Zwei Spanien
Der Bürgerkrieg als europäischer Krieg. Ohne die Unterstützung faschistischer Staaten hätte Francos Armee nicht gesiegt
Ein Funkspruch verkündet den Aufstand. Ein General verbreitet einen Appell an alle Divisionskommandeure: »Spanier! Die ihr den heiligen Namen Spaniens spürt und empfindet! Euch ruft die ganze Nation! Hass und Verbrechen sind an die Stelle eines gegenseitigen Respekts getreten. Die Einheit des Vaterlandes ist bedroht.«
Ein Mann, eine Lüge. Die Einheit des Vaterlandes, die Francisco Franco da bedroht sah, gab es an jenem 18. Juli 1936 längst nicht mehr und konnte es auch gar nicht geben. Spanien war nicht eins, sondern zwei. Der Krieg, der mit dieser Ansprache begann und der bis zur Niederlage der republikanischen Kräfte im Frühjahr 1939 mindestens eine halbe Million Tote forderte, wird in der Regel und im Kern zutreffend als Spanischer Bürgerkrieg bezeichnet.
Ein Bürgerkrieg kann dadurch gekennzeichnet sein, dass eine der kriegführenden Parteien größeren Zielen entgegenstrebt: etwa Aufständische und Guerilleros, die eine bestehende Sozialordnung beseitigen und die Eigentumsfrage anders beantworten wollen und die der Meinung sind, dass die Waffe der Kritik die Kritik der Waffen nicht ersetzen kann. Hat ein solches Unterfangen Aussicht auf Erfolg und genießt eine breitere Unterstützung der Bevölkerung, lässt sich mit gleichem Recht auch von Revolution sprechen. Ein Bürgerkrieg kann allerdings auch die gegenteilige Tendenz haben: organisierte (präventive) Konterrevolution. So oder so, in einer derartigen Konfrontation, die letztlich nichts anderes bedeutet als eine militärische Austragung von Klassenkonflikten, ist der Interessengegensatz unversöhnlich. Das Gewaltmonopol des Staates und dessen Rechtsordnung sind in Frage gestellt. Die Regeln des Kriegsvölkerrechts finden keine Berücksichtigung, der Schutz der Zivilbevölkerung existiert in der Regel nicht. Der Gegner ist als absoluter Feind markiert und wird entsprechend behandelt.
Der britische Historiker Paul Preston, wahrscheinlich einer der wichtigsten Erforscher des Krieges in Spanien zwischen 1936 und 1936 (von dem bezeichnenderweise nicht ein einziges Werk bisher ins Deutsche übertragen worden ist), hat einem seiner Bücher den Titel »The Spanish Holocaust« gegeben und macht dafür Francos Putscharmee verantwortlich. Er spricht denn auch in einem Kapitel von »Franco’s slow war of annihilation« (also von »Francos langsamem Vernichtungskrieg«).
Zwei Spanien? Bürgerkrieg war dieser Krieg, weil Klerus, Kapitel und Großgrundbesitz gegen Bauern und Arbeiter fochten, die sich von der Republik weitere Schritte erhofften – angemessene politische Partizipation, die gerechte Verteilung von Land, generell ein Leben frei von Elend. Dieser Krieg war aber auch einer um größere Autonomierechte der Regionen, ein politischer Krieg zwischen Demokratie und Faschismus, ein Bürgerkrieg im Bürgerkrieg um die Frage »Revolution während des Krieges« oder »Abwehr der Faschisten«.
Er war aber eben auch und nicht zuletzt dies: europäischer Krieg und Präludium zum Zweiten Weltkrieg. Ohne Unterstützung des portugiesischen Estado Novo mit der »Legion Viriato«, des faschistischen Italiens mit dem »Corpo Truppe Volontarie« und Nazideutschlands mit der »Legion Condor« hätte Franco diesen Krieg nicht gewonnen. Und so erklärt sich auch der Titel dieser Beilage: »Spanischer Krieg«. Betont wird mit dieser Begriffswahl der Aspekt der internationalen Einmischung und der internationalen Solidarität. Darauf liegt der Schwerpunkt auf den folgenden Seiten.
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