stück Lesearbeit, durchweg kursiv gedruckt. Literarisch trainiert ist er. Hartnäckige Gerüchte, dass sein Lieblingsbuch »Der stille Don« war, konnten nicht bestätigt werden, doch die Wahrheit wird ans Licht kommen.

Was er kocht, wenn er denn kocht, wird Omelett. Putins und Trumps Kriege hat er mutig kritisiert. »Lateinamerika ist kein Hinterhof von irgendjemandem.« Sagt der Mann, der Schröder 1999 beim Bombardement Belgrads assistiert hat. Außenpolitik blieb ihm Passion, Äußerungen zur Sozialpolitik muss man schon suchen. Man soll ja den nationalen Frieden nicht durch sozialen Unfrieden gefährden.

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