Kanadier fordern Direktflüge nach Kuba
Hoffnung für die Insel: Bündnis aus 26 kanadischen Organisationen drängt auf Kooperation mit Havanna
Anlässlich der UN-Debatte am vergangenen Mittwoch über die US-Blockade hat das Canadian Network on Cuba (CNC) die kanadische Regierung in Ottawa aufgefordert, die offizielle Reisewarnung nach Kuba aufzuheben. Der Zusammenschluss aus 26 sozialen und gewerkschaftlichen Initiativen verlangt die Wiederaufnahme von Direktflügen sowie den Schutz kanadischer Unternehmen vor den verhängten US-Sanktionen. Forderungen nach mehr wirtschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Havanna werden mit humanitären Motiven begründet. Mindestens ein Direktflug pro Woche solle Kanada mit der Karibikinsel verbinden, auch um im Ausland lebenden Kubanern den Kontakt mit ihren Familien zu ermöglichen.
Die Folgen des Einbruchs der kanadischen Besucherzahlen sind für Kuba gravierend. Im internationalen Tourismus waren die Kanadier jahrzehntelang die wichtigsten Umsatzbringer. Zwischen 2011 und 2019 reisten jährlich über eine Million Urlauber aus dem nordamerikanischen Land auf die Insel.
Laut dem kubanischen Nationalen Büro für Statistik und Information (ONEI) waren zwischen Januar und August dieses Jahres lediglich 128.400 kanadische Besucher auf Kuba. Verglichen mit 526.239 Touristen im Vorjahreszeitraum ein Rückgang um über 75 Prozent – fast 398.000 weniger kanadische Besucher in nur acht Monaten.
Vergleicht man nur den Monat März mit dem Vorjahr, fällt das Ergebnis noch erschreckender aus. In jenem Monat kamen 511 Kanadier nach Kuba, während es im vergangenen Jahr noch 98.663 waren – ein Rückgang von mehr als 99 Prozent.
Bereits Anfang Februar, kurz nach dem offiziellen Energieembargo durch die US-Regierung, kündigte Air Canada an, seine Flüge nach Kuba einzustellen. Offiziell begründete die Fluggesellschaft ihre Entscheidung mit »Warnungen der Regierungen über die Unzuverlässigkeit der Flugkraftstoffversorgung an kubanischen Flughäfen«.
Anschließend führte die Fluggesellschaft leere Flüge in die Karibik durch, um kanadische Touristen aus Kuba zurückzubringen. Besonders Flüge nach Santa Clara und Holguín wurden ohne Aussicht auf Wiederaufnahme gestrichen.
Als Havanna im Sommer ein historisches Reformpaket mit über 176 Marktreformen vorstellte, sprachen auch die Reisebüros in Kanada von einer großen Hoffnung. Laut den Reiseveranstaltern Enjoy Travel Group und Hola Sun Holidays zielen die umfassenden Gesetzesänderungen im Tourismussektor darauf ab, die staatliche Kontrolle zu dezentralisieren. Private Unternehmen sollen mehr Autonomie bekommen und ausländische Investitionen in dem Bereich sollen gefördert werden.
Nachdem die Touristenankünfte wegen der Coronapandemie und besonders der verschärften US-Blockadepolitik über die Jahre drastisch zurückgegangen waren, zeigen sich Experten aus der Branche neuerdings zuversichtlich. »Wir sind sehr optimistisch«, sagte Gihana Galindo, Direktorin des Cuba Tourist Board in Toronto, im September. »Diese historischen Reformen markieren einen entscheidenden Meilenstein, der unsere Branche dazu befähigt, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu werden.«
Das Canadian Network on Cuba erhob seine Forderungen zur jährlichen Debatte über die US-Blockade vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Am Mittwoch stimmten die Delegationen wieder über die Resolution ab, die ein Ende der einseitigen Zwangsmaßnahmen aus Washington fordert. Während die BRD und andere Verbündete der US-Politik sich erstmals seit 1996 enthielten, stimmte Ottawa für die kubanische Resolution, wie bisher jedes Mal seit 1992.
Nach jahrzehntelanger Blockadepolitik und mehr als neun Monaten totalen Energieentzugs ist die kubanische Wirtschaft in einer existentiellen Krise. Nach dem Ende des Kalten Krieges konnte sich Havanna besonders auf die Einnahmen aus dem Tourismus stützen. Dem US-Imperialismus ist es in den vergangenen Monaten gelungen, dieser Einnahmequelle großen Schaden zuzufügen. Eine Rückkehr von Direktverbindungen aus Kanada würde der Insel neue Hoffnung verleihen.
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