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Spanischer Krieg

Nicht nur Gernika

Das Regionalparlament von Asturien erbittet von deutschen Behörden Aufklärung über die Verbrechen der »Legion Condor«

Von António Muñoz Sánchez
Foto: Djordje Andrejevic-Kun/gemeinfrei

Jeden Tag besucht Soledad das Grab ihres Mannes und unterhält sich eine Weile mit ihm auf russisch. Ihr Schritt ist noch sicher, ihre 95 Jahre sieht man ihr nicht an. In ihrem Dorf in Hessen verwechseln viele Soledad mit einer Gastarbeiterin. Doch tatsächlich landete sie rein zufällig in Deutschland, noch bevor es die Bundesrepublik überhaupt gab. Aber Deutschland hatte sehr wohl viel damit zu tun, dass sie gezwungen war, ihre Heimat in Spanien für immer zu verlassen.

Soledad wurde 1931 in Mieres, Asturien, geboren, wenige Wochen vor der Ausrufung der Zweiten Republik. Europa bewegte sich mit Riesenschritten auf den Faschismus zu, und Spanien ging in die entgegengesetzte Richtung. Doch nur für kurze Zeit. 1936 putschte ein Teil der Armee, stieß jedoch auf den unerwarteten Widerstand von Millionen Spaniern. Unter ihnen waren Soledads Vater und ihre Onkel, kommunistische Bergleute. Die Putschisten konnten auf die Unterstützung von Mussolini und Hitler zählen, die Soldaten, Artillerie und Flugzeuge nach Spanien schickten. Die deutsche »Legion Condor« traf im Herbst 1937 in Asturien ein, um Francos Truppen dabei zu helfen, die letzte Hochburg der Republik im Norden einzunehmen. Eine ihrer Bomben traf das Haus von Soledads Großeltern.

Angesichts des absehbaren Massakers, das Franco in Asturien, dieser Hochburg der Arbeiterbewegung, anrichten würde, flohen 60.000 Menschen auf dem Seeweg aus der Region. Auf einem der Schiffe befanden sich die sechsjährige Soledad und ihre beiden älteren Brüder. Wochen später erreichten sie die UdSSR. In ihrer Verzweiflung erhängte sich Soledads Mutter, als Francos Truppen in Mieres einmarschierten.

Ohne zu wissen, dass ihre Mutter gestorben und ihr Vater in die Hände der Faschisten gefallen war und ihm 15 Jahre Gefängnis bevorstanden, wuchs Soledad in relativem Wohlstand auf. Die 3.000 spanischen Flüchtlingskinder in der UdSSR erhielten eine gute zweisprachige Ausbildung und wurden insgesamt gut behandelt. Im Juni 1941 waren Soledad und ihre Schulkameraden gerade in Odessa angekommen, um dort den Sommer zu verbringen, als Nazideutschland die Sowjetunion angriff. Rasch wurde ein Konvoi organisiert, um die Kinder in den Ural zu evakuieren. Soledad erinnert sich noch heute an die Junkers, die über den Zug hinwegflogen, und an die Explosionen der Bomben, die aber nicht trafen.

Nach Kriegsende machte das Rote Kreuz Soledad und deren Geschwister ausfindig. Eine Tante in New Jersey, die vom traurigen Schicksal der Eltern wusste, wollte die Kinder aufnehmen. Auf dem Weg in die USA reisten sie 1946 von Moskau nach Berlin. Dort erhielten sie die Nachricht, dass die Tante verstorben war. Da sie niemanden mehr hatten, mussten sie ihr Überleben in Berlin selbständig organisieren. Mit 16 Jahren lernte Soledad im Flüchtlingslager einen ukrainischen Jungen kennen, in den sie sich verliebte. Sie heirateten, ließen sich in Hessen nieder und gründeten eine Familie.

Keine Liste der Verbrechen

In ihrer Heimat Asturien legte die Podemos-Fraktion im asturischen Parlament im Jahr 2022 auf der Grundlage eines Gutachtens des Autors einen Antrag vor, wonach das Parlament die »Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen« in Ludwigsburg um Zusammenarbeit bei der Untersuchung der von der »Legion Condor« in Asturien begangenen Verbrechen ersuchen sollte.

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In der Region wurden, ebenso wie auch an anderen Orten Spaniens, keine Untersuchungen zu den Auswirkungen der deutschen und italienischen Bombardements auf die Zivilbevölkerung durchgeführt. Es gibt auch kein Verzeichnis der Schäden an Wohngebäuden und anderen öffentlichen und privaten Gütern. Doch inzwischen besteht eine Auflistung der Vermissten im Zuge der Bombardements. Der deutsche Beitrag zum Sieg Francos war in Asturien besonders bedeutend und ermöglichte das rasche Vordringen der sogenannten Nacionales in die heutige Autonome Gemeinschaft.

Innerhalb weniger Wochen wurden jene Deutschen, die unter flagranter Verletzung des Völkerrechts Soldaten und Zivilisten massakriert hatten, von den neuen Behörden Asturiens zu Helden erhoben. Ein Status, den sie formal auch nach Ende des Franco-Regimes beibehielten, bis dann nach und nach die Denkmäler zu ihren Ehren demontiert wurden, wie beispielsweise eine Gedenktafel an der Fassade des Rathauses und ein Monolith – einer unter mehreren – zum Gedenken an abgeschossene deutsche Piloten, der sich am Ortseingang von Cangas de Onís befand.

Der Vorschlag der Podemos-Fraktion jedenfalls wurde von der Zentralen Stelle gebilligt, ihrerseits hat sie in ihrem Antwortschreiben weitere Informationen erbeten. Die Regionalregierung von Asturien ist allerdings seither nicht tätig geworden – aus einer Mischung aus Unwissenheit und mangelnder Überzeugung, eine parlamentarische Initiative zu verteidigen, die nicht von ihr selbst stammte.

Kollektive Amnesie

Soledad hat sich schon vor langer Zeit mit dem kurzen 20. Jahrhundert versöhnt. Und Spanien hat einen ähnlichen Weg wie Soledad eingeschlagen. Nach Francos Tod vor 50 Jahren beschloss das Land, die schmerzhafte Vergangenheit hinter sich zu lassen und in der Gegenwart zu leben. Schwamm drüber, neu anfangen. Alle waren zur Feier der Demokratie eingeladen. Auch wenn manche glauben, dass die Amnestie von 1977, die bis heute die strafrechtliche Verfolgung der Verbrechen der Diktatur verhindert, von den ehemaligen Franco-Anhängern, aus denen nun Demokraten geworden sein sollten, erzwungen wurde, ist es doch Tatsache, dass fast die gesamte Linke und ein Großteil der baskischen und katalanischen Nationalisten sie unterstützt haben. Damals herrschte ein breiter Konsens darüber, dass man ein neues Kapitel aufschlagen und nach vorne blicken müsse.

Doch die Jahre vergingen, und eine neue Generation von Spaniern weigerte sich, weiterhin in der Blase zu leben, die sie vor einer belastenden Vergangenheit schützte. Im Jahr 2000 lokalisierte der Enkel eines von den Franco-Anhängern ermordeten Republikaners das Massengrab, in dem sein Großvater und dessen Kameraden verscharrt worden waren, und gab ihnen ein würdiges Begräbnis. Nachdem das Schweigen gebrochen worden war, gewann das Thema »historisches Gedächtnis« in der öffentlichen und politischen Debatte rasant an Bedeutung. Doch im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen die Aufarbeitung bereits seit den 1980er Jahren erfolgt war, geriet das Unternehmen in Spanien alles andere als friedlich und einvernehmlich.

Das überrascht nicht. Es ist viel einfacher, beispielsweise mit der deutschen Besatzung und der Kollaboration abzurechnen, als sich auf die Ursachen und Folgen eines Bürgerkriegs zu einigen. Und es ist etwas ganz anderes, eine Diktatur wie das Naziregime zu bewerten – das den Gipfel menschlicher Perversion darstellte und Deutschland in den tiefsten Abgrund seiner Geschichte stürzte –, als dies bei einem Regime wie dem Francos zu tun, das aufgrund seiner Langlebigkeit auch eine lange, weniger repressive Endphase durchlief.

In den vergangenen vierzig Jahren verfolgte die Bundesrepublik zunächst mit Verwunderung das Schweigen in Spanien über den Krieg und den Franquismus und später mit einer gewissen Verunsicherung den endlosen Streit um die »historische Erinnerung«. Interessanterweise hat die Bundesrepublik zumindest auf offizieller Ebene nie in Betracht gezogen, dass sie in irgendeiner Weise etwas mit der angestrebten oder verweigerten Erinnerung an Bürgerkrieg und Diktatur zu tun haben könnte. Als hätte die »Legion Condor« nie existiert, als wären die engen Beziehungen der Bundesrepublik zum Spanien Francos nur eine Fußnote der Geschichte. Das Schweigen in Bonn beziehungsweise später in Berlin kann ebenfalls nicht überraschen, wenn man versteht, wie die Vergangenheitsbewältigung, auf die die Bundesrepublik so stolz ist, konzipiert wurde und wie sie funktioniert.

Vergangenheitspolitik ist in erster Linie Politik. Sie basiert weder in erster Linie auf historischen noch auf moralischen Kriterien, sondern auf den Interessen des Staates. Seit den Anfängen der Bundesrepublik bestand das zentrale Element ihrer Erinnerungspolitik darin, das Ansehen Deutschlands in der Welt zu bessern – eine wahre Herkulesaufgabe. Das zeigte sich bereits bei den Entschädigungen für die Opfer der Nazis in den 1950er und 1960er Jahren, die gegenüber einigen Ländern und Gruppen großzügig ausfielen, während sie anderen Nationen und Gruppen, deren Ausgrenzung zur Normalität gehörte – wie den Antifaschisten –, gänzlich verwehrt wurde. Mit Beginn der Berliner Republik erhielt die Vergangenheitsbewältigung vor allem als Reaktion auf die Forderungen anderer, bis dahin vergessener Opfer des Naziregimes einen starken Schub. Dies galt beispielsweise für die ehemaligen Zwangsarbeiter, die – unterstützt durch Hollywood mit dem Film »Schindlers Liste« – die deutschen Behörden und die Großindustrie dazu zwangen, einen minimalen Teil dessen zu zahlen, was sie während des Krieges zur deutschen Wirtschaft beigetragen hatten.

Keine Entschädigungsforderungen

Von Madrid aus wurde gegenüber Bonn oder Berlin nie irgendeine Entschädigung gefordert, nicht einmal eine symbolische, für die Beteiligung Nazideutschlands an der Zerstörung der demokratischen Republik. Und auch nicht, als sich um das Jahr 2000 das Interesse an der »historischen Erinnerung« darauf konzentrierte, die mehr als 100.000 Republikaner aus den Massengräbern zu bergen. Es gibt keine offizielle Studie über die mehrere tausend Toten und die materiellen Schäden, die die deutsche Luftwaffe in Spanien angerichtet hat. Der durchschnittliche Spanier, für den das Fernsehen die wichtigste Informationsquelle darstellt, könnte, wenn man ihn nach Städten fragt, die von der »Legion Condor« bombardiert wurden, höchstens Gernika nennen. Die nach Francos Tod geschmiedete spanische »Demokratie mit Amnesie« (die sie trotz der Veränderungen seit 2000 im wesentlichen bleibt) ist letztlich zum Nutzen für die Bundesrepublik. Es ist für das deutsche Gewissen immer beruhigend, zu wissen, dass es zumindest ein großes Land in Europa gibt, das keine Rechenschaft dafür verlangt, dass Deutschland seine Bürger getötet und Dörfer und Städte zerstört hat.

Angesichts des Schweigens der spanischen Regierung versuchen bisher lediglich lokale Initiativen, etwas zu bewegen. Den einzigen Erfolg erzielte bislang eine Bürgerbewegung im Baskenland, die die Bundesregierung dazu bewegte, die Aktivitäten des Friedensmuseums in Gernika (wenn auch nicht finanziell) zu unterstützen. Nicht soviel Glück haben die Vereinigungen, die in den vergangenen Jahren von Deutschland ein »Mea culpa« für die Opfer fordern, die die »Legion Condor« unter den Zehntausenden Zivilisten verursacht hat, die im Winter 1937 zu Fuß aus Málaga flohen, um den Truppen Francos zu entkommen und Almería zu erreichen – eine Stadt, die wenig später ebenfalls von den Deutschen bombardiert wurde, in diesem Fall von der Kriegsmarine.

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Erschienen in der Beilage vom 22.07.2026, Seite 4, Geschichte

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