Ungleiche Partner
Die Franco-Putschisten waren auf die Hilfe Nazideutschlands angewiesen. In Berlin machte man sich das zunutzeMiguel Ángel Collado Aguilar ist Historiker und lebt im andalusischen Bergarbeiterort Nerva
Der Aufstand vom 18. Juli 1936 in Spanien zielte darauf, die Errungenschaften der Arbeiterklasse zunichte zu machen und die Machtverhältnisse zugunsten der Oligarchie neu zu ordnen, die nach wie vor großen Einfluss auf die Armee und die Justiz ausübte. Dennoch war die Finanzlage der Putschisten mit nur zwölf Millionen Peseten zu prekär, um den Bürgerkrieg aufrechtzuerhalten, weshalb die Beschaffung ausländischer Hilfe unerlässlich war.
Zweifellos war dabei die Hilfe aus Nazideutschland das erfolgreichste Ergebnis dieser Bemühungen. Die deutsche Unterstützung war derweil mitnichten eine Geste der Solidarität, sondern stellte für die Naziregierung eine einmalige Gelegenheit dar, Rohstoffe zu niedrigen Kosten zu beschaffen, die Kriegsmaschinerie im realen Kampf zu erproben und letztendlich einen Satellitenstaat zu schaffen. Franco seinerseits errang einen militärischen Sieg, der ihm die Kontrolle über den Staat für fast vierzig Jahre sicherte. Dies ist also die Geschichte einer interessengeleiteten Freundschaft, bei der Franco und Hitler sich gegenseitig benutzten, bis der Zweite Weltkrieg die Lage radikal veränderte.
Ökonomische Rückständigkeit
Zu Beginn des Bürgerkriegs befand sich Spanien in einer ökonomisch rückständigen Position, die schon im 19. Jahrhundert ihren Ausgang genommen hatte. Der Niedergang Spaniens in jenem Zeitraum war von Bürgerkriegen und Militärputschen, außerdem vom Verlust der Kolonien geprägt. Dies waren Faktoren, die eine Industrialisierung verhinderten, was wiederum dazu führte, dass sich die spanische Wirtschaft als bloßer Rohstofflieferant in das Weltwirtschaftssystem einfügen musste. Das Spanien des Jahres 1931 war nach wie vor ein Land, in dem die Großgrundbesitzer eine fast uneingeschränkte Macht ausübten und die Industriebourgeoisie chronisch von staatlichen Initiativen abhängig war.
Zwar ist es richtig, dass die Diktatur von Primo de Rivera (1923–1930) versuchte, die wirtschaftliche Modernisierung zu fördern, doch trifft ebenso zu, dass es die ersten republikanischen Regierungen (1931–1933) waren, die sich am stärksten darum bemühten, die spanische Volkswirtschaft in die westliche Welt zu integrieren. Um dies zu erreichen, sollten die Arbeitsverhältnisse auf dem Land modernisiert, der Zugang zu Land demokratisiert und der Wohlstand in den Industriezentren gemehrt werden. Doch die Reichweite dieser Maßnahmen war begrenzt, da der Staatshaushalt knapp bemessen war und die Oligarchie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versuchte, die Modernisierung zu verhindern.
Eines dieser Mittel war die militärische Erhebung, die im August 1932 mit dem Putschversuch von Sanjurjo eine Generalprobe erlebte und im Juli 1936 nach dem Sieg der Volksfront erneut zur Anwendung kam. An diesem Plan waren einige der wichtigsten Offiziere der Armee beteiligt, aber auch eine große Gruppe von Zivilisten, die für die Unterdrückung und den Aufbau der politischen Struktur im Hinterland unverzichtbar waren. Dennoch hatten die Putschisten einen dringenden Bedarf an Finanzmitteln, um den Krieg aufrechtzuerhalten, und zögerten nicht, Nazideutschland um Kredite zu bitten.
Die deutsche Intervention
Vor dem 18. Juli 1936 waren die Beziehungen zwischen der Republik und Nazideutschland relativ gut. Tatsächlich hatte Spanien erst ein Jahr zuvor den Kauf deutscher Flugzeuge ausgehandelt, und die Nazis sahen in Spanien lediglich einen Sekundärmarkt.
Der Sieg der Volksfront alarmierte jedoch Hitler, der nicht zögerte, die von Franco am 25. Juli entsandte Delegation anzuhören, die ihn um Hilfe bat. Das Ergebnis dieses Treffens war die erste Luftbrücke der Geschichte, die zwischen dem 29. Juli und dem 11. Oktober 1936 durchgeführt wurde: 20 deutsche Flugzeuge transportierten 13.523 Soldaten und 27.000 Kilogramm Kriegsmaterial von Marokko nach Spanien.
Darüber hinaus konkretisierte sich die deutsche Hilfe in der Gründung ihres bewaffneten Arms in Spanien, der »Legion Condor«, in der rund 19.000 Soldaten kämpften. Dies ermöglichte der Luftwaffe, Taktiken zu erproben, die wenige Jahre später bei den Invasionen in Polen und Frankreich zur Anwendung kommen sollten. Dabei beging die »Legion Condor« eine der schändlichsten Taten des Bürgerkriegs: die Bombardierung des baskischen Ortes Guernica, in deren Folge der Stadtkern zerstört wurde und zahlreiche Zivilisten starben. Das Verbrechen ist dank des Gemäldes Pablo Picassos in die Geschichte eingegangen.
Informelle Kolonie
Auf zwei damals gegründete Unternehmen sei im Kontext der Kooperation hingewiesen: auf die HISMA (Compañía de Transportes Hispano Marroquí) und die ROWAK (Rohstoff-Waren-Kompensation Handelsgesellschaft), die von deutschem Kapital kontrolliert wurden, an denen Naziunternehmer beteiligt waren, und die darauf ausgelegt waren, den spanisch-deutschen Markt während des Krieges zu monopolisieren. Dank dieser Unternehmen gelang es der Naziführung, 70 Prozent der spanischen Exporte nach Deutschland umzuleiten und so große Mengen an Eisen, Pyrit, Wolfram und anderen Rohstoffen für die Kriegsindustrie zu beschaffen. Im Gegenzug erhielt Franco Waffen, die in vielen Fällen veraltet waren und zu überhöhten Preisen verkauft wurden.
Die Zahlungen an Deutschland erfolgten jedoch nicht nur in Form von Rohstoffen. Die HISMA verlangte von den Franco-Putschisten auch die Zahlung von Devisen, die kaum zur Verfügung standen. Mit anderen Worten: Die deutsche Hilfe entwickelte sich zu einem Verhältnis absoluter Abhängigkeit, bei dem Spanien ausgebeutet wurde und Deutschland seinen Rohstoffbedarf deckte und sich gleichzeitig einen Devisenfluss für den Bedarfsfall sicherte.
Tatsächlich forderte Deutschland im Juli 1940 von Franco die Zahlung von 24 Millionen Reichsmark unter Androhung, die Waffenlieferungen einzustellen. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Forderungen immer wieder gestellt, und es kam zu unzähligen Treffen, bei denen Nazideutschland 300 Millionen Reichsmark von einem Land einforderte, das nach dem Bürgerkrieg verwüstet und von der größten Hungersnot der damaligen Zeit heimgesucht worden war.
Gleichzeitig übte Hitler Druck auf Franco aus, seine Neutralität im Zweiten Weltkrieg aufzugeben und Gibraltar einzunehmen, was die Kontrolle über Teile des Mittelmeers und die Isolierung Großbritanniens bedeutet hätte. So kam es am 23. Oktober 1940 zu einem Treffen in Hendaye, bei dem Franco eine Reihe von Forderungen stellte, die Deutschland nicht erfüllen konnte, wie beispielsweise die Übernahme von Französisch-Marokko oder umfangreiche Lieferungen von Getreide und Erdöl. Im Ergebnis wahrte Spanien formal seine Neutralität, beendete aber nicht die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich.
Druck der Alliierten
Tatsächlich versorgte die Franco-Regierung Deutschland weiterhin mit Rohstoffen, während sie einem Druck der Alliierten ausgesetzt war, der 1944 seinen Höhepunkt erreichte, als die Vereinigten Staaten und Großbritannien ein Embargo auf Erdöl und andere Produkte verhängten, was die spanische Wirtschaft schweren Belastungen aussetzte.
Mehr und mehr wurde Franco sich der Kriegswende bewusst. Im Oktober 1943 begann er sich von Hitler zu distanzieren, indem er die 18.000 Soldaten der »División Azul« zurückzog, die an der sowjetischen Front an der Seite der Wehrmacht gekämpft hatten. 1944 reduzierte er schrittweise die Wolframlieferungen, ohne sie jedoch bis zum Jahresende vollständig einzustellen, und im Mai 1945, als der Krieg sich dem Ende zuneigte, schloss er die Grenze zu Frankreich und stellte den Handel mit dem Reich ein. Dieser Kurswechsel verhinderte, dass das besiegte Deutschland die Schulden einfordern konnte, und bewahrte Spanien vor schweren Sanktionen oder einer Invasion der Alliierten.
Von einer uneigennützigen Freundschaft beider Staaten lässt sich mithin mitnichten sprechen: Deutschland machte das iberische Land zu einer inoffiziellen Kolonie, plünderte seine Ressourcen und nutzte sein Territorium als Testgelände. Franco seinerseits profitierte von Deutschland, um den Sieg gegen die Republik zu erringen, zögerte jedoch nicht, sich zu distanzieren, als die Niederlage der Achsenmächte offensichtlich wurde.
Die Fakten offenbaren eine weitaus größere Abhängigkeit, als die franquistische Geschichtsschreibung anerkennen wollte, und vor allem eine ganz klare Lehre: dass in den Beziehungen zwischen faschistischen Staaten Loyalität ein Geschäft ist, das endet, sobald es nicht mehr rentabel ist. Franco hat das besser verstanden als jeder andere. Deshalb überlebte er die Naziherrschaft und hielt sein Regime bis 1975 aufrecht.
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