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Jugendarmut

Jung, motiviert und pleite

Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds über die Lebenswelt von Azubis und Studenten vorgestellt

Foto: Jan Woitas/dpa
Können sich ihre Karosse nicht leisten: Azubis armutsgefährdet

Es fehlt Nachwuchs. Gleichzeitig beanspruchen die geburtenstarken Jahrgänge die Renten- und Pflegekassen. Darüber klagen Wirtschaft und Politik ständig. Wie aber jungen Menschen in Ausbildung vermittelt oder die Lebensbedingungen von Studenten durch auskömmliches BAföG verbessert werden können, dazu macht sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Landesbezirk Rheinland-Pfalz/Saarland Gedanken. Am Montag hat er in Mainz ein Dossier namens »Jung, motiviert und trotzdem broke« (pleite) über ihre Probleme vorgestellt. Den Schwierigkeiten sehen sich immer mehr junge Menschen ausgesetzt: eine Ausbildung aufzunehmen oder zu studieren und dabei zu versuchen, mit begrenzten Mitteln die Lebenshaltungskosten zu bestreiten.

Oft fangen die Probleme bereits in der Kindheit an, denn immer mehr Familien in Deutschland sind arm oder laufen Gefahr, bald arm zu werden. Im Saarland sei der Anteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren mit 26 Prozent und in Rheinland-Pfalz mit 23,8 Prozent bundesweit besonders hoch. Kürzungen von Sozialleistungen, steigende Mieten sowie wachsende Kosten in nahezu allen wichtigen Bereichen verschlimmerten die Lage weiter. Armut von Kindern und Jugendlichen habe weitreichende negative Folgen, konstatiert der DGB Rheinland-Pfalz/Saarland. Denn die Zukunftschancen der jungen Menschen würden massiv eingeschränkt und ihre beruflichen Perspektiven beeinträchtigt. Ausgrenzung und erschwerter Bildungszugang seien weitere Konsequenzen.

Auch viele, die eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz ergattern, kommen mit ihren Einkünften kaum über die Runden, heißt es im Dossier. Hohen Mieten und Lebenshaltungskosten stehen niedrige Ausbildungsvergütungen und eine stagnierende Ausbildungsförderung für Studenten entgegen. »Ein Studium oder eine Ausbildung stellen für Jugendliche und junge Erwachsene ein Armutsrisiko dar«, stellt Susanne Wingertszahn fest, die Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz/Saarland. »Weil das BAföG nicht reicht, weil die Ausbildungsvergütung zu niedrig ist. Und auch, weil es nicht genügend günstigen Wohnraum gibt.« Dabei arbeiteten Auszubildende engagiert, erlernten einen Beruf und trügen so zum Funktionieren der Gesellschaft bei.

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Und viele, die ein anspruchsvolles Studium absolvierten, litten unter Doppelbelastung, weil sie ihr Leben nur mit Hilfe von Nebenjobs finanzieren könnten. Das alles sei schon lange kein Randthema mehr. Armut betreffe »Tausende junge Menschen in ganz Deutschland – besonders dort, wo Ausbildungsplätze fehlen, Tarifverträge nicht angewandt werden, Wohnraum knapp und teuer ist und familiäre Unterstützung fehlt«, heißt es im Dossier. Dass der Nachwuchs trotz Ausbildung oder Studium nebenbei jobben müsse, auf Freizeit ebenso verzichte wie auf Mobilität und gesunde Ernährung, sei »kein individuelles Schicksal, sondern Ausdruck struktureller Ungerechtigkeit und politischer Versäumnisse«, so die Verfasser weiter.

In einem reichen Land, das Deutschland nach wie vor sei, dürfe niemand arm sein, der eine Ausbildung oder ein Studium absolviere. »Junge Menschen brauchen faire Chancen, sichere Perspektiven und gute Rahmenbedingungen, um sich entfalten zu können«, schreiben die Autoren. Nötig seien Ausbildungsplätze für alle und flächendeckende Tarifverträge für Ausbildungsverhältnisse. Außerdem brauche der Nachwuchs eine armutsfeste Mindestentlohnung, ein verbessertes BAföG, bezahlbaren Wohnraum und eine solidarische Sozialpolitik, die niemanden zurücklasse. Und die Rentenpolitik müsse so ausgerichtet werden, dass die Generationengerechtigkeit gewahrt werde und auch junge Menschen sich in der Zukunft auf eine sichere Rente einstellen könnten.

Im DGB-Dossier werden die Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit gezeigt. Klarmachen möchte der Gewerkschaftsbund, welche politischen und gesellschaftlichen Schritte jetzt notwendig seien. Es gehe immerhin um nicht weniger als um Fachkräftesicherung, Bildungsgerechtigkeit, und Zukunftschancen, aber eben auch um Jugendarmut. Der DGB mit seinen Mitgliedsgewerkschaften sehe sich dabei ebenso an der Seite der jungen Generation wie betriebliche Interessenvertretungen und die Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die für gute Ausbildung, faire Vergütung und ein Leben ohne Armut kämpften. Schließlich seien die jungen Menschen »die Fachkräfte von morgen«, so Susanne Wingertszahn, jene, »die den Laden in Zukunft am Laufen halten« und sich obendrein für »unsere Demokratie einsetzen, die von vielen Seiten attackiert wird«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.09.2026, Seite 5, Inland

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