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2 Leserbriefe
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Warum lauerte Ihnen der VS auf dem Schulweg auf?
Die Politik will die Wehrpflicht mitsamt Musterung so schnell wie möglich einführen und Kriegsgegner einschüchtern, warnt Golo Kirsch
Seit Juli erhalten 18jährige Ladungen zu Musterungen. Das betrifft auch Männer, die auf dem verpflichtenden Erfassungsbogen kein Interesse an der Bundeswehr angegeben haben. Wie war das bei Ihnen?
Ich kam nach Hause, öffnete den Briefkasten und sah zu meiner Verwunderung einen weiteren Brief von der Bundeswehr. Den ersten Brief, in dem man angeben musste, ob man Interesse hat, für die Bundeswehr zu kämpfen, hatte ich ignoriert. Das Schreiben, das ich daraufhin bekam, hatte ich mit »null Interesse« zurückgeschickt. Warum kommt jetzt noch etwas vom deutschen Militär? Etwas verblüfft habe ich mir durchgelesen, dass ich zur Musterung »eingeladen« wurde. Mein Stand war, dass erst im Juli 2027 gemustert werden sollte.
Ich habe das Schreiben dann verbrannt, davon ein Video gemacht und es auf Instagram hochgeladen. Dort schrieben mich andere Schüler an, die auch so einen Brief bekommen hatten. Über die Bundeswehr-Hotline, die im Brief als für Fragen zuständig angegeben war, habe ich dann erfahren, dass ich dieses Jahr noch nicht verpflichtet bin, zu der Musterung zu erscheinen. Aber wenn ich nächstes Jahr nicht komme, steht irgendwann die Polizei vor der Tür und zwingt mich.
Ungefähr 300.000 Personen wurden von »der Truppe« angeschrieben und nur 530 haben sich zum Wehrdienst gemeldet. Warum werden junge Menschen, die ausdrücklich kein Interesse bekundet haben, trotzdem zur Musterung eingeladen?
Dazu haben wir von der Bundeswehr und vom Verteidigungsministerium leider nur widersprüchliche Antworten bekommen. Wir haben definitiv keine Lust, für Deutschland zu sterben.
Ab 2008 geborene, volljährige Männer können seit Inkrafttreten des Gesetzes verpflichtend zur Musterung geladen werden, die Ladungen sollen jedoch erst ab 1. Juli 2027 flächendeckend erfolgen. So steht es im Wehrdienstmodernisierungsgesetz. Warum werden jetzt schon Leute eingeladen?
Die Politik hier im Land will die Wehrpflicht so schnell wie möglich einführen und auch rasant durchmustern. Um zu wissen, wer denn geeignet dafür ist, im kommenden Krieg an der Front für Deutschland zu sterben. Die Gefahr der tatsächlichen Wehrpflicht und auch der Kriegsvorbereitung wird immer realer. Das bemerken wir auch in den Schulen, wenn wir mit Mitschülern sprechen, dass die Angst vor dieser Wehrpflicht noch viel größer geworden ist.
Was berichten Betroffene von der Musterung?
Ein Freund von mir war da, weil er nicht wusste, dass die Musterung nicht verpflichtend ist. Er musste IQ-Tests machen, Reaktionstests mit veraltetem technischen Gerät, wie kann er schnelle Reflexe haben, wenn die Maus zwei Sekunden verzögert ist? Die Soldaten fragten ihn, ob er denn verfassungstreu sei, beispielsweise ob er »an den Holocaust glaube«, damit die Bundeswehr behaupten kann, dass sie keine Nazis bei sich hat. Und dann gehört natürlich auch die Genitaluntersuchung dazu. Ihm wurde einmal an die Hoden gefasst und dann ein Finger in den Po gesteckt. Wenn man nicht geeignet ist, wird einem das mitgeteilt. Sonst muss man direkt ein Interview machen, wo man bei der Bundeswehr anfangen könnte.
Was ist das Ziel der Bundesregierung?
Sie will untersuchen, wie wir auf die Einladung zur Musterung reagieren. Eine Art Testballon, wie sie am besten so eine Musterung durchführen, so dass sie auf geringen Widerstand stößt.
Ich wurde auch im Frühjahr dieses Jahres schon auf meinem Schulweg vom Verfassungsschutz angequatscht, weil ich mich gegen den Krieg wende und für Frieden einstehe.
Sie wurden vom Inlandsgeheimdienst auf dem Schulweg angesprochen? Wollten die Sie als V-Mann rekrutieren?
Es war ein Einschüchterungsversuch. Der Mann fing so an: »Allgemeine Verkehrskontrolle. Nee, Spaß. Verfassungsschutz.« Und dann sagte er, dass ich aufpassen soll, was für einen antimilitaristischen Kampf ich führe. Dass der Verfassungsschutz bei mir vor der Haustür auf mich gewartet hat, weil ich die Schulstreiks hier in Kiel mitorganisiere, ist echt absurd. Und zeigt, dass wir genau diesen Widerstand gegen Wehrpflicht und Militarisierung dringend brauchen.
Daher streiken wir am Freitag, dem 25. September, wieder in über 100 Städten. In ganz Deutschland werden wir auf der Straße stehen und zeigen: »Uns kriegt ihr nicht!«
Golo Kirsch ist Schüler der zwölften Klasse und organisiert im Schulstreikkomitee Kiel den Streik mit.
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Roland Weinert aus 65366 Geisenheim 20. Sept. 2026 um 20:53 UhrMein Gewissen gehört mir! Der VS handelt gegen das Grundgesetz. »«Beamtinnen und Beamte schwören einen Eid auf die Verfassung», sagte Hubig den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Sie müssen sich an Recht und Gesetz halten. Wenn ein Beamter den Eindruck hat, dass ihm rechtswidrige Weisungen erteilt werden, muss er die Bedenken intern klar äußern.» (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/justizministerin-stefanie-hubig-ruft-beamte-auf-rechtswidrigen-afd-weisungen-zu-widersprechen-a-e8b16d76-0020-46ae-95e9-b0402f05c277). Das Pikante: Wenn ein Beamter den Eindruck hat, darf er … -- Ferner: Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 20 (https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20.html): (1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. -- Was lehrt uns beides? Widerstand ist selbstverständlich möglich, wenn … - Neinsagen ist selbstverständlich, wenn … Mein Gewissen gehört mir ganz allein! Daran kann der Verfassungsschutz gar nichts ändern! -- Deshalb: Kategorisch Nein sagen zu Krieg, Kriegen und Waffendiensten aller Art! -- Die Provokateure des russischen Angriffes gehören auf die Anklagebank in Den Haag! Die Diffamierer von Pazifismus und PazifistInnen ebenfalls!
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

Ich bin mir bewusst, dass wir, die Alten, so gut es in unseren Kräften steht, den jungen Menschen, die sich gegen die unselige Entwicklung zur Wehr setzen, den Rücken stärken müssen!
Was das Auflauern des Verfassungsschutzes auf dem Schulweg von Golo betrifft, erinnerte ich mich an die Berichte meines Vaters, der genau wie mein Großvater, während der Zeit des Faschismus, 10 Jahre in den Konzentrationslagern der Nazis inhaftiert war und nur durch die Befreiung am 08. Mai 1945 kamen beide mit dem Leben davon!
Als hinterbliebene Tochter und Enkeltochter, Nachkriegskind, sah ich nicht nur die gebliebenen Wunden, insbesondere bei meinem Großvater, lernte Leidensgenossen meines Vaters kennen und vor allem erfuhr ich von den Machenschaften der Nazis. Immer wieder berichtete mein Vater auch von der Zeit vor seiner Verhaftung, der illegalen Arbeit, den »Schlapphüten« und von Verrat.
Das Erlebnis auf dem Schulweg von Golo, was zurecht als klare Aussage gewertet wird, entspricht korrekt den Berichten meines Vaters, zu einer Zeit, da SS und SA ihr Unwesen trieben. Es brachte mir eine Gänsehaut ein und das Bewußtsein, was sich hier an Geschichte wiederholt.