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Welche Krankheiten begünstigt die Blockade?
Es wird immer schwerer, über Medikamente, Geräte, Reagenzien und Ersatzteile zu verfügen, warnt Roberto Ángel McFarlane Rojas
Neben Ihren üblichen Aufgaben als Arzt in einer Universitätsklinik und im Krankenhaus führten Sie mehrere Monate lang eigenständig eine Tür-zu-Tür-Studie zur Gesundheitssituation in Tacajó in der kubanischen Provinz Holguín durch, in der Sie die Lage von Hunderten Einwohnern dokumentierten. Was haben Sie untersucht?
Im Mittelpunkt meiner Forschung steht ein epidemisches Syndrom mit multisystemischen Merkmalen, das im Jahr 2025 in Tacajó erstmals in ausgeprägter Form beobachtet wurde und sich im Jahr 2026 sowohl durch das Auftreten neuer Krankheitsfälle als auch durch das Fortbestehen von Symptomen und Folgeerscheinungen bei zuvor betroffenen Personen fortgesetzt hat. Ob es sich um die Spätfolgen eines bekannten Virus wie Corona, oder durch Mücken übertragbare Arboviren wie Dengue und Chikungunya handelt, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen.
Welche Schwierigkeiten erleben Sie im Gesundheitssystem aufgrund der Verschärfung der US-Blockade?
Kuba verfügt über ein Gesundheitssystem, das nach der Revolution eine umfassende medizinische Betreuung und ein bedeutendes Netzwerk der medizinischen Grundversorgung aufgebaut hat. Das Problem ist nicht der Mangel an Fachkräften oder an Bereitschaft zur Versorgung, es ist die zunehmende Schwierigkeit, über ausreichende Medikamente, Lebensmittel, Treibstoff, Geräte, Reagenzien, Ersatzteile und Energie zu verfügen, damit das medizinische Personal angemessen arbeiten kann. Für ein Land mit einer geschwächten Wirtschaft können Beschränkungen beim Erwerb bestimmter Produkte, Geräte, Technologien oder Komponenten bedeuten, dass diese über Drittländer beschafft werden müssen. Was mit höheren Kosten und enormen logistischen Schwierigkeiten verbunden ist. Das macht sich in einem kleinen Ort wie Tacajó unmittelbar bemerkbar.
Wie macht sich das bemerkbar?
Das Forschungszentrum, in dem ich arbeite, ist das einzige seiner Art in einer Gemeinde mit etwa 50.000 Einwohnern. Dieses Zentrum beteiligt sich an wichtigen Programmen: HIV/AIDS, Hepatitis B, Krebs, pränatale und neonatale Diagnostik angeborener Fehlbildungen, angeborene Stoffwechselstörungen, Allergien und weiteres. Derzeit gibt es jedoch Probleme, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Stromausfälle können länger als 20 Stunden dauern, praktisch an sechs von sieben Tagen in der Woche verfügen wir nicht über eine ausreichend stabile Energieversorgung, um die gesamte Arbeit normal zu erledigen. Die vorhandenen Solarmodule verfügen nicht über geeignete Batterien, um die Kontinuität der Stromversorgung zu gewährleisten, und wir können diese Energie nur in sehr begrenztem Umfang nutzen, etwa einen Tag pro Woche.
Wie improvisieren Sie, um die Patienten weiterhin zu versorgen?
Sowohl im klinischen Labor als auch im Forschungszentrum verfügen wir über veraltete Geräte und unzureichende Verbrauchsmaterialien. So verfügt das Forschungszentrum beispielsweise über einen für unsere Arbeit unverzichtbaren Computer, der mit dem Testlesegerät verbunden ist und aus dem Jahr 2009 stammt. Einige Ergebnisse müssen innerhalb von weniger als 72 Stunden vorliegen. Wenn ein Ergebnis nicht korrekt verarbeitet werden kann, muss eine Person unter Umständen eine Strecke von etwa hundert Kilometern bewältigen. Wegen des Treibstoffmangels kann allein die Hin- und Rückfahrt für eine Familie praktisch einem ganzen Monatslohn entsprechen.
Welche Krankheiten begünstigt die durch die Blockade in Tacajó ausgelöste humanitäre Krise?
Die wirtschaftliche und humanitäre Krise schafft Bedingungen, die das Auftreten von Komplikationen begünstigen, die Diagnose erschweren und die Genesung kranker Menschen erheblich verlangsamen. Eine Person, die durch Krankheit einen erheblichen Teil ihrer Muskelmasse verloren hat, benötigt ausreichend Kalorien und Proteine, um sich zu erholen. Doch viele der Menschen, die ich besucht habe, ernähren sich derzeit kalorien- und proteinarm. Dies kann dazu beitragen, dass Schwäche, Muskelschwund, Erschöpfung und die Anfälligkeit für Infektionen bestehen bleiben. In einer Gemeinde wie Tacajó müssen wir den Menschen, die erkrankt sind und noch nicht wieder normal arbeiten können, wieder auf die Beine helfen.
Roberto Ángel McFarlane Rojas ist Arzt und Dozent für Medizinische Mikrobiologie, Biochemie und Molekularbiologie.
→ Protestwache vor der US-Botschaft: 12.–19. September 2026, Berlin
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