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02.10.2026, 13:44:15
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Vier Insolvenzen in sechs Jahren
Galeria ist erneut – oder noch immer – Zahlungsunfähig. Ausbaden müssen das die Beschäftigten – auch anderswo im deutschen Einzelhandel
In der Tat war es eine ungeheure Warensammlung: Noch im Geschäftsjahr 2019/2020 bot Galeria Karstadt Kaufhof, frisch fusioniert unter dem Kommando von René Benkos Signa-Gruppe, in 174 Konsumtempeln Güter feil: auf rund 2,5 Millionen Quadratmetern – das entspricht 350 Fußballfeldern. Seitdem hat der Konzern 91 Filialen dicht- und einen Eigentümerwechsel samt Namenskürzung durchgemacht, dabei vier Insolvenzen beantragt, die jüngste am Freitag. »Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen«, gab dpa die Mitteilung wieder.
Zu den Hintergründen habe sich Galeria demnach nicht geäußert. Unklar sei, ob die verbliebenen 12.000 Beschäftigten, die nun um ihren Job bangen müssen, Insolvenzgeld beantragen können. Nach wie vor stehe die Kaufhauskette nämlich unter Planüberwachung des Amtsgerichts Essen, wozu die Bundesagentur für Arbeit im Juni erklärt hatte: »Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.« Bedingung dafür sei, dass vorige Zahlungsunfähigkeit nicht fortbestehe.
Das darf bezweifelt werden – und überrascht nicht. Publik, der Magazin von Verdi, fragte titelnd schon im März: »Droht jetzt die vierte Insolvenz?« Wegen »ausgebliebener Mietzahlungen, Kreditwarnungen und drohender Schließungen« hatte die Gewerkschaft eine weitere Krise des Konzerns antizipiert. »Es ist seit Jahren ein unerträgliches Ping-Pong-Spiel: Galeria verkauft seine eigenen Immobilien, dann werden diese teuer angemietet, dann beklagt die Galeria-Leitung die hohen Mieten und schließlich sollen die Beschäftigten mit Lohnverzicht oder Jobverlust die Zeche zahlen«, kommentierte Verdibundesvorsitzende Silke Zimmer damals.
Überdies sank laut dem Handelsforschungsinstitut EHI der Marktanteil von Warenhäusern seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. Seit zehn Jahren habe es nicht so viele Insolvenzen im Einzelhandel gegeben, wusste Allianz Trade. Dennoch erhielt Galeria im Juni eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro, laut dpa unter anderem, um einen laufenden Kredit abzulösen. Bei Verdi war daraufhin vom »finanziellen Spielraum bis 2029« die Rede. Zimmer mahnte: »Unter Beteiligung der Beschäftigten und ihrer großen Expertise hätten längst Planungen entwickelt werden können. Dass die Galeria-Geschäftsführung darauf verzichten zu können meint, ist sehr bedauerlich.«
Die neuen Eigentümer, die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz, scheint das ebenso wenig zu scheren wie zuvor René Benko. Ausbaden muss die Pleite ja, wie Zimmer bereits klar gemacht hat, die Belegschaft.
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