Scharade mit Hindernissen
Die liebe Familie: Amine Adjinas Sozialkomödie »Couscous und Geheimnisse«
Mehdi (Younès Boucif) ist ein talentierter Koch, Sohn einer algerischen Mutter, Partner einer jungen Französin – doch nie kann er alles zugleich sein. Denn die Maman (Malika Zerrouki) ist schwierig. Der französische Lebensstil setzt ihr zu. Als die eine ihrer Töchter sich scheiden lässt, fällt Fatima in Ohnmacht. Als die zweite berichtet, dass sie unverheiratet schwanger geworden ist, lässt sie sich gleich ins Krankenhaus einweisen. Wenn nun auch noch Mehdi eine Französin heiratet, wird sie Tabletten schlucken, verspricht sie.
Also verheimlicht Mehdi der Mutter seine Freundin (Clara Bretheau). Dumm nur, dass die immer entschlossener darauf drängt, doch endlich die Familie ihres Freundes kennenzulernen. Zumal die beiden ja bald ein gemeinsames Restaurant betreiben wollen. Die Besitzerin einer Shishabar Souhila (Hiam Abbass) bietet dem jungen Mann einen Ausweg: Sie wird sich als seine Mutter ausgeben. Die Freundin wird sich damit zufriedengeben. Die Mutter wird irgendwann ohnehin nach Algerien zurückkehren. Ein Treffen, eine kleine Scharade – was kann schon schiefgehen?
Komödienkenner ahnen, was alles schiefgehen kann. Die Leihmutter Souhila freundet sich etwas zu sehr mit Mehdis Freundin an. Es bleibt nicht bei dem einen Treffen. Um sich interessant zu machen, erscheint Souhila in extravaganten Kleidern, erfindet eine verwegene Vergangenheit, bandelt mit Mehdis Chef an oder animiert Unbeteiligte zum Bauchtanz. Kurz: Sie wirbelt Mehdis Leben durcheinander. Also ändert er das Skript des Schauspiels. Souhila soll sich wieder unbeliebt bei der angelachten Verwandtschaft und Freunden machen. Das führt freilich zu einer Reihe weiterer hochpeinlicher Szenen und letztlich zu noch mehr Verwirrung.
Weil Regisseur Amine Adjina vom Theater kommt, entwickelt sich der Culture-Clash mit dem mauen deutschen Titel »Couscous und Geheimnisse« eher wie »Ein Sommernachtstraum« als wie »Monsieur Claude und seine Töchter«. Will sagen: Es gibt mehr Situationskomik als Klamauk, mehr Figurenzeichnung als Klischee, mehr Witz als Schenkelklopfer. Und das ist gut so. Hiam Abbass (»Succession«, »Gaza mon amour«) hat mit Younès Boucif einen kongenialen Spielpartner. Beiden gelingt es, in der Komödie die verborgenen Dramen aufscheinen zu lassen. Die Not der algerischen Mutter, die ihre Heimat vermisst, den Mann verloren hat und der nun auch die Kinder entgleiten. Die Not des Sohnes, der moralisch in der Schuld der aufopferungsvollen Mutter steht und sie nicht verletzen möchte. Und die Irritation der französischen Freundin, die das alles nicht versteht.
Gewiss, diese Geschichte wird nicht das erste Mal erzählt. Aber selten gelang das mit solcher Leichtigkeit, solchem Charme und solcher Ausgewogenheit zwischen humorvollen und nachdenklichen Momenten. Lassen Sie also die x-te Fortsetzung von »Monsieur Claude« liegen, lernen Sie etwas über die Zubereitung von Couscous!
→ »Couscous und Geheimnisse«, Regie: Amine Adjina, Frankreich 2025, 105 Min., bereits angelaufen
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