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Schach

Im Leistungshoch

Rameshbabu Praggnanandhaa gewinnt in St. Louis das vierte Turnier der Grand Chess Tour

Foto: Brian Cahn/ZUMA Press Wire/IMAGO
Rameshbabu Praggnanandhaa (l.) gegen Jawochir Sindarow

Das vierte Turnier der Grand Chess Tour »St. ­Louis Rapid & Blitz«, das vom 31. Juli bis zum 7. August in der Hauptstadt des US‑Bundesstaates Missouri stattfand, wurde eine sichere Beute des Inders Rameshbabu Praggnanandhaa, der den auf Rang zwei klassierten WM-Herausforderer Jawochir Sindarow (Usbekistan) um eineinhalb Punkte distanzierte. Der Turniersieg trug Praggnanandhaa 13 Punkte für die Gesamtwertung der Grand Chess Tour ein. Im Klassement nimmt er nach vier von fünf Turnieren nunmehr den zweiten Platz hinter Fabiano Caruana (USA) ein. Wesley So (USA) und die deutsche Nummer eins Vincent Keymer folgen auf den Rängen drei und vier. Nur die ersten vier Plätze sind mit der Qualifikation für das lukrative Finale der Tour verbunden, das vom 21. bis 28. August 2026 ebenfalls in Saint Louis ausgetragen wird. Darauf macht sich auch Sindarow noch berechtigte Hoffnungen, der gegenwärtig nur knapp hinter Keymer auf dem fünften Platz liegt. Die Entscheidung über die Finalteilnehmer wird beim unmittelbar vorgelagerten Sinquefield-Cup im Saint Louis Chess Club fallen, der am Sonnabend begonnen hat und bis zum 21. August ausgetragen wird.

Das im einfachen Rundensystem durchgeführte Schnellschachturnier in Saint Louis, bei dem ein Sieg mit zwei Punkten sowie ein Remis mit einem Zähler honoriert wurde, gewann Praggnanandhaa mit zwölf Punkten vor Sindarow (11) und So (10). Keymer erreichte wie Anish Giri (Niederlande), Leinier Domínguez Pérez (USA) und Lewon Aronjan (USA) neun Zähler und teilte im Zehnerfeld die Ränge vier bis sieben.

Danach folgte das doppelrundig ausgetragene Blitzturnier, bei dem eine Gewinnpartie einen Punkt einbrachte, während für ein Unentschieden ein halber Zähler verbucht wurde. Praggnanandhaa zeigte auch im blitzschnellen Spiel seine Qualitäten und zog nach dem ersten Durchgang und neun Blitzpartien mit eineinhalb Punkten Vorsprung in Front. In die Rückrunde mit erneut neun Runden am letzten Turniertag startete er jedoch mit einem Remis gegen Keymer sowie einem Verlust gegen Awonder Liang (USA) holprig, so dass Sindarow mit einem Remis gegen Aronjan und einem Sieg gegen Jorden van Foreest (Niederlande) seinen Rückstand bis auf einen halben Zähler verkürzen konnte. Auch die weiteren Durchgänge sahen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Praggnanandhaa und Sindarow, das schließlich im direkten Duell in der Vorschlussrunde gipfelte. Praggnandhaa lag mit eineinhalb Punkten vor Sindarow in Führung, so dass ihm mit den weißen Steinen ein Remis zum Turniersieg genügte, während Sindarow unbedingt gewinnen musste. Der Usbeke gewann tatsächlich einen Bauern und schien Siegchancen zu haben, doch Pragganandhaa hielt auch mit nur Sekunden Bedenkzeit auf der Uhr stand, fand genaue Verteidigungszüge und erreichte schließlich den Remishafen. In der bedeutungslos gewordenen Schlussrunde remisierten beide – Praggnanandhaa gegen Aronjan und Sindarow gegen So. Somit entschied Praggnanandhaa das Blitzturnier mit 11,5 Punkten vor Sindarow (11,0), So (10,5) und Aronjan (10,0) für sich.

Foto: Sören Bär 16_diagram.png
Der Kulminationspunkt: Rameshbabu Praggnanandhaa startet mit 34.Sh5+ eine fünfzügige Mattkombination, doch 34.Sd7+! hätte einen Zug eher zum Matt geführt
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Vincent Keymer gelang im Blitzturnier wenig. Er erzielte nur 5,5 Punkte aus den 18 Partien und landete damit auf dem zehnten und letzten Platz. Im kombinierten Klassement Rapid & Blitz reichte es lediglich zum neunten Rang. Dadurch muss er nun um den Finaleinzug bangen. Nach dem dritten Turnier der Serie in Zagreb hatte er noch auf Gesamtrang zwei gelegen. Keymer muss versuchen, beim Sinquefield Cup an seinen herausragenden Sieg im klassischen Schach beim zweiten Turnier in Bukarest anzuknüpfen.

Praggnanandhaa, der am 10. August seinen 21. Geburtstag feiert, befindet sich nach einem enttäuschenden Jahresauftakt hingegen mittlerweile in einem Leistungshoch. Während er im Januar in Wijk aan Zee lediglich Rang 11 erreichte und beim WM-Kandidatenturnier im April in Pegeia auf Zypern mit sechs Punkten aus 14 Partien mit dem deprimierenden sechsten Platz vorliebnehmen musste, gelang ihm mit der Siegespalme beim Norway Chess Anfang Juni in Oslo ein bahnbrechender Triumph, weil er dort auch den Weltranglistenersten Magnus Carlsen (Norwegen) in beiden klassischen Partien besiegen konnte.

Beim Sinquefield Cup, dem fünften und letzten Turnier der Grand Chess Tour vor dem Finale, tritt nahezu das gleiche Teilnehmerfeld wie beim »St. Louis Rapid & Blitz« an. Lediglich Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich) und Samuel Sevian (USA) kommen für Dominguez und Liang hinzu.

Rameshbabu Praggnanandhaa – Lewon Aronjan, Saint Louis Rapid 2026, St. Louis, Runde 2, 2. August 2026, English-Anglo-Slawische Variante (A11)

1.c4 c6 2.Sf3 d5 3.e3 Sf6 4.Sc3 (In diesem ruhigen System stellt Weiß d4 zunächst zurück, um zu schauen, wie der Nachziehende sich aufbaut.) 4…a6 5.h3 g6 6.d4 (Nachdem sich der Nachziehende für ein sicheres Fianchetto entschieden hat, ist ein sofortiger Königsangriff keine Option mehr.) 6…Lg7 7.Le2 dxc4 8.Lxc4 b5 9.Lb3 (9.Ld3 ist die Alternative.) 9…O-O 10.O-O Sbd7 11.De2 a5 12.Td1 La6 13.De1 c5? (Was hat sich Aronjan dabei gedacht? Dieser Vorstoß musste mit 13…Dc7 vorbereitet werden.) 14.dxc5 Lb7?! (14…Sxc5 scheiterte am Vis-a-vis von Turm und Dame und somit 15.Txd8 +-. Doch 14…Dc7 war zu präferieren.) 15.e4 a4 16.Lc2 Dc8 17.e5 Sh5 (Nun erhält Schwarz den Bauern c5 zurück, doch um welchen Preis …) 18.e6! Sxc5 19.exf7+ Kh8 (19…Txf7 20.Sg5! Tf8 21.Dxe7 Dc6 22.Sce4 +/-) 20.Sd5 Ta6?! (Mit 20…De6 21.Sc7 Dxe1 22.Sxe1 Tac8 23.Sxb5 Txf7 konnte Schwarz noch kämpfen.) 21.Le3! a3 22.b4! Lxa1 23.Sxe7! De6 24.Txa1 (24.Lxc5 +-) 24…Lxf3 25.Dc3+ Sf6 26.Lxc5 Le4 27.Te1 Dxa2 28.Lxe4 Txf7 29.Ld4 Dc4 30.Sd5?! (30.Da1 +- machte sofort den Garaus.) 30…a2 31.Sxf6 Dxc3 32.Lxc3 Tc7 33.La1 Tc4 34.Sh5+ (Genauer war die schöne vierzügige Mattkombination 34.Sd7+! Tc3 35.Lxc3+ Kg8 36.Ld5+ Te6 37.Lxe6# bzw. 35…Tf6 36.Lxf6+ Kg8 37.Le6#. Doch auch der Textzug führt zu einem attraktiven Matt: 34…Kg8 35.Ld5+ Te6 36.Txe6! Tc1+ 37.Te1+! – Kreuzschach! – 37…Kf8 38.Lg7#.) 1:0.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.08.2026, Seite 16, Sport

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