Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Ganz oben auf der Agenda«
→ Zu jW vom 5.10.: »Tausende für den Frieden«
Auch ich war bei der großen Friedensdemo in Berlin dabei und habe mich sehr über die vielen jüngeren Demonstranten gefreut. Das zeigt deutlich, dass das Thema Wehrpflicht und Zwangsdienste bei den Jüngeren ganz oben auf der Agenda steht. Nun müssen nur noch der DGB und seine Einzelgewerkschaften und die Kirchen dazukommen und den Zusammenhang von Rüstung und Sozialabbau zum Thema machen.
Karl-Heinz Schmidt, Braunschweig
Der historischen Wahrheit verpflichtet
→ Zu jW vom 1.10.: »Wider die Legende von der ›sauberen Wehrmacht‹«
Der Würdigung von Manfred Messerschmidt stimme ich aus vollem Herzen zu. Aus seinen und den von ihm verantworteten Schriften kannte ich – seit 1974 Wissenschaftler am Militärgeschichtlichen Institut der DDR Potsdam – ihn sehr gut. Gegen Ende seines Lebens hatte ich das große Glück, ihn bei einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg noch persönlich zu treffen und mich mit ihm auszutauschen. Messerschmidt war ein Historiker, der sich der historischen Wahrheit im maximalen Maße verpflichtet fühlte. Und der um diese Wahrheit mit vollstem Einsatz kämpfte. Mit unserem Institutsdirektor, Generalmajor Prof. Dr. Reinhard Brühl, lange Jahre Vizepräsident der Internationalen Kommission für Militärgeschichte, verband ihn wohl seit Ende der 70er Jahre auch eine persönliche Nähe. Messerschmidt war auch mir ein Beispiel dafür, was uns Historiker Publius Cornelius Tacitus gelehrt hat, »Sine ira et studio« – Geschichte schreiben »ohne Zorn und ohne Eifer«. Brühl übrigens auch. Er zerriss 1985 den ersten Entwurf der »Militärgeschichte der BRD« mit den Worten, auch wir in der DDR müssten endlich raus aus den Schützengräben des Kalten Krieges. Ehre dem Andenken an Prof. Manfred Messerschmidt!
Lothar Schröter, per E-Mail
Wessen Interessen
→ Zu jW vom 1.10.: »Rauswurf vor Stillegung«
Es wäre natürlich interessant zu erfahren, als wessen Interessenvertreter der Gesamtbetriebsrat (GBR) sich sieht. Diese Frage dürfte allerdings leider nie beantwortet werden, zumindest nicht öffentlich. Beantwortet werden wird hoffentlich aber durch Gerichte die Frage, ob diese Vorgehensweise des Hotelbetreibers und seiner Handlanger im GBR rechtmäßig war. Als langjähriger BR- und GBR-Vorsitzender habe ich da erhebliche Zweifel: Wenn nur ein Standort geschlossen wird, worin begründet sich dann die Zuständigkeit des GBR? Das ist doch eigentlich eindeutig Sache des örtlichen Betriebsrats! Und wie kann es sein, dass der örtliche Betriebsrat nichts wusste? Waren dessen Vertreter überhaupt zu den entscheidenden Sitzungen des GBR eingeladen? Wenn nein, dann wären auch aus diesem Grund die Beschlüsse des GBR und der Sozialplan ungültig.
Gerhard Jüttner, Tamm
»Positive Extreme«
→ Zu jW vom 29.9.: »Kein Grund zur Ruhe«
Bei all diesen Extremen sei auch folgendes erwähnt: Bis Mitte September bildete sich kein einziger Hurrikan im Atlantik. Das ist die längste Phase ohne Hurrikan seit Beginn der modernen Satellitenüberwachung 1966. Laut Accu Weather und dem National Hurricane Center übertraf die Saison 2026 bereits am 12. September den bisherigen Satelliten-Ära-Rekord (zuvor 11. September in den Jahren 2002 und 2013). Bis zum 21. September blieb der Atlantik weiterhin hurrikanfrei – das letzte Mal, dass dies so spät in der Saison geschah, war 1914. Es ist doch schön, wenn es einmal positive Extreme gibt. Aber darüber liest man leider kaum etwas in der von Klimakatastrophenalarmismus getriebenen Presse.
Olaf Malek, München
Historischer Erfolg?
Die Bremer Linke lässt über ihren Landesprecher wissen, die friedliche Überwindung der DDR sei historischer Erfolg der Menschen der DDR gewesen, Unrecht und Unterdrückung zu überwinden. Ist das die Linke, die 1989 den demokratischen Sozialismus wollte, die Menschenrechte auf ihre Fahnen geschrieben hat und heute als Linke alles brav nachbetet, was die Herrschenden von ihnen erwarten, wenn sie am Katzentisch der Regierenden sitzen, ohne je regieren zu dürfen? Geschenkt, was wissen solche Linken überhaupt vom Unrecht und der Unterdrückung in der DDR, wenn sie in bundesdeutscher Einheit nur Recht, Freiheit und Demokratie erkennen? Bremens Bürgermeister schwärmt vom militärischen Drehkreuz seines Landes, einer industriellen Rüstungsbasis, die wenigen große Profite verspricht, wachsenden Reichtum weniger und mehr Armut für die Mehrheit der Bevölkerung und bald wohl auch die Opfer für den Krieg der Herrschenden. Was ist eine Linke wert, für wen ist sie eine politische Zukunftsorientierung, wenn ihr dazu nichts einfällt, außer gefallsüchtig, machtgeil und – besessen das DDR‑Lied der Herrschenden zu singen? Wer berechtigt diese Scheinlinken überhaupt, über die gesamte DDR-Bevölkerung solche Urteile abzugeben? Was haben diese verräterischen Linken zu den Massenprotesten für Frieden, gegen Krieg, Rüstung und Wehrpflicht von sich gegeben? Was haben sie zu den Menschenrechten im Einheitsdeutschland zu sagen, zu den Menschenrechten, die ihnen in der DDR so am Herzen gelegen haben? Was haben sie zu sagen zu Menschenrechten auf Wohnen, Gesundheit, Bildung, Pflege, zur Verarmung und Inflation?
Unrecht und Unterdrückung, welcher Staat der Welt ist frei davon? Welches Unrecht und welche Unterdrückung sind grausamer, brutaler, menschenunwürdiger, als es der DDR nachzusagen war? Wie viele Millionen der DDR hatten Sorgen und Ängste wegen Krieg und Frieden, Faschismus, Gewalt, Hass und ihrer Zukunft? Wo ist Die Linke eigentlich gelandet? Von den Siegern, die sich in Bremen gefeiert haben, ist nichts anderes zu erwarten, die ihre »friedliche Überwindung« 1989 seit Jahrzehnten im Siegestaumel auskosten.
Roland Winkler, Aue
Bei all diesen Extremen sei auch folgendes erwähnt: Bis Mitte September bildete sich kein einziger Hurrikan im Atlantik. Das ist die längste Phase ohne Hurrikan seit Beginn der modernen Satellitenüberwachung 1966.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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