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»Unblock Cuba«

Was heißt Kuba-Solidarität für einen Gewerkschafter?

Arbeiter und DGB-Mitglieder sind bereit, sich mehr als bisher für das kubanische Volk zu engagieren, sagt Andreas Nolte

Interview: Kim Chi Luu
Foto: Christian-Ditsch.de
Die symbolische Blockade wurde bei der Kuba-Protestwache Stück für Stück abgebaut (Berlin, 12.9.2026)

Auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall 2023 wurde ein Beschluss verabschiedet, der auch ein Ende der US-Blockade Kubas fordert. Weshalb braucht es die im März dieses Jahres gegründete Gruppe »Gewerkschafter:innen für Kuba«?

Wir wollen, dass der Gedanke der internationalen Solidarität wieder stärker in unseren Gewerkschaften verankert wird. Die Initiative haben wir also aus der Erkenntnis heraus gegründet, dass die DGB-Gewerkschaften die internationale Solidaritätsarbeit seit Jahren eingestellt haben. Für die IG Metall kann ich sagen, dass das vor etwa 15 Jahren entschieden wurde. Man hat dann Mittel umgruppiert und zum Beispiel regelmäßige Reisen und Jugendreisen der IG Metall nach Kuba leider eingestellt. Das hat viele sehr geärgert.

Ich habe dann im Frühjahr 2023 Kontakt zu den kubanischen Industriegewerkschaften aufgenommen und sie gefragt, ob sie Interesse haben, mit uns zu kooperieren. Da haben sie gesagt: »Natürlich haben wir Interesse!« Das hat mich zusätzlich motiviert, den Antrag und die Diskussion innerhalb der IG Metall voranzubringen. Deswegen habe ich als IG Metaller 2023 den Antrag »Solidarität mit Kuba, die US-Blockade beenden und Wirtschaftsbeziehungen ausbauen« vorgeschlagen. Der Antrag wurde 2023 einstimmig angenommen, was mir zeigte, dass viele Kollegen dem Verlangen nach einer wiederbelebten Solidaritätsarbeit offen gegenüberstehen.

Konnten Sie diese Bereitschaft auch in direkten Gesprächen außerhalb von Gewerkschaftstagen erkennen?

Ich erlebe bei den betrieblichen Kollegen sowie bei den Funktionären der IG Metall inzwischen regelmäßig, dass auch hier Offenheit für das Thema und auch die Bereitschaft, zu spenden, bestehen. Das trifft auch auf andere Gewerkschaften zu: Bei der IG BAU gibt es schon länger einen Beschluss dazu, dass tatkräftig Solidaritätsarbeit geleistet werden soll. Und dafür haben wir im März die Gewerkschaftsinitiative für Kuba gegründet, bundesweit. Da sind die IG Metall, die IG BAU, die EVG, die NGG und Verdi im Unterstützerkreis dabei. Wir sind seit der Gründung auch bundesweit stets gewachsen.

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Wie intensiv ist der Kontakt zu den kubanischen Gewerkschaften?

Wir stehen vor allem mit der Industriegewerkschaft im engen Austausch über die Situation in Kuba allgemein und insbesondere die der Betriebe. Im vergangenen Jahr haben wir eine Gruppenreise mit Gewerkschaftern unternommen und dabei zehn Betriebe besucht. Die Arbeitsmöglichkeiten vor Ort sind da, die Arbeitsbedingungen sind gut, aber die Möglichkeiten, zu produzieren, sind sehr eingeschränkt. Da gibt es zwischen den Betrieben wenig Unterschiede. Die Situation konnte ich übrigens auch in diesem Jahr beobachten, als wir Anfang Mai da waren und die Betriebe besucht haben.

Wie genau kann man sich Ihre Solidaritätsarbeit mit der Initiative vorstellen?

Also für den Konsum, für den Binnenmarkt in Kuba gibt es eben Probleme in der Energieversorgung. Es gibt auch Materialprobleme, um die Geräte zu montieren und zu bauen. Unser erster Partnerbetrieb ist der Haushaltsgerätehersteller INPUD in Santa Clara. Es gibt gewählte Gewerkschaftsvertreter der zuständigen Industriearbeitergewerkschaft Sindicato Nacional de Trabajadores de Industrias, kurz SNTI. Es werden zum Beispiel Reiskocher produziert. In Kuba ist die Herstellung durch die Blockade sehr schwierig. Denn dadurch gibt es auch Probleme in der Materialbeschaffung für die Montage der Geräte.

Aber das Hauptproblem ist auch hier die mangelnde Energieversorgung, also fehlender Strom. Deshalb haben wir als Initiative in diesem Frühjahr, nach Rücksprache mit der SNTI, beschlossen, INPUD eine betriebliche Solaranlage zu spenden. Nachdem sie unserem Kooperationspartner Interred in Frankfurt am Main die notwendigen Daten dafür geschickt hatten, ergab sich ein Spendenvolumen von 200.000 Euro.

Wieviel konnten Sie für die Anlagen bereits einsammeln?

Unsere Spendenkampagne »Mehr Solarenergie für Kuba – jetzt!« ist im vollen Gange. Aktuell haben wir über 80.000 Euro gesammelt. Wir wollen in den nächsten Wochen jedoch schneller vorankommen, um in diesem Jahr mit der Umsetzung des Projekts, also der Installation, in Santa Clara starten zu können. Außerdem sind wir bundesweit aktiv, um Diskussionen anzustoßen. So fand am vergangenen Donnerstag eine Veranstaltung mit dem Titel »Neue Energie für Kuba« zur Verbreitung der Spendenkampagne im Bildungszentrum Lohr der IG Metall mit kubanischen Gästen statt. Auch im Oktober haben wir eine weitere Veranstaltung bei der IG Metall in Frankfurt am Main geplant. Ansonsten beteiligen wir uns als Gewerkschafter auch an der Protestwache für Kuba vor der US-Botschaft in Berlin. Eine Infoveranstaltung mit uns findet am Freitag abend um 18 Uhr vor Ort statt. Alle sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, für unser Projekt zu spenden und sich zu vernetzen. Jetzt heißt es: Spenden, spenden, spenden – mehr Solar für Kuba!

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.09.2026, Seite 2, Inland

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