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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Der Tragödie erster Teil

→ Zu jW vom 9.10.: »Vitales Interesse«

Der »Antisemitismus in der Linkspartei« wird ja auch medial maximal ausgeschlachtet, da wird aus allen Rohren und mit den absurdesten Argumenten gefeuert. Wie schön, dann braucht man nicht mehr über die Kampagne zur Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen zu berichten, und es darf dabei völlig unter den Tisch fallen, dass die SPD (so sie in die Koalition eintritt) wie angekündigt eine Vergesellschaftung nicht mittragen wird. Was wird dann passieren? Wird die RGR-Koalition platzen? Oder wird die linke Führung dann schulterzuckend den Berlinern mitteilen, dass es nun doch nicht geklappt hat (weil »keine Mehrheiten«) und weiterregieren wollen? (Bzw., wie schon einmal geschehen, herausfinden, dass Regierungssessel wärmer sind als der Platz vor dem Roten Rathaus, zusammen mit Mietern bei Demonstrationen von Berlinern für Vergesellschaftung?) Warum wird von seiten der Linken nicht die Zustimmung zu Vergesellschaftungen als Eintrittsbedingung für die SPD gestellt und medial problematisiert? Denkt man weiter?

Peter Schmidt, Berlin

Der Tragödie zweiter Teil

→ Zu jW vom 9.10.: »Wer nicht spurt, fliegt«

Warum lässt sich der Wahlsieger Linkspartei derartige Bedingungen aufzwingen, als Vorbedingungen, damit die »Partner«, Grüne und SPD, überhaupt mit dem Wahlsieger reden? Es dürfte in der Geschichte der BRD einmalig sein, dass es zwei anderen Parteien erlaubt wird, einer dritten Partei, dem stärksten Partner, die Androhung von innerparteilichen Ordnungsmaßnahmen gegen dessen Mitglieder aufzuzwingen. Und Die Linke macht mit, sagt freudig ja zum Unterwerfungsritual. Ja zu ideologisch determinierten Antisemitismusdefinitionen, die nichts mit Antisemitismus, aber viel mit der Unterstützung für Besatzerterror und Völkermord zu tun haben – und mit dem Kampf gegen missliebige Andersdenkende im Inland und in der eigenen Partei, der Linken. Vielleicht liegt hierin der wahre Grund der willigen Unterwerfung: Sie hilft, innerparteiliche Gegner auszuschalten. Vermutlich ist das der Grund für linke Vorstände, den Kakao gar mit Genuss zu trinken, durch den die gesamte Linke zuvor gezogen wurde. Der kleine Hoffnungsfunke des Linke-Sieges in Berlin scheint in der Tat nur ein Funke zu sein. Man könnte einwenden, Die Linke habe ihrerseits auch das Recht, Antisemitismus bei Grünen und SPD zum Thema zu machen … Dieser Einwand taugt nicht mal als schlechter Witz. Anders wäre es, wenn Die Linke die Unterstützung des israelischen Terrors gegen Palästinenser bei den »Partnern« zum Thema für deren innerparteiliche Ordnungsverfahren machen könnte. Die Schiedsgerichte hätten viel zu tun, die Fraktionen von SPD und Grünen würden deutlich schrumpfen.

Stephan Krüger, Neumarkt in der Oberpfalz

Der Tragödie dritter Teil

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→ Zu jW vom 9.10.: »Wer nicht spurt, fliegt«

Die Berliner Linke, in die so viel Hoffnung gesteckt wurde, steht vor einer Zerreißprobe, wenn sie propalästinensische Solidarität für die Dreierkoalition opfert. Weiter für eine Zwei­staatenlösung einzutreten ist eine große Illusion, das wissen alle von bürgerlich bis links, und verbreiten den Quatsch trotzdem immer wieder.

Wolfgang Schlenzig, Berlin-Mariendorf

Der Tragödie vierter Teil

→ Zu jW vom 9.10.: »Wer nicht spurt, fliegt«

Warum redet niemand davon, dass sich die Affäre um den gescheiterten SPD‑Spitzenkandidaten Steffen Krach ausweitet? Erst kürzlich wurde die Immunität eines SPD-Spitzenpolitikers in Niedersachsen aufgehoben. Es gehe zum einen um eine Spende eines Unternehmers an den SPD-Landesverband Berlin. Zum anderen geht es um eine behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebotes als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie. In so einem Fall wäre es eigentlich selbstverständlich, dass Krach seine Ämter ruhen lässt, bis die juristischen Vorwürfe aufgeklärt sind. Im Gegenteil erdreistet sich Krach, über Politiker der Linken wie Ferat Koçak zu urteilen. Er vergisst nur, dass Ermittlungen nicht gegen Koçak, sondern gegen ihn laufen. Seine und nicht Koçaks Wohnungen und Büroräume wurden durchsucht.

Peter Nowak, Berlin

Nach der Tragödie: Kultur

→ Zu jW vom 9.10.: »Das gebeutelte Land«

Mit Verwunderung habe ich Ken Mertens Rezension zu »Der Frieden der Ameisen« von Matthias Gutsch gelesen. Als Leserin des wohl gleichen Buches hatte ich einen völlig anderen Eindruck. Ich konnte das Buch kaum weglegen, es hat mich inhaltlich überzeugt und auf die Problematik Kubas aufmerksam gemacht. Für mich ist es eine lesenswerte, tiefgründige Reiseerzählung mit einem eigenständigen, flüssigen Stil. Gerade die sehr persönliche Erzählweise und die literarischen Stilmittel machen einen besonderen Reiz aus. Besonders befremdet mich Ken Mertens Formulierung vom »schmierigen Male Gaze«. Als Frau habe ich beim Lesen keinen Macho-Eindruck gewonnen. Selbstverständlich können Leserinnen und Leser dieselben Passagen unterschiedlich wahrnehmen. Jedoch lässt sich mein Leseerlebnis mit diesem Etikett absolut nicht in Einklang bringen. Eine Rezension darf kritisch sein und muss meine Begeisterung nicht teilen. Ich wünsche mir aber eine Auseinandersetzung, die der Besonderheit eines Buches Raum gibt. Der Ton dieser Besprechung wirkt auf mich überheblich, das Urteil arrogant, und ich frage mich, ob der Verfasser das Buch überhaupt vollständig gelesen hat. Ich habe eine anregende politische Reiseerzählung gelesen, die Aufmerksamkeit für ihren wichtigen Inhalt verdient.

Alexandra Rusch, Potsdam

Es dürfte in der Geschichte der BRD einmalig sein, dass es zwei anderen Parteien erlaubt wird, einer dritten Partei, dem stärksten Partner, die Androhung von innerparteilichen Ordnungsmaßnahmen gegen dessen Mitglieder aufzuzwingen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.10.2026, Seite 14, Leserbriefe

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