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Ehrung für Pogromverantwortlichen

Sie können’s nicht lassen

Ukraine: Gebietsparlament von Lwiw erklärt 2027 zum Roman-Schuchewitsch-Jahr. Der UPA-Kommandeur war verantwortlich für den Völkermord an der polnischen Bevölkerung

Foto: Yurii Rylchuk/Avalon.red/IMAGO
Faschistische Gedenkveranstaltung zum 75. Todestag Schuchewitschs in Iwano-Frankiwsk (5.3.2025)

Der Geschichtsstreit zwischen der Ukraine und Polen geht in die nächste Runde. Nachdem die Kontroverse um Ehrungen der faschistischen »ukrainischen Aufstandsarmee« UPA durch Präsident Wolodimir Selenskij im Sommer mit Formelkompromissen beruhigt worden war, hat jetzt das Gebietsparlament von Lwiw eine neue Ebene des Streits eröffnet. Die Abgeordneten beschlossen vergangene Woche mit 54 von 89 Stimmen, das kommende Jahr unter die Schirmherrschaft von Roman Schuchewitsch zu stellen; formaler Anlass ist dessen 120. Geburtstag im Jahr 2027. Das Ereignis soll mit »wissenschaftlichen, künstlerischen und allgemeinbildenden Veranstaltungen« gewürdigt werden.

Die Ehrung von Schuchewitsch ist aus Sicht der Opfer der UPA im Grunde noch provokanter als eine wiederholte Ehrung von Stepan Bandera, dessen 120. Geburtstag 2029 ansteht. Denn Bandera war in dem Zeitraum, als die UPA unter dem Kommando von Schuchewitsch mit Beilen, Mistgabeln und Feuer die polnische Zivilbevölkerung der Regionen Wolynien und Galizien terrorisierte, von den deutschen Faschisten in »Ehrenhaft« interniert und kann zumindest für den direkten Befehl zu diesen Mordaktionen nicht verantwortlich gemacht werden. Dass er sich auch später nicht von diesem Terror distanziert hat, steht auf einem anderen Blatt.

Schuchewitsch aber steht für die direkte Kooperation der ukrainischen Nationalisten mit Nazideutschland im Krieg gegen Polen und die Sowjetunion. Ausgebildet auf deutschen Truppenübungsplätzen, dienten ukrainische Nationalisten in der vom Wehrmachtsgeheimdienst »Abwehr« befehligten Einheit »Nachtigall« und beteiligten sich – formal gesehen auf »Heimaturlaub« – an dem Pogrom von Lwiw Ende Juni 1941. Das Jahr 1942 verbrachte Schuschkewitsch als Kompaniechef eines Bataillons der »Schutzmannschaft« im deutsch besetzten Belarus, wo sich die Einheit an der Vernichtung von Partisanen und Juden in den Wäldern beteiligte.

Foto: Wikimedia Commons Shukhevych_stamp_2007.png
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Als sich das Kriegsglück Anfang 1943 gegen die Hitlerfaschisten gewendet hatte, verließ Schuchewitsch den unmittelbaren Dienst bei der Wehrmacht und baute aus Deserteuren der deutschen »Hilfspolizei« die »Ukrainische Aufstandsarmee« auf. Im Juli 1943 begann diese ihre Vernichtungsaktion gegen die polnische Bevölkerung, um für die Zeit nach Kriegsende eine ethnisch »gesäuberte« Ukraine zu erreichen. Anders als Bandera, der von den Nazis in den Westen evakuiert wurde, blieb Schuchewitsch in der Ukraine und wurde erst 1950 in einem Feuergefecht von der sowjetischen Staatssicherheit liquidiert.

Die Ehrung von Schuchewitsch durch das Gebietsparlament von Lwiw ist nicht die erste, die ihm in der »freien Ukraine« zuteil geworden ist. In rund zehn Städten der Westukraine ist er Ehrenbürger, die nach ihm benannten Straßen und Plätze gehen in die Hunderte. Ausgerechnet ein Gymnasium in Lwiw mit polnischer Unterrichtssprache trägt eine Gedenktafel zu seinen Ehren an der Fassade. Denkmäler für Schuchewitsch stehen in drei Städten der Ukraine sowie in Buffalo in den USA. 2007 verlieh ihm der »proeuropäische« Präsident Wiktor Juschtschenko den Titel »Held der Ukraine«, der ihm durch ein Gericht in Donezk aus formalen Gründen wieder aberkannt wurde – er war während der Zeit seiner »Tätigkeit« kein ukrainischer Staatsbürger gewesen, weil es keine Ukraine als Staat gab. Bei Gelegenheit der Ehrung als »Held der Ukraine« gab die ukrainische Post eine Sondermarke mit seinem Profil im Cäsarenformat heraus.

Dass die Ehrung von Schuchewitsch im benachbarten Polen übel aufgenommen werden würde, musste den Initiatoren klar sein. Sie ließen sich aber davon nicht abhalten. Ihr Argument ist, die Ukraine dürfe sich nicht vorschreiben lassen, wessen sie gedenken dürfe. Die polnischen Reaktionen blieben aber verbal; die einzige praktische Maßnahme war, dass Außenminister Radosław Sikorski den Initiator der Ehrung im Gebietsparlament für fünf Jahre mit einem Einreiseverbot in die Schengenzone belegte. Im Sinne der Parole »Wenn die Ukraine morgen fällt, sind übermorgen wir dran« hat Polen deutlich gemacht, dass ihm ukrainische Neonazis als Nachbarn lieber sind als Russen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.10.2026, Seite 15, Antifaschismus

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