CIA finanziert Drohnenindustrie
Medienbericht: US-Geheimdienst investierte in deutsches Drohnenstartup. Das Vorgehen soll die Hightechbranche an die Vereinigten Staaten knüpfen
Ganz so taufrisch, wie Reuters meinte, ist die am Montag von der Nachrichtenagentur vermeintlich exklusiv verbreitete Information zwar nicht – bemerkenswert aber allemal: In-Q-Tel (IQT), der Venture-Capital-Arm des US-Geheimdiensts CIA, hat den deutschen Drohnenhersteller Quantum Systems bereits vor Jahren unterstützt und ihm beim Eintritt in den US-Markt geholfen. Nachdem In-Q-Tel bei Quantum Systems eingestiegen war, hätten sich ohne weiteres direkte »Zugänge« in den Vereinigten Staaten aufgetan, bestätigte Sven Kruck, Kochef des Unternehmens, der Agentur. Das Investment habe »den Einstieg in die USA mit den Kunden CIA und FBI erleichtert«, sagte er weiter. Zwar sei das Geschäft, das man mit den US-Behörden habe abschließen können, nicht allzu umfangreich gewesen, doch habe es dazu beigetragen, das Image von Quantum Systems aufzuwerten – und der Ruf ist in der Startupwelt bereits die halbe Miete.
In-Q-Tel, 1999 gegründet, ist derjenige Zweig der CIA, der dem US-Geheimdienst – und über ihn vermittelt auch weiteren US-Stellen, nicht zuletzt dem Militär – bei der Sicherung des Zugangs zu den neuesten Technologien unter die Arme greifen soll. Dazu beteiligt sich IQT als Investor an Startups, deren Hightechprodukte die Firma für aussichtsreich hält. Oft geht es um für die Branche recht bescheidene Summen von weniger als drei Millionen US‑Dollar. Viel wichtiger aber bringt eine Beteiligung von IQT exklusive Kontakte ins US-Establishment und damit lukrative Aufträge mit sich.
Dabei zapft die CIA-Vorfeldorganisation frisch gegründete Unternehmen nicht bloß in den USA, sondern vor allem auch im westlichen Ausland an, zur Zeit über Büros in London, Sydney, Singapur – und München, der Stadt, in der viele deutsche Rüstungsstartups angesiedelt sind. Quantum Systems führt IQT schon länger auf seiner Website in seiner Liste der »strategischen Partner und Investoren« auf. IQT hält unter anderem auch Beteiligungen an dem Drohnenhersteller Stark Defence oder an Iceye, einem finnischen Startup, das Aufklärungssatelliten mit effizienter SAR-Technologie produziert – künftig auch für die Bundeswehr.
Die Hauptursache dafür, dass Startups sich auf eine Kooperation mit In- Q-Tel einlassen, besteht darin, dass der US-Markt für Rüstungs- und für Repressionsgüter schon seit langem erheblich größer, ergo lukrativer, ist als jeder andere nationale Markt. Dieser Sogwirkung konnten sich auch deutsch-europäische Startups bisher nicht entziehen. Es kommt hinzu, dass die deutsche und EU-Venture-Capital-Szene, aus der Startups ihre finanziellen Mittel ziehen, immer noch viel kleiner und zurückhaltender ist als diejenige in den Vereinigten Staaten.
Für viele Startups gibt es daher, wenn sie Angebote nicht bloß von In- Q-Tel, sondern etwa auch von Peter Thiels Founders Fund erhalten, kaum eine Alternative. Die Hauptfolge – ein zunehmender US-Einfluss – liegt auf der Hand. Allerdings reduziert die irrsinnige Steigerung der Rüstungsetats in Europa die Sogkraft des US-Rüstungshaushalts inzwischen spürbar.
Trotzdem laufen die In-Q-Tel-Aktivitäten strukturell dem Plan der Bundesregierung und der EU zuwider, eine eigenständige, von den USA unabhängige Rüstungsindustrie zu schaffen. Denn lassen sich Startups in die Vereinigten Staaten abwerben und entwickeln ihre Produkte dort, dann unterliegen diese dem US-Kontrollsystem International Traffic in Arms Regulations, kurz: ITAR. In Deutschland und der EU können sie dann faktisch nur noch mit Billigung aus Washington eingesetzt beziehungsweise exportiert werden. Das Bundesverteidigungsministerium, so bestätigt es auch Reuters, nimmt das mittlerweile äußerst ernst und dringt darauf, dass US-Investitionen in deutsche Startups nicht zu Beschränkungen oder gar zur Abwanderung führen. Ob es damit durchdringt, ist Gegenstand eines intensiven Machtkampfs.
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