Systemisches Wackeln
Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Scott Bessent hält den KI-Boom nicht für ein »Systemproblem«. Der US-Finanzminister antwortete mit dieser Aussage bei einer karitativen Veranstaltung in New York auf Fragen, die ihm von Nir Bar Dea, dem Chef des großen Hedgefonds Bridgewater, zur Unruhe am Finanzmarkt angesichts dessen Besessenheit mit künstlicher Intelligenz (KI) gestellt worden waren. Bessent betonte, dass er als ehemaliger Manager eines Macro-Hedgefonds, also eines Fonds, der auf Zinsen und Währungen spekuliert, »gut darin sei, herauszufinden«, wenn es Probleme im System gebe. Das Interview fand auf einer exklusiven Veranstaltung statt, die von der größten Bank des Landes (und des Globus), J. P. Morgan Chase, gesponsert wurde. Der Mindesteintrittspreis lag bei 7.500 US-Dollar, wofür dann wenigstens »exklusive Anlagetipps« in Aussicht gestellt worden waren.
Über weitere Erkenntnisse und Tipps teilt die Financial Times in ihrem Bericht nichts Näheres mit, und auch die Bemerkungen des Finanzministers musste die Zeitung aus zweiter Hand wiedergeben, weil die Presse generell nicht eingeladen war. Bessent hatte in letzter Zeit kein besonders gutes Händchen bei der Versteigerung der US-Staatsanleihen gehabt, als er Rückkäufe ankündigte, um ihren Preis zu stützen, und damit eher das Gegenteil, also sinkende Preise und steigende Renditen, erreichte. Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass, während Bessents positive Einschätzung des KI-Booms und der enormen Investitionen in den Bau weiterer Rechenzentren verbreitet wurde, die Börsenkurse von Meta Platforms (Facebook, Instagram, Whats-App etc.) einbrachen. Meta-Chef Mark Zuckerberg, dessen Firma relativ spät ins KI-Geschäft eingestiegen war, hatte festgestellt, dass Meta in den nächsten Jahren zusätzliche Kredite von »Hunderten Milliarden Dollar« aufnehmen und in den Ausbau seines KI-Geschäfts stecken werde. Die Prämien für die handelbare Kreditversicherung (Credit-Default-Swaps, CDS) für Meta-Bonds stiegen auf Rekordhöhen. Die Meta-Aktie verlor am Donnerstag sieben Prozent, der Nasdaq-100-Index satte drei Prozent.
Vermutlich ist der Markt auch wegen der in zehn Tagen anstehenden Zwischenwahlen in den USA besonders nervös. Präsident Donald Trump hatte angekündigt, bis dahin die militärischen Angriffe auf den Iran nicht wieder aufzunehmen. Der Schluss liegt nahe, dass der Krieg dann wieder in voller Schärfe weitergeht. Die Nachricht, dass der riesige saudische Ölkonzern Aramco unter dem Eindruck der Angriffe aus dem Jemen sein Hauptquartier in Dhahran geräumt und die Beschäftigten ins Homeoffice geschickt hat, trug ebenfalls dazu bei, dass der Ölpreis (Sorte Brent) bis auf über 114 US-Dollar je Fass stieg, so hoch wie zuletzt im Mai dieses Jahres. Ein derartig hoher Preis ist selbst für das größte Produzentenland ungünstig.
Dass der Aktienmarkt in den USA unmittelbar vor den so wichtigen Wahlen am 3. November in die Knie geht, scheint undenkbar. Aber angesichts wachsender Zweifel am grandiosen Profitmodell wackeln die Gelenke gehörig.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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