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Aus: Ausgabe vom 13.03.2026, Seite 5 / Medien
Verlagskonzentration in NRW

Mehr Einheitsbrei

Verlagskonzentration: Kölnische Rundschau verliert Eigenständigkeit. Übernahme der Westfälischen Medien durch Rheinische Post
Von Gudrun Giese
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Die Rundschau hat eine eigene Redaktion mit 50 Beschäftigten, denen zum Monatsende gekündigt wurde

In Nordrhein-Westfalen geht die Konzentration im Zeitungssektor weiter: Erst wurde Ende Februar bekannt, dass die seit 1946 bestehende Kölnische Rundschau Ende März ihre eigene Redaktion und damit die Eigenständigkeit verlieren wird. Und in dieser Woche wurde die Übernahme der Westfälischen Medien Holding (WMH) durch die Rheinische Post Mediengruppe bekannt.

In Köln ist seit längerem das Medienunternehmen DuMont bei der vom Heinen-Verlag herausgegebenen Rundschau involviert. Immerhin gibt es noch eine eigene Redaktion mit 50 Beschäftigten, denen zum Monatsende gekündigt wurde. Die Kölnische Rundschau soll künftig mit Inhalten aus Redaktionen des Kölner Stadtanzeigers und des DuMont-Konzerns gefüllt werden. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) bei Verdi kritisierte die von DuMont und Herausgeber Helmut Heinen bekanntgegebene Entscheidung. »Die Kaltblütigkeit der Geschäftsführung von DuMont und des ehemaligen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen ist erschreckend«, sagte der stellvertretende DJU-Vorsitzende Lars Hansen. Bereits die Schließung der Rundschau-eigenen Druckerei durch DuMont 2023 sei sehr rüde abgelaufen. Mit der Kündigung der gesamten Redaktion mit Monatsfrist verhielten sich Medienunternehmen und Herausgeber einmal mehr unwürdig gegenüber den Beschäftigten. Da Verlage steuerlich und rechtlich wegen ihrer Aufgaben privilegiert seien, hätten sie eine Verantwortung gegenüber der Redaktion und der Öffentlichkeit wahrzunehmen, was sie nicht täten.

»Kündigungen zu Ende des kommenden Monats sind in keiner Weise gerechtfertigt, sicherlich auch nicht wirtschaftlich, und kommen vollkommen überraschend«, so Hansen. DuMont und der Heinen-Verlag machten ein andauerndes Defizit für die Kündigungen bei der Kölnischen Rundschau geltend. Der von DuMont zu leistende Redaktionsetat werde in naher Zukunft nicht mehr kostendeckend sein. Heinen habe selbst über das Ende der Redaktionsträgerschaft bestimmen wollen, heißt es in einem gemeinsamen Papier. Für die betroffenen Beschäftigten könnten »gemeinsam mit dem Betriebsrat faire Lösungen getroffen werden«. Unterdessen beraten der Betriebsrat und Verdi gemeinsam mit den Beschäftigten ihr weiteres Vorgehen.

Anfang der Woche wurde zudem bekannt, dass die Rheinische Post Mediengruppe die Westfälische Medien Holding (WMH) mit den Westfälischen Nachrichten, der Münsterschen Zeitung, dem Westfalen-Blatt, dem Westfälischen Volksblatt und der ­Allgemeinen Zeitung Coesfeld inklusive Druckereien und anderem mehr vorbehaltlich der Zustimmung durch das Bundeskartellamt übernehmen wird, wie kress.de berichtete. Gebe es grünes Licht für das Geschäft, werde die Rheinische Post Mediengruppe zur auflagenstärksten Tageszeitungsverlagsgruppe in NRW. Ihnen sei die Entscheidung zum Verkauf schwergefallen, behaupteten die bisherigen Eigentümer Benedikt und Eduard Hüffer. Es handele sich um einen strategischen Schritt.

»Die mittelständische Struktur unserer Gruppe lässt aus Sicht der Gesellschafter eine Skalierung der Lokal- und Regionalzeitungsaktivitäten der WMH mit vertretbarem Risiko nicht mehr zu«, zitierte kress.de die Verleger. Mit der Rheinischen Post Mediengruppe hätten sie ein Familienunternehmen gefunden, »das die WMH in unserem Sinne gut weiterführen und entwickeln wird«. Das sieht Verdi NRW anders. Die Gewerkschaft warnte vor Risiken für Arbeitsplätze und Meinungsvielfalt durch die weitere Medienkonzentration. »Für die Beschäftigten der betroffenen Redaktionen und Verlage ist die aktuelle Situation mit großer Unsicherheit verbunden«, erklärte Frank Bethke, der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi NRW. Die Rheinische Post solle so schnell wie möglich ihre strategischen Pläne für die WMH offenlegen. »Übernahmen in der Zeitungsbranche führen erfahrungsgemäß häufig zu Zentralisierungen, Sparprogrammen oder dem Abbau von Stellen.« Die Interessen der Beschäftigten müssten ebenso ernst genommen werden wie die der »demokratischen Öffentlichkeit«, betonte der Verdi-Mann.

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