Akronym des Tages: BSW
Sahra, ein scheues Reh. Trotz zarten Alters von 57 war sie schon Mitglied in sechs Parteien: SED, SED-PDS, PDS, Linkspartei, Die Linke und BSW. Fünf Minuten vor dem Mauerfall in erstere eingetreten, begab sie sich bald auf eine Odyssee, an deren Ende sie zu Hause ankam und dennoch auf keiner Etappe wirklich weg war. Bruchlos aus dem politischen Abseits in die Mitte der Gesellschaft, auf welchem Pfad sie erst den Leninismus, dann den Sozialismus und schließlich alle linken Gedanken entsorgte. Fast alle, aber sie ist ja noch jung.
Nun steht der nächste Wechsel an. Vom BSW zum BSW: selbe Kurzform, anderer Titel. Smart das. Bündnis Sahra Wagenknecht wird Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft. »Die Älteren werden sich erinnern: ›Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix‹«, erklärte die Partei am Mittwoch. Generalsekretär Ruhnert betonte, den vorläufigen Namen zu ändern sei von Beginn an der Plan gewesen. Auch er hat bereits Erfahrung mit Parteiwechseln, er kam von Union zum BSW.
Der neue Name, Ende 2025 beschlossen und seit Donnerstag gültig, lässt mindest so tief blicken wie der Umstand, dass die Partei für angezeigt hielt, sich zunächst nach ihrer Frontfigur zu benennen. Getrieben vom Bedürfnis, der deutschen Parteienlandschaft eine weitere sozialdemokratische Partei hinzuzufügen, hatte man das BSW um eine Person herum gebaut, und eine Person ist natürlich kein Programm. Entsprechend disparat nimmt sich das aus. Schnitzel statt Soja, Geschlechter statt Gendern, mehr Deutschland, weniger USA, kleiner Mann gegen akademisierte Weltverbesserer und bitte an den Außengrenzen der EU etwas mehr achtgeben umspielen den Kern des Ganzen: ein sozialdemokratisches Wirtschafts- und Sozialkonzept, das Kapital und Arbeiterklasse zusammenbringen soll.
»Sahra wird keinesfalls klüger«, hatte Hacks schon im Sommer 2001 geschrieben – »Ich habe so eine Vermutung, dass wir Sahra abschreiben müssen«, Müller im Februar 2002 geantwortet.
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