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Fußball

Spanien hamstert Titel

So verlief die U20-Fußball-WM der Frauen

Foto: Kacper Pempel/REUTERS
Laia Lopez (l.) und Paula Comendador mit Trophäe

Nachwuchsweltmeisterschaften der Frauen im Fußball erregen in der Regel wenig Aufmerksamkeit. Bedauerlicherweise. Die diesjährige U20-WM der Frauen bildete eine Ausnahme, allerdings nicht aus sportlichen Gründen. Das Turnier, das vom 5. bis zum 27. September in Polen stattfand, wäre das erste ohne europäische Teams gewesen, hätte der Europäische Fußballverband UEFA seine Boykottdrohungen gegen den Weltfußballverband FIFA wahrgemacht.

Zu diesen Drohungen war es im Juli dieses Jahres gekommen, nachdem FIFA-Präsident Gianni Infantino angekündigt hatte, bei zukünftigen FIFA-Turnieren private Investoren mit ins Boot holen zu wollen. Das gefiel den Europäern nicht, zumal die privaten Investoren, mit denen Infantino liebäugelte, primär aus dem Umfeld von Donald Trump stammten. Ende August ließ die UEFA ihre Boykottdrohungen fallen. Offiziell gaben sich die UEFA-Bosse mit dem Versprechen Infantinos zufrieden, die Investmentpläne ad acta zu legen. Welche Einigung es zwischen den Fußballbossen wirklich gab, darüber lässt sich für den Laien nur spekulieren.

So wirklich rechnete niemand mit einem UEFA-Boykott. Säbelrasseln ist eine Sache, Rückgrat eine andere. Der polnische Fußballverband vermeldete Anfang August, dass die Vorbereitungen für das Turnier wie geplant liefen: »Wir haben von keinem Verband gehört, der sein Team zurückziehen will. Wir denken, dass die gegenwärtige Situation bald geregelt sein wird.«

Eine dominante Rolle spielen die europäischen Teams bei den U20-Weltmeisterschaften der Frauen ohnehin nicht. Von den elf Weltmeisterschaften, die vor dem diesjährigen Turnier in Polen ausgetragen wurden, gewannen europäische Teams nur vier. Dreimal war das deutsche Team erfolgreich, zuletzt 2014 in Kanada. Ein Höhepunkt war der ­Titelgewinn bei der Heim-WM 2010, als sich Deutschland im Finale auf der Bielefelder Alm mit 2:0 gegen ­Nigeria durchsetzte. Es war das Turnier, in dem Alexandra Popps Stern aufging. Die Ausnahmespielerin, die später 145 Mal für das deutsche A-Team auflaufen sollte, wurde mit zehn Treffern in sechs Spielen Torschützenkönigin.

Die meisten Titel bei U20-Weltmeisterschaften der Frauen, nämlich vier, gingen an Nordkorea. Die Nordkoreanerinnen kamen auch als Titelverteidigerinnen nach Polen. 2024 in Kolumbien war der Titelgewinn mit einem 1:0-Finalerfolg über Japan gelungen.

Beim diesjährigen Turnier schloss die nordkoreanische Auswahl nahtlos an ihre Auftritte vor zwei Jahren an. Bis ins Finale musste man kein einziges Gegentor hinnehmen. Der wichtigste Sieg gelang in der Runde der letzten 16 gegen Japan mit 2:0. Im Finale der U20-Asienmeisterschaft im April war Nordkorea den Japanerinnen noch mit 0:1 im Finale unterlegen. Team und Betreuerstab zeigten sich offenbar lernfähig.

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Die Gegnerinnen im diesjährigen WM-Finale kamen aus Spanien. Auch die Spanierinnen waren mit sechs Siegen und einem Torverhältnis von 21:1 souverän durchs Turnier marschiert. Im Finale neutralisierten sich die Teams weitgehend, den wenigen Torchancen gingen individuelle Fehler voraus.

Nach einem 0:0 über 120 Minuten ging es ins Elfmeterschießen, in dem die Spanierinnen mit 4:3 das bessere Ende für sich hatten. Es war eine Revanche für die Finalniederlage bei der U17-WM der Frauen 2024. Damals standen sich dieselben Teams gegenüber, doch es waren die Nordkoreanerinnen, die sich im Elfmeterschießen mit 4:3 durchsetzten.

Platz drei bei der diesjährigen U20-WM ging an Kolumbien, das im Spiel um den dritten Platz Italien besiegte – ebenfalls nach Elfmeterschießen.

Spanien hamstert damit im Fußball weiter internationale Titel, bei Frauen und Männern und in allen Altersklassen. Der bedeutendste Unterschied nach dem U20-Frauenfinale: Auf die meisten Spanierinnen warten lukrative Profikarrieren, während sich die Nordkoreanerinnen weiter abseits der modernen Fußballindustrie in Anonymität auf große Turniere vorbereiten werden.

Die Wiener Filmemacherin Brigitte Weich drehte zwei Dokumentarfilme zum Frauenfußball in Nordkorea: »Hana, dul, sed …« (Eins, zwei, drei, 2009) und »… ned, tassot, yossot …« (Vier, fünf, sechs, 2023). Dass die Frauen Nordkoreas im Fußball international erfolgreicher sind als die Männer, erklärt sie auf Anfrage von jW so: »Der Frauenfußball ist eine relativ junge Sportart, und die Demokratische Volksrepublik Korea hat relativ früh begonnen, den Sport intensiv zu fördern. Heute gibt es quasi ab dem Kindergarten systematisches Fußballtraining im ganzen Land.« Weich berichtet, dass zu Beginn der Förderung des Frauenfußballs in Nordkorea Spielerinnen aus anderen Sportarten rekrutiert wurden. So war die ehemalige Torfrau des Nationalteams, Ri Jong Hi, ursprünglich Hochspringerin.

Zum zweiten Mal nach 2024 nahmen bei einer U20-WM der Frauen 24 Teams teil. Das ist schön für jene, die sonst vielleicht hätten zusehen müssen, führt jedoch auch zu einem eklatanten Leistungsgefälle. Neuseeland kam gegen die USA mit 0:9 unter die Räder, Spanien deklassierte Neukaledonien mit 11:0. Der Auftritt des französischen Überseeterritoriums, das von der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung Kanaky genannt wird, war dennoch ein besonderer. Nachdem sich die U20 der Männer 2025 erstmals für eine FIFA-WM qualifizieren konnte, waren in diesem Jahr die Frauen an der Reihe.

Deutschland hingegen war erstmalig nicht bei einer U20-WM der Frauen vertreten. Eine 1:2-Niederlage in Polen während der Qualifikationsspiele 2025 besiegelte das Aus. Ein entsprechender Trend hatte sich bereits abgezeichnet. Seit dem Triumph 2014 reichte es für das deutsche Team nie mehr für das Halbfinale. Dem A-Team der Männer ist es freilich noch schlechter ergangen.

Das Zuschauerinteresse bei der WM in Polen war bescheiden. Im Schnitt wohnten weniger als 1.000 Fans den Spielen bei. Vor zwei Jahren in Kolumbien waren es über 7.000. Ob sich die Probleme rund um die FIFA bemerkbar machen? Gianni Infantino saß beim Finale als Präsident auf der Tribüne. Wie lange er diese Rolle noch einnehmen wird, bleibt abzuwarten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.10.2026, Seite 16, Sport

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