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Vorschnelle des Tages: Bundesregierung

Foto: imago/photothek
In der Mitte: Raleighs Waage

Über Sir Walter Raleigh erzählt man sich folgende Lügengeschichte. Er habe am Hofe Elizabeths mit der Königin gewettet, dass es möglich sei, das Gewicht des Rauchs zu messen. Zum Beweis wog er eine Pfeifenfüllung Tabak, rauchte sie ohne Eile und klopfte die Asche auf die Waage. Das Gewicht zog er vom Gewicht des Tabaks ab. Seitdem weiß die Menschheit, wieviel Rauch wiegt. Elizabeth zahlte die Wettschulden: Bislang habe sie nur von Leuten gehört, die Geld in Rauch verwandeln, doch einen gebe es offenbar, der Rauch zu Geld machen kann.

Sie kannte halt die Bundes­regierung noch nicht. 2020 lag die Tabakbesteuerung bei 4,68 Euro pro 20er Schachtel. Derzeit liegt sie bei 5,47 Euro. 2027 soll sie auf 6,28 steigen, 2028 auf 7,04, 2029 auf 7,89 und 2030 auf 8,85. Relativ steigt der Steueranteil damit zwischen 2026 und 2030 von 68 auf 75 Prozent. Raucher sind die letzte Bastion des Keynesianismus. Griffe jeder Bürger des Landes zur Fluppe, hätte sich die von Monetaristen und Neoklassikern beschworene Schuldenbremse längst erledigt. Raucher sichern unsere Rente.

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Ich ahne den Einwand. Wer dergleichen glaubt, muss was geraucht haben. In diesem Fall mehr als bloß Tabak. Die Regierung jedenfalls konnte die Erhöhung nicht abwarten. Wie am Mittwoch bekannt wurde, tritt die neue Regelung aufgrund einer »Formulierungspanne im Gesetzestext« ab sofort in Kraft. Man bemühe sich, das schnell zu korrigieren.

Intention der Steuererklärung sei natürlich die Volksgesundheit. Die Methode ist die übliche: einfach die Preise anheben, dann wird schon weniger konsumiert werden. Dabei könnte man auch, wie in Frankreich und Italien, das Prinzip der »Tabacs« einführen, Tabakverkauf also nur noch in dünn gesäten Läden erlauben. Das würde sich gleichfalls auf den Verbrauch auswirken, denn wie Max Goldt zu eben diesem Thema bemerkte: Der Mensch ist ja nicht nur schwach, sondern auch bequem.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.10.2026, Seite 3, Ansichten

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