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Auch Weltklassespieler verlieren die Nerven
Stand der Dinge bei der 46. FIDE-Schacholympiade
Noch läuft sie: Vom 16. bis 27. September 2026 wird in Samarkand (Usbekistan) die 46. FIDE-Schacholympiade ausgetragen. Es geht über elf Runden im Schweizer System, 206 Mannschaften im offenen Wettbewerb und 190 Teams im Frauenturnier bedeuten jeweils neue Teilnehmerrekorde. Das Gastgeberland Usbekistan ist in beiden Gruppen mit je drei Mannschaften dabei. Die Teams treffen an vier Brettern aufeinander, wobei die Stammaufstellung fix ist, jedoch die Möglichkeit besteht, einen Ersatzspieler an Brett vier in das Lineup zu bringen.
Entscheidend sind die Mannschaftspunkte (MP), als zweite Wertung gelten die Brettpunkte (BP). Für einen Mannschaftssieg erhält man zwei MP, ein 2:2 wird mit einem MP honoriert. Im offenen Turnier gelten die USA, Indien, Usbekistan und China als Topfavoriten. Die BRD befindet sich auf Platz fünf der Setzliste. Mit Ausnahme der in der Weltrangliste auf den Plätzen eins und zwei stehenden Magnus Carlsen (Norwegen) und Hikaru Nakamura (USA) sind alle Spieler der Top ten in Samarkand dabei, darunter Fabiano Caruana (USA, 2.789), Jawochir Sindarow (Usbekistan, 2.778), Wesley So (USA, 2.774), Vincent Keymer (BRD, 2.764) und Nodirbek Abdusattorow (Usbekistan, 2.762). Der auf Platz 32 abgerutschte Champion Dommaraju Gukesh spielt am vierten Brett für Indien, während Herausforderer Sindarow für Usbekistan an Position zwei um den Titel kämpft.
Mit Freude wurde der Auftritt des Exweltmeisters Ding Liren (China) aufgenommen, der in den zwei Jahren seit dem Titelverlust kein Turnier im Ausland bestritten hatte. 2024 in Budapest noch sieglos, hat er heuer bereits drei Partien gewonnen, wobei sein phantastischer Sieg gegen Keymer herausragt. Nach sieben Runden hat einzig Gastgeber Usbekistan noch eine »weiße Weste« und führt mit 14:0 MP das Klassement an. Dahinter folgen Niederlande, Titelverteidiger Indien, BRD, Aserbaidschan und Armenien mit jeweils 12:2. Dramatisch verlief das Match zwischen Usbekistan und Indien in der 6. Runde, als drei Partien unentschieden ausgegangen waren und Nihal Sarin (Indien) eine klare Gewinnstellung gegen Nodirbek Jakubbojew besaß. Doch auch Weltklassespieler können die Nerven verlieren. Sarin verfügte noch über Tonnen von Bedenkzeit, aber dennoch zog er blitzartig und beging einen groben Fehler, so dass Jakubbojew siegte und Usbekistan mit 2,5:1,5 triumphierte. Auch gegen China in Runde sieben gewannen die Usbeken 3:1, für den Abdusattorow und Jakubbojew mit ihren Siegen gegen Ding Liren und Xu Yangyi sorgten.
Im Frauenturnier warten die fünf favorisierten Mannschaften Indien (u. a. mit WM-Herausforderin Vaishali Rameshbabu), Georgien, Kasachstan, China und USA mit durchschnittlichen Ratingzahlen von über 2.400 auf, wobei die Chinesinnen sogar auf ihre Spielerinnen auf den ersten drei Weltranglistenplätzen, Hou Yifan, Ju Wenjun und Lei Tingjie, verzichten müssen. Im an zehn gesetzten deutschen Team überzeugt vor allem Elisabeth Pähtz, die ungeschlagen blieb und 4,5 Punkte aus sechs Partien erreichte. Für Aufsehen sorgt die erst elfjährige Bodhana Sivanandan (England), die im Sommer bereits die britische Meisterschaft gewann. An der Spitze des Tableaus rangieren China und Kasachstan mit 13:1 MP, die sich in der 7. Runde 2:2 trennten.
In den ersten Runden hoffen alle Underdogs in Duellen gegen Weltklasseakteure darauf, die Partie ihres Lebens zu spielen. Dies gelang im Auftaktdurchgang Prin Laohawirapap (ELO-Rating 2.363) aus Thailand, der mit den schwarzen Steinen den indischen Weltranglistenneunten Arjun Erigaisi (2.759) schlug. In der zweiten Runde griff WM-Herausforderer Jawochir Sindarow (ELO-Rating 2.778) im Match gegen Peru ins Geschehen ein und servierte dem 380 Ratingpunkte »leichteren« IM Diego Flores Quillas (2.398) gleich zwei Damenopfer, um schließlich ein unabwendbares Matt zu zelebrieren.
Diego Flores Quillas (Peru) – Jawochir Sindarow (Usbekistan)
46. FIDE-Schacholympiade 2026, Samarkand, Runde 2, Brett 2, 17. September 2026 – Sizilianischer Westerinen-Angriff (B40)
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.b3 (Statt 3.d4 fianchettiert der Weiße zunächst beide Läufer, um den Vorstoß d4 später mit größerer Kraft auszuführen.) 3…b6 4.Lb2 Lb7 5.Sc3 Sc6 (Der Usbeke verzichtet hier und auch weiterhin auf 5…d6. Er will später zweimal auf d4 tauschen, um seinen Figuren Platz zu verschaffen.) 6.g3 Sf6 7.Lg2 Le7 8.O-O O-O 9.d4 (Mit 9.e5! gewönne Weiß Raum, denn 9…Sg4 10.h3! Sgxe5?? funktioniert wegen 11.Sxe5! +- und der Fesselung auf der langen Diagonalen nicht.) 9…cxd4 10.Sxd4 Sxd4 11.Dxd4 Dc7 (Erneut wird 11…d6 vermieden.) 12.e5 (Flores kann nicht länger widerstehen.) 12…Lxg2 13.Kxg2 (13.exf6? scheitert an 13…Lxf6! -+.) 13…Se8 14.Se4!? (Opfert c2, um 14…d6 oder 14…d5 zu verhindern. Die Alternative war 14.Tac1.) 14…Dc6 (Sindarow lockert geschickt die weiße Königsstellung, bevor er zugreift. Auf sofort 14…Dxc2 folgt 15.Tac1 De2 16.Tfe1 Db5 17.Ted1 mit unangenehmem Druck. 14…d6? hat 15.exd6 Lxd6 16.Sxd6 Dxd6 17.Tad1 +/- zur Folge.) 15.f3 Dxc2+ 16.Tf2 Dc6 17.Tc1 Db7 18.Tfc2 Td8 19.Sd6 (Optisch steht Weiß für den geopferten Farmer toll, aber tatsächlich herrscht dynamisches Gleichgewicht.) 19…Da6 20.a4 Lg5!? (Provoziert eine weitere Schwächung.) 21.f4 Le7 22.Kh3?! (Ein unglücklicher Versuch, den König zu evakuieren. Stärker geschah 22.La3.) 22…Sxd6 23.exd6 Lf6 24.De4 Lxb2 25.Txb2 Tc8! (Schwarz ist es gelungen, den schönen Lb2 abzutauschen und den Mehrbauern zu behaupten.) 26.Tc7?! (Das kleinere Übel bestand in 26.Tbc2 f5! 27.Df3 Tc5! 28.Txc5 bxc5 29.Txc5 Dxd6 -/+.) 26…Df1+ 27.Tg2 (Nach 27.Kh4 f5! wird es ebenfalls unerquicklich für den weißen Monarchen.) 27…f5! 28.Dc2 Tcd8! 29.De2 Tf6!! (Das erste Damenopfer…) 30.Kh4 (30.Dxf1 Th6#) 30…Th6+ 31.Kg5 Kf7!! (Sensationell! Der WM-Herausforderer bietet seine Madame ein zweites Mal an.) 32.Dxf1 Th3!! (Ein spektakuläres und ungewöhnliches Motiv: Der schwarze Turm räumt h6, damit der schwarze h-Bauer mattsetzen kann. Die Idee von 31…Kf7!!: Der weiße Herrscher kann nicht nach g6 flüchten.) 0:1. (Gegen 33…h6# existiert keine Kur.)
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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