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Schiffsbauerbranche

Deutsche Werften setzen auf Yachten

Jahresbilanz der Schiffbauerlobby mit kaum konkreten Zahlen zur deutschen Branche

Foto: IMAGO/imagebroker
Der Yachten- und Kreuzfahrtschiffbau allein ist wohl kaum ein zukunftsfähiges Modell (Kielkanal, 11.6.2026)

Es herrsche »Hochkonjunktur in der Schiffbauindustrie«, ließ sich Werftenmanager Reinhard Lüken vom Branchenportal Hansa zitieren. Lüken hatte am Donnerstag voriger Woche in seiner Funktion als Hauptgeschäftsführer die Jahresbilanz des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg präsentiert. Anzumerken ist: Sein herausragend positives Urteil galt der globalen Branchenperspektive – wie es für die deutschen Werften aussieht, darüber hielt er sich etwas bedeckter.

Zwar zeigte sich Lüken auch mit der heimischen Situation zufrieden und bilanzierte für den deutschen Schiffbau ein Umsatzplus von 15,3 Prozent – beurteilt nach dem Wert der abgelieferten Schiffe seien es sogar 22,5 Prozent. In Euro beziffern wollte er die Umsätze jedoch scheinbar nur vereinzelt, Gewinnmargen erwähnte und bezifferte er gleich gar nicht. »Für deutsche Schiffbauer ist insbesondere die starke Nachfrage nach hochwertigen Kreuzfahrtschiffen, Superyachten, Marineschiffen (…) und anderen Spezialschiffen ausschlaggebend«, hieß es lediglich in der VSM-Pressemitteilung – man spricht in diesen Kreisen wohl nicht gerne offen übers Geld.

Auch sonst bleiben die Angaben zur deutschen Branche eher spärlich: Global seien 2025 neue Kreuzfahrtschiffe für 31,8 Milliarden US-Dollar (etwa 27,2 Milliarden Euro) bestellt worden, weitere 11,4 Milliarden US-Dollar Bestellvolumen seien im ersten Halbjahr 2026 hinzugekommen, heißt es. 97 Prozent der weltweit fahrenden Kreuzfahrtflotte würden aus europäischen Werften stammen – der Anteil deutscher Schiffbauer wird, warum auch immer, nicht verraten. Bei den Superyachten der Superreichen wird immerhin bilanziert: Im Markt für Schiffe von mehr als 80 Metern Länge seien deutsche Hersteller mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent führend, die Nachfrage habe im Jahresvergleich um 46 Prozent »besonders stark« zugelegt.

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Bleibt noch der Blick auf den Rüstungssektor. Auch hier heißt es nur spärlich, »die hohen Bedarfe im Marineschiffbau« hätten »angesichts der wachsenden geopolitischen Spannungen (…) zu historisch hohen Auftragsbüchern und Auslastung bis in die 2040er Jahre hinein« geführt. Vermutlich glaubt der VSM in Anlehnung an den früheren Innenminister Thomas de Maizière, ausführlichere Antworten könnten die Bevölkerung verunsichern.

Das Fachblatt Täglicher Hafenbericht berichtete am Freitag, bei 94 Prozent aller deutschen Werftablieferungen habe es sich 2025 um Kreuzfahrtschiffe und Megayachten gehandelt – Handelsschiffe spielten demnach kaum eine Rolle. Der VSM beklagt dazu die wachsende Dominanz der Volksrepublik China im Schiffbaumassenmarkt. Auf der Basis aller globalen Auftragsbestände sei bis 2027 mit einer weltweiten Neubauablieferung von etwa 17 Millionen CGT zu rechnen. CGT steht für »compensated gross tons«, eine von der OECD entwickelte Einheit, die Schiffsproduktion weltweit vergleichbar machen soll – neben der Schiffsgröße werden dabei auch Arbeitsaufwand und typenabhängige Wertschöpfung berücksichtigt. Von diesen 17 Millionen CGT an neugebauten Schiffskapazitäten entfielen laut dem Hafenbericht 15 Millionen auf China, europäische Werften dümpelten unterhalb von zwei Prozent, der bekanntlich nach wie vor brachliegende US‑Schiffbau bei 0,1 Prozent.

98 Prozent aller kommerziellen Neubauaufträge deutscher Reeder seien im vergangenen Jahr nach China vergeben worden, lamentierte der VSM in diesem Zusammenhang, verzichtete aber auf jede Kritik an den Zuständen in der deutschen Branche, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Die Abhängigkeit von China als Lieferant der deutschen Frachtschiffahrt nehme stark zu, heißt es nur: »Neben niedrigem Baupreis bei zufriedenstellender Technik punktet China mit attraktiven Finanzierungsinstrumenten.« Kein Wort darüber, dass deutsche Reeder nach wie vor steuerlich subventioniert werden, kein Ruf nach politischem Eingreifen, um etwa das Missverhältnis zwischen wettbewerblicher Förderung und Auftragsvergabe in die Ferne zu ändern. Ein wenig erinnert dies an die 1960er Jahre, als BRD-Reeder ihr Know-how mit staatlicher Unterstützung nach Japan, Südkorea und auch da schon nach China weitergegeben hatten.

Rund 200.000 Beschäftigte habe die Branche derzeit in Deutschland, stellt der VSM fest, das seien immerhin gut 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie viele aber könnten es sein mit florierendem Handelsschiffbau?

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.08.2026, Seite 5, Inland

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