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Der nächste Konflikt

Emirate verlassen OPEC

Von Jörg Kronauer
Foto: Kamran Jebreili, File/AP Photo/dpa
Raffinerie in Dschabal Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC, der bereits zum 1. Mai vollzogen werden soll, hat das Zeug, die Spannungen auf der Arabischen Halbinsel weiter zu erhöhen. Unmittelbarer Anlass sind ökonomische Differenzen mit Saudi-Arabien. Abu Dhabi will künftig deutlich mehr Öl verkaufen und sieht sich durch die von Riad maßgeblich bestimmten OPEC-Förderquoten allzu stark eingeschränkt. Der Streit zwischen den beiden Golfstaaten, die vor rund einem Jahrzehnt noch als überaus enge Kooperationspartner galten, eskaliert allerdings auch außenpolitisch, und das schon seit einigen Jahren.

Ursache ist, dass die Emirate begonnen haben, eine eigenständige Außenpolitik zu treiben, die den Interessen Saudi-Arabiens in mehrfacher Hinsicht zuwiderläuft. Es begann im Jemen, wo Abu Dhabi sich 2019 aus der gemeinsamen Kriegführung gegen die Huthi auszuklinken begann und nur noch separatistische Kräfte im Südjemen unterstützte. Es ging weiter mit dem Kooperationsabkommen der Emirate mit Israel – eine Annäherung, die Riad vorläufig nicht nachvollzog. Auch den Schritt in das BRICS-Bündnis ging Saudi-Arabien letzten Endes nicht mit. Abu Dhabi unterstützt im Sudan die aufständische RSF-Miliz, während Riad mit den regulären Streitkräften kooperiert. Nicht zuletzt arbeiten die Emirate, wie auch Israel, eng mit Somaliland zusammen, während Saudi-Arabien auf eine Kooperation mit Mogadischu und auf den territorialen Erhalt Somalias setzt. Als Abu Dhabi Ende 2025 gar eine Großoffensive der südjemenitischen Separatisten unterstützte, die saudischen Interessen zuwiderlief, ließ Riad kurzerhand eine ganze Schiffsladung emiratischer Militärfahrzeuge, die für die Separatisten bestimmt war, bombardieren. Das saß.

In den ersten Tagen des Iran-Kriegs hat die gemeinsame Abwehr iranischer Drohnen und Raketen die Spannungen übertüncht, zumal es auch in den Emiraten Widerstand nicht zuletzt gegen die enge Kooperation mit Israel gibt. Letztlich aber sind die Spannungen bald wieder aufgebrochen. Hardliner in Abu Dhabi, die auf eine noch stärkere Zusammenarbeit mit Israel und den USA zielen, scheinen sich durchzusetzen, während in Riad eher die Suche nach einem gewissen Ausgleich mit Iran zur Wiederherstellung von Stabilität überwiegt. Das hat jetzt die Entscheidung der emiratischen Führung, die OPEC zu verlassen, erleichtert.

Wie weiter? Denkbar ist es, dass die israelisch-emiratische Kooperation sich intensiviert, zumal Abu Dhabi seinem bisherigen Kooperationspartner Russland dessen Unterstützung für Iran wohl ziemlich übelnimmt. Ökonomisch setzen die Emirate weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit China. Zu der komplexen Lage kommt hinzu, dass auch die OPEC jetzt Entscheidungen fällen muss: Kann man sie verlassen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, dann könnten weitere Austritte folgen. Sie wird nun also womöglich versuchen, Abu Dhabi künftig weitere Steine in den Weg zu legen. In einer an Spannungen wirklich nicht armen Region droht damit nun der nächste Konflikt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.04.2026, Seite 3, Ansichten

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