Wut in den Häfen
Am Freitag fanden im Rahmen des bislang größten internationalen Aktionstages der Hafenarbeiter in mehr als 110 Häfen weltweit Streiks und Proteste gegen Rüstungstransporte nicht nur nach Israel statt. Es ging aber auch um Arbeitsplatzsicherheit.
In Italien berichtete die Nachrichtenagentur ANSA unter der Überschrift »Die Wut in den Häfen: Wir wollen nicht für den Krieg arbeiten« ausführlich über die dortigen Aktionen und Demonstrationen der Docker. Zitiert wird die Palästina-Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen Francesca Albanese, die sich glücklich zeigte über den Streik »gegen den Transfer von Waffen in ein Land, das einen Völkermord begeht«. Die Agentur Reuters stellt in ihrem Bericht aus Italien die Proteste der Hafenarbeiter in den Zusammenhang mit einem gleichzeitig dort stattfindenden Generalstreik. Für Griechenland stellt ein dortiger Reuters-Bericht insbesondere die konkrete Gefährdung von Seeleuten durch die weltweiten Kriege heraus. Die konservative griechische Tageszeitung Kathimerini hat die internationale Dimension der Streiks erfasst und deren neben ökonomischen Forderungen auch politische Stroßrichtung.
Auf Interesse stieß der Hafenaktionstag in der arabischen Welt, wo der Protest gegen Waffenlieferungen an Israel im Mittelpunkt der Berichterstattung von Medien wie der Zeitung Al-Kuds al-Arabi und dem Portal The New Arab stand. »Was kann ein weltweiter Streik der Hafenarbeiter für Gaza bewirken«, fragt der katarische Sender Al Dschasira, der »die lange Tradition der Solidarität mit den Unterdrückten« bei den Hafenarbeitern betont. »Waffen brauchen Transportmittel, Infrastruktur und die Hände der Arbeiter, um ihr Ziel zu erreichen«, wird der Vorsitzende der Hafenarbeitergewerkschaft im griechischen Piräus, Markos Bekris, zitiert. »Genau darin liegt unsere Macht.« Mohammed Al-Attar, ein aus Gaza stammender und nun in Hamburg lebender Hafenarbeiter, blicke hoffnungsvoll auf den weltweiten Streik. Er sei jedoch »zutiefst enttäuscht« von seiner Gewerkschaft Verdi in Deutschland, der er »unverständliches Schweigen« bezüglich Gaza vorwerfe.
Zumindest die Verdi-Fachgruppe »Luftverkehr und Maritime Wirtschaft« hatte sich mit den weltweiten Protesten der Docker solidarisiert und sie mit Aktionen im Hamburger Hafen unterstützt. Deutschen Tageszeitungen war der weltweite Aktionstag mit Ausnahme von junge Welt und Berliner Zeitung keine eigene Berichterstattung wert. Schon Klassenkampf an sich ist vielen staats(räson)tragenden Redakteuren bekanntlich ein Graus – und dann noch aus Solidarität mit Palästina. (nb)
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