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04.05.2026
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Schimpfdrossel des Tages: Marta Lempart
Darf man auf Demos fluchen? Nein, vermeinte die Warschauer Polizei auf einer Frauendemo im Jahre 2024, und zeigte die Rednerin Marta Lempart und die Organisatorin Marta Puczyńska wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses an. Denn die hatten eine Parole angestimmt, in der das J‑Wörtchen (entspricht dem englischen f***) zentrales Argument war. An den Hals gewünscht wurden unerfreuliche sexuelle Erfahrungen denjenigen Vertretern der aktuellen Regierungskoalition, die sich einer Liberalisierung des Abtreibungsrechts widersetzen. Jetzt, zwei Jahre später, hat das Amtsgericht Warschau-Mitte die beiden Frauen freigesprochen.
Man kann sich natürlich fragen, warum ausgerechnet feministische Aktivistinnen ihren Gegnern Dinge wünschen, die sie ansonsten als typische Folgen des Patriarchats zu Lasten von Frauen geißeln. Aber das war vor Gericht nicht Thema. Die Richterin urteilte, die benutzten Ausdrücke seien zwar vulgär gewesen, aber erstens werde im Umgangspolnischen ständig herumgeflucht, sogar in den heiligen Hallen des Sejm. Und zweitens seien die inkriminierten Äußerungen im Kontext einer hochemotionalen Debatte gefallen, die für die demonstrierenden Frauen von existentieller Bedeutung gewesen sei. Daher sei die Wut der beiden Rednerinnen verständlich gewesen und ihre Aussage »von minimaler Sozialschädlichkeit«. In diesem Sinne kann man den beiden Frauen nur ein solidarisches »Hau weg den Scheiß« zurufen.
Leider blieb die Reaktion von Marta Lempart völlig im parlamentarisch-demokratischen Rahmen. Nach der Urteilsverkündung sagte sie, sie wisse nicht, ob sie den Frauen noch einmal empfehlen könne, 2027 zur Wahl zu gehen. Der todsichere Konter von Tusk: Dann kommen die anderen dran, und alles wird noch schlimmer. So ist das mit dem größeren und dem kleineren Übel.
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