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Ideologieproduktion

Alles Gute für den Kanzler

Monchi, Merz, Mainstream: Das neue Buch des Frontmanns der Band Feine Sahne Fischfilet verkauft sich glänzend, weil es eine Distanzierung anzeigt

Von Nils Breitenbach
Foto: Berlinfoto/imago
Stütze(n) der Regierung: Jan »Monchi« Gorkow und Fans bei einem Konzert in Berlin (22.12.2025)

Punk ist tot. Es lebe das Bundesverdienstkreuz! Monchi (Jan Gorkow), Frontmann der Band Feine Sahne Fischfilet, hat ein Buch veröffentlicht, das sich glänzend verkauft. In »Jenseits der Brandmauer« schreibt er über sein Leben in der vorpommerschen Provinz, insbesondere in der Kleinstadt Jarmen. Ausgangspunkt seiner Erzählung sind die Wahlergebnisse der Bundestagswahl 2025, bei der die rechte AfD jede zweite Stimme in Jarmen erhielt.

Seine Beobachtungen zeichnen zunächst das Bild einer vielschichtigen AfD-Wählerschaft. Diese meckert vor allem, bewegt aber darüber hinaus selbst relativ wenig. Ihr politisches Profil verortet Monchi in einer Melange aus allgemeiner Verbitterung, tiefer Resignation und dem diffusen Wunsch, dass da endlich »wer Neues« käme, um mit dem Aufräumen anzufangen. Hier zeigt sich schon das analytische Defizit: Kaum ein Wort verliert der Autor darüber, dass es die Regierungen von CDU, SPD und Grünen waren bzw. sind, die der Bevölkerung alle möglichen »Zumutungen« beschert haben.

Dabei reflektiert er durchaus die Zustände in der vorpommerschen Provinz. Es mangelt an sozialen Treffpunkten und regelmäßigen Bus- und Bahnverbindungen. Mit seiner Band hat er vor zehn Jahren das Festival »Wasted in Jarmen« aus der Taufe gehoben. Seither bewegt sich tatsächlich etwas in der Umgebung. Er reicht allen die Hand, die sich darauf einlassen, auch Leuten, die zur AfD halten. Alle sitzen im selben Boot, wenn es im September anzupacken gilt, um das größte Dorffest Vorpommerns auf die Beine zu stellen. Inzwischen kommen reihenweise Jugendliche dazu, die beim Auf- und Abbau helfen. Auf Vorschlag der Jugendlichen realisierte Monchi den mittlerweile größten Skatepark von Mecklenburg-Vorpommern: Hilf dir selbst, wenn es sonst niemand tut.

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Unterm Strich aber läuft das Buch darauf hinaus, eine Distanzierung des Autors von jener Sorte Antifaschismus anzuzeigen, der er und seine Band im vergangenen Jahrzehnt zugerechnet wurden. Weil die ihm bekannten linken Initiativen aus Rostock, Berlin und Hamburg von der Realität in der Provinz ziemlich weit weg sind, gelten sie ihm nun als weltfremd. Bald steht der Verdacht im Raum, dass diese wohlstandsverwahrlosten Leute sich ohnehin nur Fördergelder sichern wollen, um keiner »echten Arbeit« nachgehen zu müssen. Schlussendlich wünscht der Autor als rechtschaffener Bürger dem Bundeskanzler Merz und dem Finanzminister Klingbeil eine erfolgreiche Amtszeit, um weitere Zugewinne der AfD zu verhindern. Sein eigenes politisches Profil beschreibt er wolkig als »Humanismus«. Dazu gehört offenbar, den Zusammenhang zwischen »erfolgreicher« Regierungspolitik und dem Zustrom zur AfD zu übersehen.

Das kommt nicht von ungefähr. Der Sohn einer Zahnärztin und eines Bauunternehmers musste – anders als die Mehrheit der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern – nie befürchten, sozial abzustürzen. Er hat in seiner Jugend kräftig auf die Pauke gehauen. Doch mittlerweile ist er sichtlich zur Ruhe gekommen. Von dem, was er für die politische Linke hält, hält er nicht mehr viel. Seit dem Erscheinen des Buches tingelt Monchi folgerichtig durch die großen Talkshows und gibt Interviews. Er ist offenbar als lebender Beweis dafür vorgesehen, dass sogar ein »Linker« die AfD-Wählerschaft verstehen kann. Dass es ein CDU-Innenminister war, der seiner Band einst mit dem Verfassungsschutz drohte, ist da natürlich kein Thema mehr. Auch nicht, dass diese Partei im Gleichschritt mit der AfD den diversen »Demokratieprojekten« die Fördergelder streichen will.

Dieses Ankommen im Mainstream erinnert an den Werdegang seines Freundes Campino von den Toten Hosen. Der ist inzwischen stolzer Träger des Bundesverdienstkreuzes und speist beim Bankett mit König Charles. Der Tag ist gewiss nicht mehr fern, an dem auch Monchi einem Bundespräsidenten die Hand schüttelt. Punks hört man jetzt bequem auf Spotify, und am Ende werben sie für Merz.

→ Monchi: Jenseits der Brandmauer. Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026, 240 Seiten, 20 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.09.2026, Seite 15, Politisches Buch

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