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Kino

Keine Lust auf Krieg

Jüdisch werden mit Hindernissen: Pascal Elbés Komödie »Nur ein kleines bisschen Glück«

Foto: Lighthouse Entertainment
Spielen innerhalb der engen Grenzen der politischen Wohlfühlkomödie: Benoît Poelvoorde (M.) als Jean Chevalin

Stell dir vor, es ist Krieg – und keiner geht hin. Jean Chevalin (Benoît Poelvoorde) hat jedenfalls keine Lust, sich im Sommer 1940 gegen die Nazis ins Zeug zu legen. Nach dem ersten Luftangriff wirft er das Handtuch beziehungsweise die Kochschürze hin und marschiert stracks nach Hause. Naiv? Ja, so ist er, eine französische Variante des braven Soldaten Schwejk. Während der Sohn, offenbar von väterlichem Gemüt, den Papa begrüßt und gut gelaunt fragt, wie der Krieg denn ausgegangen sei, muss Jeans Frau Paulette dem Deserteur verklickern, dass er nun ein Problem hat und untertauchen muss. Das Schlitzohr Chevalin ist um eine Lösung nicht verlegen: Die Juden hätten doch ihre Schleuser, Unterschlüpfe, Helfer. Es heißt also, schleunigst Jude zu werden. Und so wird mit Hilfe gefälschter Pässe aus Jean ein Jakob, aus Monsieur Chevalin der Jude Chevalowitsch.

Aus der Konstellation entspinnt sich eine amüsante Komödie, in der Jean öfter die Pässe wechselt als seine Unterhosen – und die Überzeugungen gleich mit. Wenn sich der Schabbat anbietet, um ein Brot zu brechen und ein Glas zu heben, setzt er die Kippa auf. Wenn im Gasthaus, in dem Juden nicht erwünscht sind, Knödel und Schweinebraten aufgetischt werden, blitzkonvertiert der Franzose wieder.

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Das klappt so lala. Denn leider hat Jean keinen Schimmer vom Judentum. Und so übt er vorm Spiegel mit verkniffenen Augen und gierig gekrallten Fingern den vermeintlichen Judenlook. Die Szene bleibt insofern eine Ausnahme, als die leichtfüßige Tragikomödie weitgehend darauf verzichtet, Vorurteile zu reproduzieren. Kulturelles Unwissen wird vielmehr immer wieder zum Handicap. Auch für die Nazischergen. Die bemalen die Läden der Juden beispielsweise mit Weihnachtssternen, weil ihnen der Davidstern nicht geläufig ist. Nachdem der Gestapo-Chef die Männer gerügt und ihnen einen korrekten Judenstern vorgepinselt hat, versteigt sich einer der bornierten Hakenkreuzträger noch zu dem Einwand: »Woher soll ich das wissen, ich bin ja kein Jude.« Witziger Wutanfall des Gestapo-Bosses folgt prompt: »Aber ich, oder was?«

Etwa in diesem Humorgrundton stolpert Jean von einer grotesken Episode in die nächste. Er wird für einen Zahnarzt gehalten und für einen Widerstandskämpfer, sprengt eine Munitionsfabrik in die Luft oder schummelt sich mit Kartentricks durch die Personenkontrolle. Bösewichte kommen auch schon mal bei einer Bombenexplosion zu Tode, es wird scharf geschossen. Der Holocaust, die tatsächlichen Zumutungen der Besatzung, spielen dagegen nur am Rande eine Rolle. »Ein kleines bisschen Glück« bewegt sich statt dessen in den engen Grenzen der Wohlfühlkomödie. Das ist kein Schaden und hat schon bei Erzählungen wie »Das Leben ist schön« oder »Der Junge im gestreiften Pyjama« funktioniert. Dazu gibt Benoît Poelvoorde den bauernschlauen Jean mit gekonnt dümmlichem Blick überaus unterhaltsam. Da macht es dann auch nichts, dass die übrigen Figuren dem Belgier im Grunde nur bei seiner Schauspielkunst assistieren.

→ »Nur ein kleines bisschen Glück«, Regie: Pascal Elbé, Frankreich 2025, 104 Min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.09.2026, Seite 11, Feuilleton

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