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Schach

Mit dem Bajonett gegen Naka

Ein Gespräch mit dem Schweizer Schachgroßmeister Yannick Pelletier anlässlich seines 50. Geburtstags

Foto: Sören Bär
Der Kulminationspunkt: Yannick Pelletier opfert mit 13.axb6! den Läufer a3

Welche Trainer haben Sie in Ihrer Laufbahn vorangebracht?

Als ich zehn Jahre alt war, stieß Antonin Robert aus Neuchâtel zum Schachklub Biel, wo mich Hans Suri förderte, der Präsident des Schachklubs und Spiritus rector des Bieler Schachfestivals. Robert hatte im selben Jahr die Coupe Suisse gewonnen. Seine Kenntnis der Klassiker kam mir sehr zugute. Im Alter von 17 Jahren erhielt ich durch den Schweizerischen Schachbund die Gelegenheit, zweimal pro Monat mit Lucas Brunner zu trainieren. Danach erwies es sich als günstig, dass der frühere UdSSR-Meister Viktor Gawrikow in der Schweiz lebte. Mit ihm arbeitete ich drei Jahre, bekam Einblick in die sowjetische Schachschule und verbesserte meine Eröffnungen maßgeblich.

Welche Ihrer Turniererfolge sehen Sie als besonders wertvoll an?

Meine sechs Schweizer Einzelmeistertitel waren alle sehr schön. Ich möchte zudem den Sieg beim Zürcher Weihnachtsopen 2001 mit 6,5 aus 7 hervorheben. Da habe ich mit Schwung und Energie gespielt. Darüber hinaus ist für mich der dritte Platz in Biel 2007, den ich mit Judit Polgár und Alexander Grischuk teilte, sehr wertvoll.

Wie würden Sie Ihren Stil charakterisieren?

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In jungen Jahren spielte ich taktisch orientiert. Als ich jedoch auf stärkere Spieler traf, erkannte ich, dass ich meine strategisch-positionelle Basis verbessern und an meinem Eröffnungsrepertoire arbeiten musste. Ich wurde zu einem soliden Spieler, der selten verliert. Wenn sich die Gelegenheit bietet, lasse ich mich allerdings auf Komplikationen ein – insbesondere bei Eröffnungssystemen, in denen ich über eigene Analysen verfüge. Gern widme ich mich halbvergessenen Nebenvarianten, wie etwa 7…Sf5 gegen 7.Dg4 in der französischen Winawer-Variante, was schon in der Partie Tal–Petrosjan bei der UdSSR-Meisterschaft 1957 auf dem Brett stand. Ich sorgte mit neuen Ideen für die Wiederbelebung.

Foto: Eibner Europa/IMAGO 16.jpg
»Gern widme ich mich halbvergessenen Nebenvarianten« – Yannick Pelletier

2005 haben Sie beim Bieler Schachfestival mit Weiß sowohl gegen Magnus Carlsen als auch gegen Hikaru Nakamura gewonnen und Nakamura zehn Jahre später erneut mit dem Bajonettangriff im Königsinder geschlagen. Wie kam es dazu?

Meine Gewinnpartie gegen Carlsen war ein echtes Kuriosum, denn ich siegte in nur 15 Zügen! Mit meinem Sekundanten Javier Moreno bereitete ich mich gut auf sein damals noch nicht so breites Eröffnungsrepertoire vor. Er übersah im »Nimzoinder« eine taktische Idee und verlor eine Figur. Gegen Nakamura siegte ich in einer mit offenem Visier geführten Begegnung. Zehn Jahre später traf ich beim Europacup in Skopje 2015 erneut auf ihn und brachte wiederum den Bajonettangriff gegen Königsindisch auf das Brett! Diesmal profitierte ich von einer mehr als ein Jahrzehnt zuvor analysierten Neuerung.

Heute sind Sie selbst engagierter Trainer. Wann haben Sie damit begonnen?

Ich startete damit schon 1996 nach dem Abitur, als meine Schachprofikarriere begann. Damals trainierte ich Florian Jenni, der lediglich vier Jahre jünger als ich ist und selbst zum Großmeister avancierte. Im Auftrag des Schweizerischen Schachbundes arbeitete ich später einmal im Monat mit einer Trainingsgruppe in Lausanne. Ab 2007 habe ich persönliche Schüler angenommen. 2017 kam Lena Georgescu dazu, kurz darauf Noah Fecker; beide coachte ich auch bei der Jugend-WM. Einige Jahre danach wählte mich Fabian Bänziger als Trainer. Georgescu und Bänziger wurden beide Schweizer Meister. Neben persönlichen Studenten betreue ich aktuell drei Klubs in Luxemburg.

Zur Person

→ Yannick Pelletier wurde am 22. September 1976 in Biel geboren. Er gewann sechsmal die Schweizer Einzelmeisterschaft im Schach (1995, 2000, 2002, 2010, 2014 und 2017) und avancierte 2001 im Alter von 24 Jahren als erster in der Schweiz geborener Spieler zum Großmeister. Danach befand er sich oft unter den besten 100 Spielern der Welt. Pelletier spielte von 1996 bis 2024 für die Schweizer Nationalmannschaft und nahm an fünfzehn Schacholympiaden, vierzehn Mannschaftseuropameisterschaften und der Mannschaftsweltmeisterschaft 1997 teil. Er wurde vom Weltverband FIDE als »Senior Trainer« ausgezeichnet und führte 2022 Fabian Bänziger und Lena Georgescu zu ihren Schweizer Meistertiteln. Pelletier lebt in Luxemburg.

Yannick Pelletier – Hikaru Nakamura

Europapokal der Klubmannschaften, Skopje, Runde 2, 19. Oktober 2015, Königsindisch – Bajonettangriff [E97]

Kommentiert von Yannick Pelletier (YP) und Sören Bär (SB)

1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.c4 Lg7 4.Sc3 0-0 5.e4 d6 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.b4! (SB: Ivan Sokolov hat 1995 für einen Boom des Bajonettangriffs gesorgt, auch Loek van Wely, Wladimir Kramnik und Anatoli Karpow in der 7. Partie des FIDE-WM-Kampfes 1996 gegen Gata Kamsky popularisierten ihn.) 9a5 (SB: Schon gut zehn Jahre zuvor gewann Yannick Pelletier am 26. Juli 2005 beim Schachfestival Biel mit dem Bajonettangriff eine attraktive Partie gegen Nakamura: 9…Sh5 10.Te1 f5 11.Sg5 Sf6 12.Lf3 c6 13.b5!? h6 14.Se6 Lxe6 15.dxe6 Da5?! 16.Lb2! fxe4 17.Sxe4 Sxe4 18.Txe4 d5 19.cxd5 cxd5 20.Txe5! Lxe5 21.Lxe5 Dxb5?! 22.Tb1 Dc6 23.La1 Tf4 24.g3! Tc4 25.Dd2 Dc5 26.Lf6 g5?! 27.Txb7 Tc1+ 28.Kg2 Dc4 29.De2 Dxe2 30.Lxe2 Sf5 31.Lg4 1:0.) 10.La3 b6 11.bxa5 Sh5 12.Sd2 Sf4 13.axb6! (YP: Eine interessante Idee, die mehr als zehn Jahre zuvor von mir für eine Partie gegen Ilja Smirin vorbereitet worden war!) 13…Txa3 14.Sb5 Ta5?! (YP: Nach 14…Th3?! 15.bxc7 Dd7 16.gxh3 Dxh3 17.Lf3 Lg4 18.Kh1 +- ist die schwarze Kompensation unzureichend. Erforderlich war 14…Ta8, denn nach 15.bxc7 Dd7 16.a4 La6 17.g3 Sxe2+ 18.Dxe2 sind die Chancen etwa gleich. Schwarz sollte allerdings nicht 18…Lxb5?! 19.cxb5 Dxc7 spielen, da die beiden Freibauern nach 20.Tfc1 +/- weißen Vorteil garantieren.) 15.bxc7 Dd7 16.a4 La6?! 17.Sb3 Lxb5 18.cxb5 Dxc7 19.Sxa5 Dxa5 20.g3 Sxe2+ 21.Dxe2 +/- (SB: Der Rauch hat sich verzogen. Weiß verfügt aufgrund der verbundenen Freibauern über exzellente Gewinnchancen.) 21…Lh6 22.Tfb1 Tb8?! (SB: Nakamura sollte seinen Springer mit 22…Sc8 zum Ort des Geschehens manövrieren.) 23.b6! (SB: Ein starkes Bauernopfer, mit dem Weiß Gewinnstellung erreicht.) 23…Txb6 24.Txb6 Dxb6 25.a5 Dc5 26.Ta4 Kg7? (SB: 26…Sc8 war nötig, wenngleich hier schon keine Rettung mehr existiert.) 27.a6 Sc8 28.Tc4 Db5 29.Da2 (SB: 29.Tc2 Dd7 30.Sc4 Sb6 31.Dc6 +-) 29…Sb6 30.Tc6 Sa4 31.a7 Da5 32.Kg2! Dxa7 33.Tc4 Lg5 34.Dxa4 +- Db7 35.Tb4 Dc7 36.Dc6 Da7 37.Dxd6 Le7 38.Dxe5+ 1:0.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.09.2026, Seite 16, Sport

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