Zum Inhalt der Seite
Waldbrände in Indonesien

Zündeln aus Stolz

Brände in Indonesien: 1,92 Millionen Hektar verbrannt und erste Todesopfer. Doch Jakarta schlägt Hilfe aus

Foto: IMAGO/ZUMA Press

Insgesamt 2.867 Feuersbrünste wies die interaktive Karte des Portals currentwildfires.com zu Wochenbeginn in Indonesien aus. Die Schwerpunkte der Brände liegen im Süden der flächenmäßig größten Insel Sumatra sowie in Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, dessen andere Hälfte zu Malaysia gehört. Aber auch auf Papua, ganz im Osten des Landes sowie auf vielen kleineren der 17.000 Inseln lodern noch jede Menge Flammen. Manche Feuer sind natürlichen Ursprungs, der überwiegende Teil ist aber durch Menschenhand ausgelöst – bisweilen durch Unachtsamkeit, meist aber ganz bewusst, um per Brandrodung neue Flächen für Felder oder Plantagen, vor allem Ölpalmen, zu schaffen. Indonesien ist weltgrößter Exporteur von Palmöl.

Laut offiziellen Angaben sind 60.000 Feuerwehrleute, Sicherheitskräfte und zivile Unterstützer im Einsatz, um die Brände zu löschen. Da viele Feuer in entlegenen Waldgebieten ausbrechen, ist es am Boden oft schwierig, die Brandherde zeitnah oder überhaupt zu erreichen. Einsatzkräfte berichten zudem häufig, dass es wegen ausgetrockneter Seen und Flüsse an Löschwasser mangele. Immer öfter bedrohen die um sich greifenden Brände deshalb auch Siedlungen. Mindestens 300 Gebäude wurden laut der indonesischen Katastro­phenschutzbehörde bislang zerstört. 1.800 seien von Bränden betroffen und 500 evakuiert worden.

Auch Todesopfer sind inzwischen zu beklagen: Vier Mitglieder eines zwölfköpfigen Einsatzteams kamen am 15. Oktober bei der Brandbekämpfung im Mount Bromo-Nationalpark im Osten der Hauptinsel Java ums Leben. Laut dem Umweltportal Mongabay handelte es sich um einen Feuerwehrmann, zwei Beschäftigte eines Hotels und einen Mitarbeiter des Nationalparks. Sie seien von Flammen samt giftiger Rauchwolken eingeschlossen worden, erklärte das Forstministerium. Am Wochenende warnte das meteorologische Zentrum in Singapur vor »hohem Risiko durch schweren … Smog« auch in den angrenzenden Staaten.

Anzeige

Satellitendaten des Nusantara Atlas zeigten, dass die verbrannte Fläche im September doppelt so groß war wie im August, meldete Reuters am Dienstag: 1,92 Millionen Hektar überwiegend tropischen Regenwalds wurden in Aschefelder mit verkohlten Baumstümpfen verwandelt. Die Datensammlung hat demnach bis zum 20. Oktober insgesamt 1,5 Millionen Brände erfasst. Damit sind die Schäden größer als 2019, da der südostasiatische Inselstaat zuletzt eine vergleichbar verheerende Brandsaison durchstehen musste. Die International Union for Conservation of Nature warnte, allein 52 Prozent der Orang-Utan-Habitate seien von den Bränden betroffen. Ähnliches gilt für den Lebensraum etlicher anderer gefährdeter Tierarten.

Das Forstministerium hat bereits 32 mit Waldbränden in Verbindung gebrachte Firmen sanktioniert. Sie wurden zu Wiederaufforstungsmaßnahmen verpflichtet, zudem wurde ihnen die Lizenz entzogen. Laut der Polizei, so Radio Republik Indonesia, laufen derzeit insgesamt 98 offizielle Ermittlungsverfahren gegen Unternehmen. Die wohl am ehesten spürbare ökonomische Folge der Krise: Zwischen dem 11. August und dem 19. Oktober sei es bei 2.604 Inlandsflügen zu Störungen gekommen, sagte der im Verkehrsministerium für Luftfahrt zuständige Lukman F. Laisa am Dienstag. Etwa die Hälfte sei gestrichen oder verschoben worden. Auch 14 internationale Verbindungen von und nach Singapur waren von den Streichungen betroffen.

Trotz der zugespitzten Lage will Indonesien die Krise jedoch allein bewältigen: Angebotene internationale Hilfe hat Jakarta bisher abgelehnt. Mit Trockeneis wird versucht, künstlich das Wetter zu ändern und die Wolkenbildung anzuregen. »Wir senden nicht nur Rauch; wenn kein Rauch da ist, spenden wir Sauerstoff«, wies Syah­ganda Nainggolan, Leiter des Kommunikationsbüros der Regierung, laut Mongabay vergangene Woche Kritik aus den Anrainerstaaten zurück. Hilfe nehme man erst an, wenn »ein nationaler Katastrophenzustand ausgerufen« wird, zitierte Channel News Asia am Dienstag den Koordinierenden Minister für sicherheitspolitische Angelegenheiten, Dudung Abdurachman. Noch habe Indonesien die Situation unter Kontrolle, gelobte dieser stolz.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 22.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!