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Krieg gegen Palästinenser

Unter den Trümmern

Gaza: Ein Gebäude stürzt ein, mindestens 20 Menschen sterben. Wegen Israels Blockade können Häuser nicht repariert und Menschen nicht gerettet werden

Von David Siegmund-Schultze
Foto: Jehad Alshrafi/AP Photo
Helfer bergen eine Leiche aus dem eingestürzten Gebäude (Gaza-Stadt, 16.9.2026)

Helfer versuchen, ein weinendes, in Trümmern feststeckendes Mädchen zu befreien. Das erschütternde Video aus Gaza-Stadt machte am Mittwoch morgen in sozialen Medien die Runde. In der Nacht zu Mittwoch war ein sechsstöckiges Gebäude eingestürzt – mindestens 20 Menschen sind gestorben, fünf davon Kinder, wie ein Sprecher des Zivilschutzes in der Stadt mitteilte. Mehr als 60 Menschen haben demnach in dem durch Bombenangriffe beschädigten Haus gewohnt, die meisten von ihnen sind unter den Trümmern verschüttet. Augenzeugen berichteten laut Al-Dschasira, sie würden Hilferufe hören. Die Einsatzkräfte versuchten im Laufe des Mittwochs noch, lebende Menschen zu retten – mit bloßen Händen und einfachen Werkzeugen.

Denn Israel blockiert noch immer die Einfuhr von Ausrüstung und schwerem Gerät, das benötigt wird, um Trümmer zu räumen und Menschen zu retten. Auch die Einfuhr von Materialien und Maschinen, um Tausende beschädigte Häuser zu reparieren oder zerstörte Gebäude wiederaufzubauen, verwehrt Tel Aviv; genauso wie die im Waffenruheabkommen vom Oktober 2025 vereinbarte Lieferung von adäquaten Zelten und Fertighäusern. Den Vertriebenen im Gazastreifen bleibt somit nichts anderes übrig, als in überfüllten Zelten oder einsturzgefährdeten Gebäuden unterzukommen.

Das Ereignis macht deutlich: Israels Armee tötet Palästinenser nicht nur mit Bomben, Artilleriegeschossen oder Sniperprojektilen. Auch die anhaltende Blockade tötet. Denn ungeachtet der vermeintlichen Waffenruhe und des von US-Präsident Donald Trump eingesetzten »Board of Peace«, verfolgt die israelische Regierung unbeirrt das Ziel, das Leben der Palästinenser im Gazastreifen unmöglich zu machen. Unterwerfung, Flucht oder Tod sind die einzigen Optionen, die Tel Aviv für sie vorsieht. Die palästinensische Gesellschaft in Gaza, ihre Kultur, ihr Gemeinwesen, das Bildungs- und Gesundheitssystem, die Museen und Architektur – all das wurde in bald drei Jahren des Völkermords systematisch zerstört.

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Israels Verteidigungsminister Israel Katz stellte am Mittwoch abermals klar, dass die Vertreibungspläne keinesfalls vom Tisch sind. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Armee den Krieg in Gaza mit voller Härte wieder aufnehme und die dortige Bevölkerung »ausweise«, sagte er laut AFP. 70 Prozent des Gebiets seien bereits von der Bevölkerung »geräumt« worden, so der Likud-Politiker. Und weil die Hamas nicht dazu bereit sei, ihre Waffen abzugeben, müsse die Armee »den Job zu Ende bringen, damit wir auch den Umsiedlungsplan umsetzen können«. Tatsächlich hat die Hamas bereits Ende Juli ihrer Entwaffnung zugestimmt – unter der Voraussetzung, dass Tel Aviv seinen Verpflichtungen der ersten Phase des Waffenruheabkommens nachkommt und sein Militär aus dem Gazastreifen abzieht sowie die militärischen Angriffe einstellt. Zuvor hatte die Hamas die Niederlegung ihrer Waffen noch an die Verwirklichung palästinensischer Staatlichkeit geknüpft. Es war das letzte von zahlreichen Zugeständnissen, die sie gemacht hat. Die Organisation hatte etwa ihre Bereitschaft erklärt, die Zweistaatenlösung mitzutragen; jahrzehntelang hatte sie auf dem Ziel eines palästinensischen Staates auf dem gesamten Gebiet des historischen Palästinas beharrt.

Laut einer von der palästinensischen NGO Jerusalem Media and Communications Center sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung vergangene Woche veröffentlichten Umfrage sprechen sich knapp 48 Prozent der Palästinenser für die Zweistaatenlösung aus. In Gaza sind es sogar fast 60 Prozent. In Israel ist diese Option aus der öffentlichen Debatte verschwunden, selbst die liberale Opposition spricht schon lange nicht mehr von der Zweistaatenlösung. Man will sich der Palästinenser mit Gewalt entledigen.

So setzt Tel Aviv die Angriffe auf die Menschen in Gaza unvermindert fort. Am Dienstag wurden dabei mindestens sieben Menschen bei verschiedenen Attacken getötet, wie das Investigativportal Drop Site News berichtete. Das israelische Militär teilte mit, es habe einen hochrangigen Hamas-Kommandeur getötet. Am Vortag tötete die Armee drei Palästinenser, 27 wurden verletzt, so Drop Site News. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober 2025 hat das israelische Militär damit mindestens 1.382 Menschen im Gazastreifen getötet.

Dessen ungeachtet soll Washington den umfangreichsten Waffendeal mit Israel seit Jahren vorbereiten. Laut einem Bericht der Washington Post vom Dienstag soll die Lieferung im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar unter anderem 40.000 Bomben mit einem jeweiligen Gewicht von mehr als 900 Kilogramm umfassen. In der bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichneten Dokumentation »Naza« berichten anonymisierte israelische Soldaten, wie sie entschieden, mit jenen Bomben ganze Familien nachts im Schlaf zu töten, um ein mutmaßliches Hamas-Mitglied zu treffen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.09.2026, Seite 7, Ausland

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