Drucker machen weiter Druck
Auch nach Streik keine Einigung in der dritten Verhandlungsrunde
Eine günstige Position für die Verhandlungen am Montag wollte die Gewerkschaft Verdi durch mehrere Streiks vorab erreichen. An bundesweit neun Standorten der Druckindustrie legten Beschäftigte am vergangenen Freitag die Arbeit nieder, darunter in München beim Süddeutschen Verlag, in Leipzig bei der Wertpapierdruckerei Giesecke und Devrient sowie beim Druckhaus Spandau in Berlin.
Doch eine Annäherung der Vorstellungen über die Entgelterhöhungen kam durch den Arbeitskampf nicht zustande. Verdi fordert seit Beginn der Tarifrunde Anfang Juli für die rund 95.000 Beschäftigten in der Druckindustrie sieben Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) hatte in der zweiten Verhandlungsrunde im August eine Erhöhung von 2,5 Prozent, verteilt auf einmal 1,6 Prozent ab dem 1. Januar 2027 und weitere 0,9 Prozent ein Jahr später, angeboten.
Bei dieser Offerte blieb es auch am Montag, wie Verdi am darauffolgenden Tag mitteilte. Die Gespräche seien zwar mehrere Stunden konstruktiv geführt worden, so Rachel Marquardt, die für die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen leitet, doch ein echter Aufschlag auf die 2,5 Prozent habe gefehlt. Die andere Seite müsse sich »deutlich bewegen und ein besseres Angebot vorlegen«, so Marquardt. »Die Kolleginnen und Kollegen brauchen angesichts ständig weiter steigender Lebenshaltungskosten endlich die dringend notwendige Entgelterhöhung«.
Beim Bundesverband Druck und Medien bedauerte man wiederum, dass es trotz verschiedener Vorschläge zu keiner Annäherung gekommen sei, hieß es in einer Erklärung vom Dienstag. »Wir sind mit dem klaren Willen in diese Verhandlungsrunde gegangen, alte Tarifrituale über Bord zu werfen und zeitnah eine für alle akzeptable Lösung zu finden«, erklärte Klemens Berktold, der für die Unternehmensseite die Verhandlungen führt, ohne auszuführen, worin konkret die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten bestanden, die der Gewerkschaft unterbreitet worden sein sollen. Auch Verdi äußerte sich dazu nicht.
Ausführlicher beschrieb Berktold hingegen die Motivation für das Miniangebot an die Beschäftigten. So stehe doch die Druckindustrie unter starkem Veränderungsdruck bei hohen Kosten, zunehmendem Wettbewerb sowie sich verändernden Märkten, Kundenanforderungen und Geschäftsmodellen. Tarifentscheidungen könnten nicht losgelöst von dieser Realität in den Betrieben getroffen werden. »Für einen Tarifabschluss müssen beide Seiten aufeinander zugehen«, erklärte der Verbandsvertreter. Es liege an Verdi, »von ihren Maximalforderungen abzurücken, die für die Betriebe nicht finanzierbar sind, statt die Auseinandersetzung mit Streikaufrufen zu verschärfen«.
Bereits bei der Vorlage des Angebots der Unternehmensseite hatte Rachel Marquardt von Verdi auf die Situation der Beschäftigten hingewiesen: »Betrachtet man die aktuellen Prognosen der Inflationsraten für den Zeitraum bis 2028, so ergibt sich bei diesem Angebot des Verbands für die Beschäftigten in den Druckbetrieben ein Reallohnverlust von rund drei Prozent.« Dass es im laufenden Jahr überhaupt kein Lohnplus geben soll, sei »absolut nicht hinnehmbar«. Die Gewerkschaft sei weiter zu einer Einigung bereit, hieß es diese Woche. Dafür sei es allerdings notwendig, dass der BVDM sich deutlich bewege und ein besseres Angebot vorlege. Die Beschäftigten warten darauf.
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