Elif an der Shitglocke
Nichts passiert, aber in schrillsten Tönen geht es nun überall um eine »Angst« der linken Sozialdemokratin »vor ihren eigenen Leuten«. »Mit ihrem unfreiwilligen Eingeständnis hat Elif Eralp eine Kapitulationserklärung abgegeben«, schrieb am Freitag die Neue Zürcher Zeitung. »Spätestens jetzt sollte es das gewesen sein«, maulte das Darmstädter Echo. »Es wäre unverantwortlich, das Schicksal der Bundeshauptstadt in die Hände dieser Partei zu legen.« Die Westdeutsche Allgemeine schimpfte über »verlogenes Verhalten«. Für die Rhein-Neckar-Zeitung war die »Regierungsfähigkeit dahin«, die einer »Möchtegern-Hauptstadtbürgermeisterin«.
T-Online zog aus einem »Kotau vor Extremisten« große Folgerungen. »Es muss klar sein: Eralp darf keine politische Verantwortung in dieser Stadt tragen.« Die Süddeutsche ließ Bedauern anklingen: »Es sieht so aus, als wäre Eralp dem Amt nicht gewachsen.« Am Ende schlug die Die Glocke aus dem westfälischen Oelde: »Kapitulation vor Terrororganisationen«, »SPD und Grüne sollten endlich ihre Koalitionsverhandlungen stoppen«. Flooding the zone with shit.
Nur die Taz hatte Eralp noch nicht aufgegeben: »Wenn es jemandem zuzutrauen ist, nach solch einem Fehler wieder aufzustehen, dann wohl der kämpferischen Elif Eralp.« Wie die Wahlgewinnerin auf die Füße kommen könnte, überlegte am Freitag aber auch der Tagesspiegel: »Funktionieren wird das nur, wenn Eralp selbst eine 180-Grad-Wende hinlegt.«
Im DLF-Radiointerview buchstabierte SPD-Wahlverlierer Steffen Krach derweil beharrlich das Kleingedruckte. »Natürlich geht es auch um die Sicherheit von Frau Eralp«, meinte der mutmaßlich korrupte Krach jovial: »Verfassungsschutz stärken, Polizei stärken« – da gebe es inzwischen »große Einigkeit innerhalb der Linken«. Auf Anteile der SPD an der No-Go-Area Berlin angesprochen, sagte Krach einfach noch einmal dasselbe: »Wenn wir 37 Jahre in Berlin ununterbrochen mitregieren, haben wir natürlich eine Verantwortung. Und deswegen wollen wir den Verfassungsschutz stärken, die Polizei stärken – wir wollen für die innere Sicherheit sorgen.«
Die gute Nachricht im Interview: Eralp hat wenig Zeit für diesen Krach. Der hat »bisher noch keine Möglichkeit gehabt, mit ihr persönlich zu reden«. (xre)
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