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Das Kollektiv hat keine schuld
Niemand wird bestreiten, dass Fußball von Emotionen lebt. Kein Fan mag Stille, Klatschpappenpublikum oder technische Einrichtungen wie den VAR. Alles Dinge, die Emotionen töten. Die leben nicht zuletzt von der Spannung auf dem Rasen. Ist sie nicht da, kommt keine Stimmung auf den Rängen auf.
Derbys etwa sorgen aufgrund ihres hohen Grades an Rivalität der Beteiligten fast immer für Spannung und Stimmung. Auch andere Begegnungen lassen Fans auf den Spieltag hinfiebern. Treffen die Dresdener Dynamos auf die Hertha aus Berlin, wie am kommenden Sonnabend, ist Stimmung garantiert.
Die meisten Fans können sich sehr gut an die DFB-Pokalpartie 2019 erinnern – 20.000 Dresdner im Berliner Olympiastadion. Oder an die überaus emotionsgeladene Begegnung der beiden am 4. April 2026 in Dresden. Ich will gar nicht bewerten, wer da wofür verantwortlich war, gar nicht referieren, was bei diesem Spiel passiert ist. Fakt ist, DFB und seine Sportgerichtsbarkeit haben gegen beide Vereine sämtliche Register gezogen. Es gab hohe Geldstrafen, insbesondere aber Kollektivstrafen: Bei den nächsten zwei Begegnungen der Vereine darf jeweils nur die Hälfte der Tickets des Gästekontingents verkauft werden, diese Tickets müssen außerdem personalisiert sein. Dynamo wurde Fanzentrum, der K-Block, für ein Spiel komplett gesperrt, für ein weiteres gibt es Bewährung.
Eine Konsequenz all dessen ist, dass die aktive Fanszene der Hertha das Spiel am Sonnabend boykottieren wird. Meine Unterstützung hat sie. Auch wenn immer gesagt wird, dass es sich ja nicht um Strafen, sondern um eine Präventivmaßnahme handelt – für die Fans sind es Strafen. Kollektivstrafen (dieser und anderer Art) aber kennt das Rechtssystem nicht. Rechtmäßig ist eine zurechenbare individuelle Schuld und Strafe, nicht jedoch eine strafrechtliche Mithaftung. Das sah der DFB auch selbst einmal so.
Der DFB und seine Verbände mit den Sportgerichten müssen von solchen Sanktionen dringend weg. Man bestraft damit Fans, die mit etwaigen Ereignissen im Vorfeld nichts zu tun haben, die zufällig im selben Block standen. Eine Personalisierung der Tickets ist reine Symbolpolitik. Namen auf Tickets hätten die Vorfälle in Dresden nicht verhindern können. Keine Frage, die Stimmung, positive Emotionen, bleiben so auf der Strecke.
»Sport frei!« vom Fananwalt.
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