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Antwort interessiert nicht
Bundeswehr musterte seit Juli 1.000 junge Männer, obwohl sie zuvor ihr Nichtinteresse bekundet hatten. Nächster Schulstreik am Donnerstag
Wer die größte europäische Militärmacht westlich des Dnjepr werden will, braucht neben Kriegsgerät auch Kanonenfutter. Noch setzt die Bundeswehr bevorzugt auf Freiwillige, um ihre Reihen »aufwachsen« zu lassen. Tatsächlich aber bestellt sie bereits auch jene 18jährigen zur Musterung ein, die – vom Staat danach gefragt – explizit kein Interesse am Militärdienst für die BRD bekundet haben. Der Aufforderung muss man offenbar nicht nachkommen, heißt es von Betroffenen, die vorsichtshalber nachgefragt haben. Das hat sich noch nicht bei allen herumgesprochen. Vom 1. Juli bis zum 31. August hat die Bundeswehr »im Rahmen der Wehrerfassung fast 1.000 Musterungen« von frisch volljährigen Männern vorgenommen, obwohl diese zuvor auf dem ihnen zugeschickten Fragebogen ihr »Nein, danke« quittiert hatten. Das teilte das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) am Freitag mit. Zur Musterung geschleift werden musste offiziell niemand von ihnen. »Die Anreise aller 1.000 Gemusterten geschah selbständig«, erklärte eine BMVg-Sprecherin auf jW-Anfrage.
»Anhand solcher Mitteilungen sehen wir: Die Regierung meint es ernst mit der Wehrpflicht«, sagte dazu Bela Breitner, Sprecher der Initiative für Schulstreiks gegen Wehrpflicht, am Freitag gegenüber junge Welt. Der Protest sei deshalb gerechtfertigt und richtig. Breitner selbst kenne Betroffene, die an der Planung solcher Schulstreiks beteiligt sind und Musterungsbriefe bekommen haben – obwohl sie ebenfalls kein Interesse bekundet hätten. Der Großteil von ihnen sei nicht zur Musterung gegangen, sagte Breitner im Gespräch mit jW. Auf Nachfrage hätte ihnen die Bundeswehr mitgeteilt, dass das Erscheinen nicht verpflichtend sei. »Wir werden diese Musterungen kontinuierlich entlang der sich stetig erweiterten Musterungskapazitäten weiter erhöhen«, kündigt das Wehrressort am Ende seiner Mitteilung an.
Bis zum 18. Juni hatte die Truppe nach eigenen Angaben fast 300.000 ihrer Wehrdienstfragebögen verschickt bzw. Onlinezugänge versendet. Bis Ende August wurden es laut BMVg-Mitteilung mehr als 451.400 Bögen. Männer sind zur Antwort verpflichtet; wer dem nicht nachkommt, dem drohen bis zu 250 Euro Bußgeld. Neben Angaben zu Schul- und Berufsabschlüssen, Sprachkenntnissen oder körperlichen Merkmalen wird mit der »Bereitschaftserklärung« auch gefragt: »Haben Sie grundsätzlich Interesse, auf freiwilliger Basis Soldatin oder Soldat zu werden?« Die Angeschriebenen sollen sich auf einer Skala von 0 (»Ich habe kein Interesse«) bis 10 (»Ich möchte unbedingt Soldatin oder Soldat werden«) selbst bewerten.
Insgesamt hätten mittlerweile innerhalb der vorgesehenen Fristen von den rund 231.700 angeschriebenen Männern rund 96 Prozent und von den rund 219.700 Frauen sowie Personen anderen Geschlechts rund 3,5 Prozent geantwortet. »Nach wie vor erklären rund 22 Prozent der antwortenden Männer und rund 55 Prozent der antwortenden Frauen und nicht männlichen Personen ein Interesse«, erklärte die Ministeriumssprecherin gegenüber jW. Dieses liege »unverändert bei rund 5 auf der Skala«.
Am Ende blieben nach Regierungsangaben in diesem Jahr rund 1.155 übrig, die als Bewerberinnen und Bewerber »für eine Verwendung in der Bundeswehr verteilt auf alle Laufbahnen eingeplant werden«. Knapp 1.000 von ihnen noch 2026. Seit Jahresbeginn konnten die deutschen Streitkräfte demnach bis zum jüngsten Stichtag rund 17.000 Menschen dazu bringen, sich zum Militärdienst vertraglich zu verpflichten. Dies seien 13 Prozent mehr als im Vergleich »zum Ende des einstellungsstärksten Personalgewinnungsjahres 2025« und das Resultat aus rund 53.100 Bewerbungen bis zum 31. August. Bereits in den Militärdienst eingetreten sind laut Mitteilung mehr als 2.200 Soldatinnen und Soldaten.
Unter den jungen Menschen in seinem Umfeld herrsche »große Unsicherheit«, berichtete der Sprecher der Schulstreikinitiative im jW-Gespräch. »Viele haben keine Lust auf Wehrpflicht, aber auch nicht auf Musterung.« Beides sei »nicht in unserem Interesse«, weil »Teil einer großangelegten Kriegsvorbereitung«. Der nächste bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht ist für den kommenden Donnerstag geplant. »Wir werden unseren Kampf auch danach fortsetzen«, erklärte Breitner.
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