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07.12.2021 19:30 Uhr

Free Mumia!

Seit dem 9. Dezember 1981 ist der US-Journalist und Bürgerrechtler Abu-Jamal politischer Gefangener. Ein Auszug aus »Liberation School«-Schulungsmaterial der »Party for Socialism and Liberation«
Von Curry Malott, Elgin Bailey und Randall Scott
Mittlerweile seit 40 Jahren unschuldig hinter Gittern: Der politische Gefangene Mumia Abu-Jamal (Pennsylvania, 28.12.2018)

Mumia Abu-Jamal sitzt seit 40 Jahren zu Unrecht in Haft, die ersten drei Jahrzehnte davon im Todestrakt, weil ihm 1981 die Ermordung eines weißen Polizeibeamten in Philadelphia angehängt worden war.

Als Mitglied der Ortsgruppe der »Black Panther Party« (BPP) in Philadelphia erlernte Mumia schon in jungen Jahren das Handwerk des revolutionären Journalismus. Nach den Panthers setzte Mumia seine Arbeit als radikaler Journalist fort und berichtete über die Basisbewegungen in Philadelphia und die tödliche Repression des Staates gegen sie. In einem Interview aus dem Jahr 1993 erläuterte er seine Ansichten darüber, wie der radikale Journalismus als machtvolles politisches Werkzeug beim Aufbau einer Massenbewegung eingesetzt werden kann.

Für ihn ist Journalismus »ein Mittel, das Bewusstsein von Menschen zu verändern und ihnen Wissen zu vermitteln und ihnen gleichzeitig zu bestätigen, dass ihr Leben einen Wert und einen Sinn hat. Wenn man die Tagespresse liest oder die Programme der regulären ›weißen‹ Radio- und Fernsehsender verfolgt, erhält man ein verzerrtes Bild vom Leben der Schwarzen. Wenn Medien jedoch dazu benutzt werden, Menschen von ihrer positiven Seite zu zeigen, wie sie sich gegen Unterdrückung wehren, und dass jedes Menschenleben unabhängig von Besitz und wirtschaftlicher Stellung wertvoll ist, dann ist das an sich schon revolutionär. Denn dieses System neigt dazu, Menschen, die arm sind, zu erniedrigen – dabei leben die meisten Menschen auf diesem Planeten in Armut. Das ist die Art von Bewusstsein, die mich zum Journalismus gebracht hat. Abgesehen von der Tatsache natürlich, dass ich von der Partei in diesem Arbeitsfeld ausgebildet wurde und gelernt habe, aus einer radikalen revolutionären Perspektive zu schreiben.«

Mumias Inhaftierung war Teil einer größeren konterrevolutionären Strategie der Vereinigten Staaten gegen progressive Bewegungen im In- und Ausland. Er setzte seine Arbeit als radikaler Journalist »live aus der Todeszelle« fort, wie der Titel seines ersten Buches lautete. Der Staat bestrafte ihn 1995 für das, was er schrieb, konnte aber nicht verhindern, dass er zu Beginn der neoliberalen Ära und des neuen Krieges gegen das schwarze Amerika zu einem Leuchtturm für die stark geschrumpfte progressive Bewegung wurde.

Durch seine Arbeit hat Mumia einen entscheidenden Beitrag dazu geliefert, jene politische Bewegung am Leben zu erhalten, die der bürgerliche Staat durch Mord, Inhaftierung, Verleumdung und allgemeine Repression auszulöschen versucht hatte. Unbeirrt sprach Mumia junge Leute an, vermittelte ihnen die Lebensgeschichten und Vermächtnisse historischer Führungspersonen der Bewegung und gab ihnen wichtige Lehren für den Freiheitskampf weiter.

Mumia gab aber auch Erklärungen für den Niedergang politischer Bewegungen (der 1960er Jahre, jW) und erinnerte daran, dass er »zum großen Teil durch eine Terrorkampagne der US-Regierung ausgelöst wurde, die blutige Polizeirazzien gegen BPP-Büros im ganzen Land und geheimdienstliche Überwachung umfasste«, einschließlich des Einsatzes von Agents Provocateurs und FBI-Spitzeln, die Schwachstellen in den Organisationen ausnutzten, um sie von innen zu zerstören.

Indem Mumia Lehren aus der Vergangenheit zieht, bietet er eine Einschätzung des bürgerlichen Staates und der Notwendigkeit der revolutionären Veränderung der kapitalistischen Gesellschaft. Von seinen Schilderungen, wie er als Teenager von Polizisten in Philadelphia »direkt in die ›Black Panther Party‹ geprügelt« wurde, bis hin zu seinen unermüdlichen Enthüllungen rassistischer Polizeimorde bietet Mumia ein eindringliches Bild von der anhaltenden Notwendigkeit grundlegender Veränderung. Mumia wurde für eine Linke, die um ihr Selbstverständnis kämpft, zu einem Sprachrohr, dessen Aufrufe zur Revolution ebenso kreativ wie unnachgiebig sind.

Übersetzung: Jürgen Heiser

Mumia Abu-Jamal wird bei der XXVII. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 8. Januar 2022 ein Grußwort halten

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