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Denken außer Mode

Neueste Propaganda gegen Russland

Foto: Janis Laizans/REUTERS
Kein Karnevalsumzug: Parade der multinationalen NATO-Kampfeinheit im litauischen Kaunas (4.2.2026)

Russland mal wieder. Da stationiert die NATO, völlig harmlos, ein paar Bataillönchen und weitere Nichtigkeiten irgendwo in Osteuropa – in Litauen, in Lettland, in Estland, rein zufällig dort, wo angeblich auch die russische Westgrenze verläuft. Nein, niemand hat sich auch nur das Geringste dabei gedacht. Und was muss man lesen? Russland, böse, wie man es kennt, richte seine Streitkräfte zunehmend auf eine mögliche Konflikteskalation an seiner Westgrenze aus, schreiben der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, und der britische Generalstabschef Richard Knighton. Hochgefährlich sei das, es steigere die Kriegsgefahr. Was tun? Aufrüsten, die militärische Einsatzbereitschaft steigern, folgern die zwei Generale.

Ihr Glück, dass das Denken aus der Mode gekommen ist. Sonst könnte am Ende noch auffallen, dass Moskau mit einer stärkeren Orientierung seiner Streitkräfte nach Westen auf die offiziell gegen Russland gerichtete Hochrüstung der NATO reagiert. Oder irgendwer könnte gar realisieren, dass die beiden Militärs vor einer Streitmacht warnen, von der NATO-Generalsekretär Mark Rutte gerade in München höhnte, sie rücke in der Ukraine »kaum schneller als eine Gartenschnecke« vor: »Dieser sogenannte russische Bär existiert nicht.« Zugegeben: Die Parolenmaschine Rutte, die auf Knopfdruck blitzartig ausspuckt, was die taktische Lage erfordert, hat auch schon behauptet: »Russlands nächste Zielscheibe sind wir.« Das war im Dezember. Nur wenige Wochen zuvor hatte er gespottet, die russische Marine tauge nichts mehr; sie sei nur noch auf der »Jagd nach dem nächsten Mechaniker« für ihre kaputten U-Boote. Dem Mann muss dauerschwindlig sein.

Nun, die Propaganda nimmt halt, was sie kriegt. Und wenn es nur die Behauptung ist, der russische Oppositionelle Alexej Nawalny sei mit einem Sekret aus südamerikanischen Pfeilgiftfröschen umgebracht worden. Niemand weiß, wie Gewebeproben seines Leichnams in den Westen gelangt sein sollen. Also kann auch niemand wissen, ob sie nicht manipuliert wurden, falls sie überhaupt echt sind. Seriöse Beweisführung sähe anders aus. Macht aber nichts – die Froschtheorie, pünktlich zur Münchner »Sicherheitskonferenz« lanciert, trägt gleichfalls zur Legitimierung der Hochrüstung bei. Es darf nur, wie erwähnt, niemand anfangen, sein Gehirn zu gebrauchen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.02.2026, Seite 1, Ansichten

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  • Onlineabonnent*in Ulf Gerkan aus Hannover 19. Feb. 2026 um 12:47 Uhr
    Bereits vor mindestens 5 Monaten standen vorgebliche Laboranalysen zur vorgeblichen Vergiftung Nawalnys fest (https://de.euronews.com/2025/09/18/witwe-sagt-labortests-zeigen-dass-kreml-gegner-alexej-nawalny-im-russischen-gefangnis-verg). Warum sie erst jetzt an die große Glocke gehängt werden, darüber kann man nur spekulieren. Schon kurz nach dem Tod Nawalnys berichtete der mittlerweile am EU-Pranger stehende Journalist Röper (https://web.archive.org/web/20241012033547/https://anti-spiegel.ru/2024/der-verlogene-medienhype-um-nawalny/), dass auch in russische Gefängnisse Waren eingeschmuggelt werden können und »dass in dem Gefängnis, in dem Nawalny eingesessen hat, offenbar danach gesucht wurde, ob möglicherweise eine Substanz eingeschmuggelt wurde, mit der Nawalny vergiftet werden konnte« - eine Info, die durch einen zurückliegenden Hackerangriff auf den anti-spiegel bemerkenswerterweise nicht entstellt wurde. Sollte die Info zutreffen, dann hätten die Russen also zunächst nichts von einer Vergiftung Nawalnys gewusst, was ihre Täterschaft ein wenig in Frage stellt. Offiziell hieß es damals, Nawalny sei an einem Blutgerinnsel gestorben. Das wurde von ukrainischer Seite bestätigt (https://overton-magazin.de/top-story/ukrainischer-gru-chef-budanow-nawalny-ist-eines-natuerlichen-todes-gestorben/). Warum sollte die Ukraine eine russische Falschinformation als korrekt weiterverbreiten?! Das klingt - falls Nawalny tatsächlich vergiftet worden sein sollte - verdächtig nach Ablenkung von denkbarer ukrainischer Schuld am Tod Nawalnys, der als prorussischer Rassist eine Gefahtr für ukrainische Eigenstaatlichkeit darstellte und von daher durchaus Ziel eines ukrainischen Mordanschlages gewesen sein könnte - zumal man mit so einem Mordanschlag kurz vor der russischen Wahl 2024 gleichzeitig Putin ärgern konnte. Die Schuldfrage ist alles andere als eindeutig beantwortbar.
  • Johannes Feldner aus Gießen 17. Feb. 2026 um 17:48 Uhr
    »Man hat natürlich das Laster vom Sprint mit im Rennen« - köstlich. Jürgen Roth hat's sicher live gehört. Und was meint »Denken außer Mode«? Jörg Kronauer glaubt ja, das Denken sei aus der Mode. Gleichentags meldet dagegen RDN, die Bundeswehr habe »Zu wenige Freiwillige für die NATO-Ostflanke«. Da denken also womöglich doch noch einige zumal junge Leute - vielleicht nicht grade über die Rente, wohl aber über den winkenden Sensenmann? Und andere, z.B. schleswig-holsteinische Politiker*innen, denken an nix außer olivgrüne Mode? Ich weiß jetzt auch nicht, ob Denise Herrmann-Wick recht hat mit dem Laster und so weiter. Aber daß Schießen mit Gewehren ungesund ist, nicht nur für Gehirne, nicht nur im Sport, das denke ich wohl.
  • Onlineabonnent*in Heinrich Hopfmüller aus Stadum 17. Feb. 2026 um 17:27 Uhr
    Man kann nur ein vorhandenes Gehirn gebrauchen. Diese Bedingung ist aber nicht hinreichend. Können die Russen jetzt auch kein Nowitschok mehr herstellen? Von Insulin haben die auch keine Ahnung. Woher auch, wenn man an deutsche Waschmaschinen Flügel kleben muss, damit sie in die Ukraine fliegen.
  • Onlineabonnent*in Oliver Sümnick aus Hundsbach 16. Feb. 2026 um 21:31 Uhr
    Da sage doch niemand, es gäbe nichts mehr zu lachen! »Putin hat meinen Mann getötet.« Nawalny wurde mit Froschgift getötet – Wadephul äußert sich (Kölner Stadtanzeiger). FR-üh dran meldet: Gedenken zu Nawalny-Tod – Froschgift macht Putin zum Totengräber Russlands. Die Bild-Zeitung weiß: Mit diesem Frosch-Gift wurde Nawalny umgebracht. Der Anchicayá-Pfeilgiftfrosch, Fachname: Oophaga anchicayensis. Dazu gab es ein Bild mit dem gelb gepunkteten Tierchen. Es würde nicht verwundern, wenn gegen diesen unheiligen Komplizen Putins nun schnellstmöglich ein europaweites Haltungs- und Zuchtverbot gefordert würde.
    • Onlineabonnent*in Heinrich Hopfmüller aus Stadum 19. Feb. 2026 um 08:26 Uhr
      »Epibatidin wird von Baumsteigerfröschen durch die Nahrung (Insekten) aufgenommen und in der Haut eingelagert« (https://de.wikipedia.org/wiki/Epibatidin). Diese Insekten gibt es in Eurasien nicht, deshalb verlieren die Tierchen ihre Giftigkeit, man braucht also kein Haltungsverbot. Allerdings gab es einen »Synthesewettlauf zum Epibatidin, einem neuartigen Naturstoff mit hoher analgetischer Wirkung« (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/prac.19953370139).
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