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Kriegstüchtige Arztpraxen

Gesundheitsversorgung in der Gesamtverteidigung

Foto: photothek/IMAGO
Gesundheit wird zur sicherheitspolitischen Ressource. Patienten werden zu Faktoren nationaler Kriegsbereitschaft

Die Kriegsvorbereitung hat das Gesundheitswesen längst erreicht. Der Nachbericht vom Dienstag zum Symposium »Gesundheitsversorgung in der Gesamtverteidigung« zeigt, wie weit die Militarisierung der Gesellschaft bereits vorangeschritten ist. Bei der Veranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ging es nicht um überfüllte Praxen. Nicht um Pflegekräftemangel. Nicht um den Arzneinotstand. Es ging um Krieg. Um Durchhaltefähigkeit. Darum, Arztpraxen, Rehaeinrichtungen und Rettungsdienste kriegstauglich zu machen. Als Ergänzung der Bundeswehr. Als Baustein der »Gesamtverteidigung«.

Erschreckend ist die Selbstverständlichkeit, mit der das geschieht. Generäle entwerfen Szenarien eines Krieges gegen Russland. Minister sprechen über jahrelange Konflikte. Verbandsfunktionäre über Patientensteuerung, Lagezentren und neue Eingriffsmöglichkeiten. Die KBV verhandelt bereits über ihre Rolle in militärischen Entscheidungsstrukturen. Als läge die Zukunft des Gesundheitssystems nicht in besserer Versorgung, sondern in seiner Verwertbarkeit für den »Ernstfall«.

Dabei springt die eigentliche Absurdität ins Auge. Seit Jahren heißt es, für eine bedarfsgerechte Versorgung fehle das Geld. Krankenhäuser werden geschlossen. Pflegekräfte arbeiten am Anschlag. Hausarztpraxen finden keine Nachfolger. Medikamente werden knapp. Doch sobald es um »Kriegstüchtigkeit« geht, erscheinen neue Zuständigkeiten, Strukturen und Finanzierungswege plötzlich machbar.

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Der Paradigmenwechsel ist offensichtlich. Das Gesundheitssystem soll nicht mehr nur Kranke behandeln. Es soll Deutschland im Kriegsfall robust machen. Gesundheit wird zur sicherheitspolitischen Ressource. Patienten werden zu Faktoren nationaler Verteidigungsfähigkeit.

Eine Entwicklung, die als bloße Vorsorge verkauft wird. Das ist fatal. Wer ständig den nächsten Krieg plant, macht ihn politisch denkbar und gesellschaftlich normal. Wer zivile Institutionen auf militärische Zwecke trimmt, verändert ihren Charakter. Schritt für Schritt. Formular für Formular. Übung für Übung.

Die Aufgabe des Gesundheitssektors ist eine andere. Krankheiten behandeln. Leid lindern. Leben retten. Nicht die NATO-Drehscheibe Deutschland absichern. Nicht Aufmarschpläne medizinisch flankieren. Nicht das Heer von Patienten »kriegstüchtig« machen.

Ein Gesundheitswesen für den Frieden wird gebraucht. Nicht für den nächsten großen Krieg.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.11.2026, Seite 1, Ansichten

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