Bomben auf Madrid
Eine Karte gibt Auskunft über ein Verbrechen
»In ein paar Jahren werden wir alles vergessen haben; die Krater der Explosionen werden verschwinden, die aufgerissenen Straßen werden wieder asphaltiert, die zerstörten Häuser werden wieder aufgebaut. Alles, was wir erlebt haben, wird uns wie ein Traum vorkommen.«
(Juan Eduardo Zúniga, Noviembre, la madre, 1936)
»Erinnere dich und erinnere auch andere daran.«
(Luis Cernuda, 1936)
Diese Karte bietet einen Einblick in die Zerstörung Madrids als Folge der schweren Luft- und Artilleriebombardements, denen die Stadt während des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 ausgesetzt war. Madrid war, zusammen mit vielen anderen spanischen Städten, Schauplatz, an dem Hitlers »Legion Condor« und Mussolinis »Aviazione Legionaria« die Waffen und Taktiken erprobten, die sie nur wenige Monate später, nach Beendigung des Konflikts in unserem Land, in noch größerem Umfang in anderen Städten Europas anwenden sollten. Taktiken, die auch die deutschen Städte am eigenen Leib zu spüren bekamen, als die westlichen Alliierten die Lufthoheit erlangten.
In Madrid wird zum ersten Mal in der Geschichte eine große Bevölkerung systematisch und mit modernen Mitteln bombardiert. In anderen Städten, die wie London, Coventry oder Dresden durch Bomben verwüstet wurden, gibt es ein kollektives und institutionelles Bewusstsein für diese Vergangenheit. In Madrid hingegen wurde jahrzehntelang geschwiegen, »was begründet lag in der Notwendigkeit für das Franco-Regime, nicht nur die Verteidigung Madrids zu brechen, sondern auch die Erinnerung an die widerständige Stadt auszulöschen und die Maßnahmen zu verbergen, die zu ihrer Kapitulation führten«, schreibt der Historiker Gutmaro Gómez Bravo in seiner »Geschichte Madrids im Bürgerkrieg (1936–1939)«.
Hervorzuheben ist die unschätzbare Rolle des Historischen Archivs der Madrider Feuerwehr bei den Dokumentationsarbeiten. Die vorbildliche Präsenz der Feuerwehrleute, die in den Einsatzaufzeichnungen festgehalten ist, liefert ein chronologisches Bild des Ausmaßes und der Ausdehnung der Zerstörung der Stadt. Diese Arbeit soll auch als Hommage an alle Einwohner Madrids dienen, die die Zerstörung ihrer Stadt erlebt und erdulden mussten.
→ Die vorliegende Karte und den zugehörigen Text (hier ins Deutsche übersetzt) haben Luis de Sobrón und Enrique Bordes erstellt. Sie lehren und forschen als Professoren an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura de la Universidad Politécnica de Madrid. Die Karte wurde erstmals 2019 veröffentlicht.
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