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Kino

Lach doch mal wieder

Selbst für die leicht melancholische Sommerkomödie »Sunny Dancer« gilt: Bella Ramsey ist ein Star

Foto: Distribution Limited/Capelight/dpa
Badeseefreuden – v. l. n. r: Ralph (Earl Cave), Archie (Conrad Khan), Ivy (Bella Ramsey), Ella (Ruby Stokes), Maisie (Jasmine Elcock) und Jake (Daniel Quinn-Toye)

Hey, vier Wochen auf engstem Raum mit lauter Krebskranken, das wird sicher ein Spaß! Die Begeisterung der 17jährigen Ivy hält sich in Grenzen, als ihre Eltern sie über den Sommer in ein Feriencamp schicken wollen. Das Gute-Laune-Lager ist eine Mischung aus Freizeitangebot und Selbsthilfegruppe und soll schwerkranken Jugendlichen den Lebensmut wiedergeben. So wie Ivy. Die ist nach ihrer Leukämie­chemo schon ein knappes Jahr krebsfrei. Doch immer noch traurig, zurückhaltend, widerspenstig. Ein klarer Fall also für eine Therapiemischung aus Kanufahrt, Stockbrotmampf und Einzelgespräch mit dem Psychodoc.

Die weitere Handlung von »­Sunny Dancer« ist vorhersehbar. Das missmutige Mädchen taut auf, findet Freunde und schließlich auch sein Lachen wieder. Es flirtet, verliebt sich, hat zum ersten Mal Sex. Eine typische Coming-of-Age-Geschichte eben. Mit Krebs. Erinnert ein bisschen an den Indieliebling »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« (2014). Und das muss ja nicht schlecht sein. Richtig gut wird die Komödie stellenweise wegen ihrer Hauptdarstellerin. Bella Ramsey, die es bislang mit »Game of Thrones« und »The Last of Us« groß angehen ließ, hat sich auf den kleineren britischen Film eingelassen. Der gibt ihr die Gelegenheit, als Ivy wunderbar aufzuspielen. Ramsey kann alles. Vor Trotz giftige Blicke schicken, supercool das Camppersonal mit seinen Mutmachersprüchen auflaufen lassen und maximal gelangweilt alleine mit Ohrstöpseln in der Kantine ihr Mittagessen herunterwürgen. Die 22jährige Britin kann aber auch so herzlich lachen, so anmutig tanzen, so befreit küssen und dann wieder so tieftraurig mit den Tränen kämpfen, dass sie das Publikum für sich und für den Film einnimmt.

Jenseits der Bella-Ramsey-Show bietet »Sunny Dancer« einen gedimmten Humor auf. Das Chemocamp mit seinen albernen Begrüßungsliedern, albernen Shirts und albernen Sinnsprüchen (»Hinter jedem Berg steckt ein Wunder«), die überall an die Wände gepinselt stehen, nimmt die Komödie zwar auf die Schippe, das grundsätzliche Anliegen des etwas anderen Pfadfinderlagers achtet der Film aber.

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Nur halb gelungen ist der Versuch, der etwas zahmen Teenagergruppe, die sich dort zusammenfindet, anarchische Züge zu geben. Wenn die Campkids sich zu Cranberries-Musik mit der Dorfjugend prügeln, sollen erkennbar die Genrefilme der 80er Jahre wieder aufleben. Vielleicht auch deshalb spielen in »Sunny Dancer« Smartphones keine Rolle. Hier wird um Lagerfeuer gesessen und heimlich in Blockhütten billiger Fusel getrunken wie eh und je. Teens springen spontan in den verbotenen, da schwimmuntauglichen See. Und Jungs schleichen sich zu Mädchen ins Zelt und umgekehrt. Insgesamt bleibt das alles aber zu brav, um wirklich zu interessieren.

Schmerz sei wie eine bittere Flüssigkeit, die man nur mit immer mehr Wasser verdünnen könne. So lange, bis man ihn nicht mehr spüre, lernt Ivy in ihrer Therapiestunde. So verhält es sich leider auch zu häufig mit »Sunny Dancer«. Alles gefällig, alles gelungen, aber ein bisschen dünn. Ein Schuss mehr Drama, ein Spritzer mehr Humor, eine zusätzliche Energie hätten der gefühligen Erzählung gutgetan. So bleibt es bei einer leicht melancholischen Sommerkomödie für Teens und alle, die es mal waren, mit einem wundervoll selbstironischen Gastauftritt von James Blunt. Der singt – natürlich – »You are ­beautiful« und kann damit nur den Star des Films meinen: Bella Ramsey.

→ »Sunny Dancer«, Regie: George Jaques, UK 2026, 106 Min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.08.2026, Seite 11, Feuilleton

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