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Die Angriffe parieren
Frust und Angst bei Beschäftigten: IG Metall mobilisiert bundesweit zum Aktionstag in der Automobilbranche
Zwei Tage bevor die IG Metall ihre Forderungen für die diesjährige Entgelttarifrunde präsentieren wird, mobilisierte die Gewerkschaft am Montag bundesweit Zehntausende Beschäftigte der Automobilindustrie zu Protestaktionen.
Unter dem Motto »Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke« fanden sich an Standorten der Automobilproduktion und Zuliefererindustrie Menschen ein, die sich gegen den anhaltenden Stellenabbau und die fortgesetzten Fehlentscheidungen in den Konzernzentralen zur Wehr setzen wollten. Vorab hatte die IG‑Metall-Vorsitzende Christiane Benner das Vorgehen der Unternehmen als »beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten in der Automobilindustrie« bezeichnet, wie AFP vergangene Woche meldete. So forderten Manager aus der Branche etwa die Abschaffung der 35-Stunden-Woche ebenso wie die des Achtstundentags. »Das muss aufhören«, sagte Benner. Denn die Beschäftigten hätten die Krise in der Automobilindustrie schließlich nicht verursacht – anders als Vorstände und Manager. So kritisierte die IG‑Metall-Vorsitzende, dass die Branche sich seit 2022 vor allem im Ausland mit Investitionen engagiert hätte. Gleichzeitig würden hierzulande Forschungs- und Entwicklungsstandorte dichtgemacht und weniger Aufträge an entsprechende Dienstleister vergeben.
Die derzeitigen Strategien der Konzernbosse seien an Dreistigkeit nicht zu überbieten, hieß es in einem Aufruf der Gewerkschaft zum Aktionstag. Während die Beschäftigten mehr arbeiten, weniger verdienen und am Ende womöglich ihren Job verlieren sollen, zahlten die Unternehmen nach wie vor Milliardensummen an Aktionäre. Standorte würden geschlossen oder verlagert und fortlaufend Stellen gestrichen. So seien allein 2025 mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie vernichtet worden. »Die Firmenchefs sind dabei, Deutschlands wichtigsten Wirtschaftszweig und zentralen Pfeiler für Wohlstand in die Bedeutungslosigkeit zu führen und abzuwirtschaften«, hieß es im Aufruf. Es drohe der Totalschaden der Traditionsbranche – und das vor allem durch Fehlentscheidungen der Vorstände, die auf große Luxusautos setzten und bei der Digitalisierung sowie Entwicklung von Batterien wichtige Entwicklungen verpasst hätten.
Das alles stelle einen »Angriff auf unser deutsches Wohlstandsmodell, auf unser Wirtschaftsmodell und auch auf unsere Demokratie« dar, betonte die IG‑Metall-Vorsitzende vergangene Woche. Die Beschäftigten seien zunehmend frustriert. Deshalb sei ein Weckruf längst überfällig – »und zwar Richtung Arbeitgeber und Richtung Politik«. Statt hektisch erarbeiteter Sparpakete und eines sinnlosen Standortabbaus wären mehr Innovationen und Investitionen in deutsche Automobilbetriebe sowie in Zukunftstechnologien nötig. Die Unternehmen könnten durchaus – wie gewünscht – ihre Kosten senken, so Benner, aber nicht durch Lohndrückerei, sondern durch die Wiederbelebung der bewährten Produktion von Autos als einheitlichen Modellen in großer Stückzahl. »Die Luxusstrategie ist gescheitert.« Sparen könnten die Unternehmen zudem gerne bei den Ausgaben fürs Management, dem bestehenden Produktdschungel und bei der Bürokratie, erklärte die Gewerkschaft in einem weiteren Aufruf zum Aktionstag. Auch die Politik wurde aufgefordert, endlich aktiv zu werden, etwa die Stromkosten zu senken, Zulieferer im Umbau mit Finanzhilfen zu unterstützen, Zukunftsindustrien stärker zu fördern sowie die Blockaltersteilzeit, die gerade im Umbau sei, zu erhalten.
Bei bundesweit mehr als 280 Einzelaktionen in rund hundert IG-Metall-Geschäftsstellen waren die Vorstandsmitglieder jeweils an besonders wichtigen Standorten der Automobil- und Zuliefererindustrie präsent; die Vorsitzende etwa bei Volkswagen in Wolfsburg und Hannover, der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Kerner bei Audi in Ingolstadt mit einer Betriebsratssprechstunde außerhalb des Werksgeländes sowie Vorstandsmitglied Nadine Boguslawski bei Bosch in Lebenstedt.
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