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BDS Greece

»Griechenland kooperiert seit Jahren mit Israel«

BDS Greece setzt sich für »apartheidfreie Zonen« ein. Ein Gespräch mit Alexandra Pavlou

Interview: Andreas Hesse
Foto: Murad Sezer/REUTERS

Vor kurzem hat BDS-Griechenland eine neue Initiative gestartet: die Schaffung von »apartheidfreien Zonen«, kurz AFZ. Gab es dafür konkrete Anlässe?

Die AFZ sind eine internationale Initiative, die es schon seit einigen Jahren in verschiedenen Ländern wie etwa Spanien, Italien und Irland gibt. Es ist ein Versuch, die Palästina-Frage einem breiteren Publikum bekannter zu machen und den Boykott von Produkten aus Israel, den illegal besetzten palästinensischen Gebieten und von mitschuldigen internationalen Unternehmen zu fördern. Die Mitglieder dieses Netzes verpflichten sich, keine solchen Produkte zum Verkauf anzubieten oder mit Institutionen zusammenzuarbeiten, die eine Mitschuld tragen an diesem Apartheidsystem, an der Besatzung oder an dem Genozid.

Für uns sind solche Initiativen wichtig, da der griechische Staat mit Israel seit Jahren strategisch kooperiert. Damit einher geht die starke Zunahme von israelischen Investitionen, vor allem auf dem Immobilienmarkt. Die Gründung des AFZ-Netzwerks war zudem auch eine Antwort auf die wachsende Aggressivität zionistischer Touristen und von Israelis, die sich in Griechenland niedergelassen haben. Diese reagieren auf jegliches palästinensisches Symbol oder auf propalästinensische Demonstrationen heftig und mit Angriffslust.

Ist das AFZ-Netzwerk landesweit organisiert? Wie sieht es damit auf den zahlreichen Inseln aus?

Ja, das ist eine landesweite Initiative, und die Inseln sind ein wichtiger Teil davon, denn sie sind die meistbesuchten Orte. Wir versuchen ständig, das Netz besonders auf den Inseln weiter auszubauen. Es ist aber auch das schwierigste Unterfangen, weil sehr viele Inselbewohner vom Tourismus leben.

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Sie leben in Exarchia, einem für seinen Widerstand bekannten Stadtviertel von Athen. Wie werben Sie in dem Viertel für die Initiative? Wer beteiligt sich daran?

Foto: Andreas Hesse 3int-online-Andreas Hesse.jpg

Anfänglich haben wir uns an Geschäfte, Lokale, Supermärkte, Praxen, Kanzleien, Kunsträume und so weiter gewendet, die ihre propalästinensische Haltung durch Symbole in ihren Räumlichkeiten offen ausdrücken. Die haben uns oft an andere gleichgesinnte Lokalbesitzer weitervermittelt. Wir versuchen aber auch, Inhaber zu erreichen, die ihre politische Haltung nicht sichtbar nach außen tragen. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit findet zudem in den sozialen Medien statt. Wir haben eine Seite auf Instagram, über die viel mehr Menschen auf uns stoßen, und manche von ihnen drücken dann selbst ihren Wunsch aus, sich dem Netzwerk anzuschließen.

Bekommen Sie bereits staatliche Repressionen zu spüren?

Es gibt Anzeichen dafür, wie zum Beispiel die Mitteilung des Bürgerbeauftragten, der unter anderem von »mutmaßlichen Vorfällen der Verweigerung von Dienstleistungen an israelische Staatsbürger« sprach. Den Anlass für diese Mitteilung gab kein Ladengeschäft mit AFZ-Bezug, sondern gaben andere Läden mit palästinensischen Symbolen. Dennoch betrifft dies eindeutig auch das AFZ-Netzwerk. Ein weiteres Anzeichen für die bevorstehende staatliche Repression sind die Erklärungen von Regierungsabgeordneten oder auch Ministern, die von Antisemitismus sprechen. Androhung juristischer Klagen gab es; aber vor allem gab es Drohungen – auch Morddrohungen, meistens über das Internet – sowie tatsächliche Angriffe von israelischen Touristen gegen Inhaber und deren Geschäfte.

Wie unterstützen Sie Läden, die davon betroffen sind?

Wir arbeiten mit Anwälten zusammen, die uns zunächst versichert haben, dass weder unsere Gründungserklärung noch unser Logo gegen irgendein Gesetz verstoßen oder etwas enthalten, das eine Diskriminierung aufgrund von Rasse oder Religion darstellt. Im Gegenteil, unsere Gründungserklärung steht in vollem Einklang mit zahlreichen UN-Resolutionen bezüglich der Mittel, die einer propalästinensischen Bewegung zur Verfügung stehen, um gegen das israelische Apartheidsystem, die illegale Besetzung der palästinensischen Gebiete und den Völkermord anzukämpfen. Darüber hinaus unterstützen diese Anwälte die Mitglieder des AFZ-Netzwerks im Falle einer Klage oder Strafanzeige unentgeltlich.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.10.2026, Seite 3, Ausland

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