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Rechte Strömungen

Transatlantische Waffenbrüder

Vorabdruck. Ein von Milliardären finanzierter »Do Tank« treibt die Vernetzung der Rechten voran. Über die Heritage Foundation

Foto: Anadolu Agency/IMAGO
Auf der Veranstaltung »Make Europe Great Again« (Madrid, 8.2.2025) intensivierte die Heritage Foundation den Kontakt zu europäischen Rechten wie Matteo Salvini, Viktor Orbán, Santiago Abascal, Marine Le Pen und Geert Wilders (v. l. n. r.)

Anfang September erscheint im Kölner Papyrossa-Verlag das Buch »Die Brandleger. Der Vormarsch der transatlantischen Rechten« von Jörg Kronauer. Wir drucken daraus mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag das Kapitel über die Heritage Foundation ab. Das Buch kann bestellt werden unter www.papyrossa.de. (jW)

Kaum hatte Andrew Puzder, der neue US-Botschafter bei der EU, im September 2025 sein neues Amt angetreten, da stellte er eines klar: Er war nicht gekommen, um sich diplomatisch zu geben; er würde vielmehr US-Interessen durchsetzen, und zwar offen und aggressiv. Als die US-Agentur Bloomberg ihn fragte, was er denn in Brüssel so alles vorhabe, da antwortete er, er werde dafür sorgen, dass die EU ihre Digital- und Klimavorschriften – »drakonische Gesetze«, befand Puzder – umgehend abschaffe. Normen wie der Digital Services Act (DSA) oder die Lieferkettenrichtlinie seien US-Konzernen nicht zuzumuten; sie seien »nicht akzeptabel« und müssten weg.¹ Und schon gar nicht gehe es an, dass die EU bestrebt sei, »die freie Meinungsäußerung zu beschränken«, wetterte der neue Botschafter, Exmanager zweier Fast-Food-Ketten, der sich einmal dafür ausgesprochen hatte, Fabriken zu automatisieren: Maschinen seien »immer höflich«, nähmen keinen Urlaub und kämen nie zu spät. Freie Meinungsäußerung? Puzder hatte Maßnahmen im Blick, die gegen rassistische, sexistische und andere offen diskriminierende Hetze gerichtet waren. Dass die EU zumindest theoretisch gegen sie vorging, störte ihn sehr. Puzder mochte bei alledem neu in der Diplomatie sein; mit den erwähnten Themen hatte er Erfahrung: Er war zuvor als Distinguished Visiting Fellow for Business and Economic Freedom bei einer US-Denkfabrik tätig gewesen – bei der Heritage Foundation.

»Mandate for Leadership«

Die Heritage Foundation war 1973 gegründet worden – ein Jahr, bevor die etwas ältere American Conservative Union (ACU) ihre erste Conservative Political Action Conference (CPAC) durchführte. Ihren Aufbau steuerten mit Edwin Feulner und Paul Weyrich zwei Mitarbeiter republikanischer Kongressabgeordneter, denen der bis dahin dominante Typ von US-Denkfabriken – Apparate, die interessengeleitete Politikkonzepte erarbeiteten, sie aber eher hinter den Kulissen als auf offener Bühne propagierten – zu zurückhaltend war. Feulner und Weyrich wollten weitaus offener, offensiver vorgehen. Sie gewannen für ihren Plan zunächst Joseph Coors, den steinreichen Boss der Coors Brewing Company, der die Liberalisierung der 1960er Jahre ebenso hasste wie Gewerkschaften und Arbeiterrechte; Coors finanzierte ihre ersten Schritte. Ab 1975 wurde der Milliardär Richard Mellon Scaife, ein Spross der Bankiersfamilie Mellon, Hauptfinanzier der Heritage Foundation.² Scaife wurde noch von einem anderen Motiv getrieben. Er hatte zuvor viel Geld in den Wahlkampf für Richard Nixon gesteckt, der mit dem Watergate-Skandal nicht nur seine eigene Zukunft verspielte, sondern auch die Summen, die seine Sponsoren in ihn gesteckt hatten. Scaife beschloss, von nun an stärker auf aktivistische Apparate als auf deutlich anfälligere Einzelpersonen zu setzen.

Ihren ersten großen Erfolg hatte die Heritage Foundation mit Ronald Reagan. Zu Beginn von dessen erster Amtszeit im Januar 1981 legte sie ein rund 1.100 Seiten starkes Papier mit dem Titel »Mandate for Leadership« vor, das im Kern ein vollständiges Regierungsprogramm enthielt – von Steuersenkungen über Maßnahmen der Deregulierung bis zur Hochrüstung. Es handle sich faktisch, so formulierten Befürworter es damals, um eine »Blaupause dafür, die Regierung an ihrem ausgefransten New-Deal-Revers zu packen und 48 Jahre liberaler Politik abzuschütteln«.³ Reagan soll damals an jeden US-Kongressabgeordneten ein Exemplar des Papiers verteilt haben. Der Heritage Foundation gelang es zudem, über das von ihr initiierte Republican Study Committee systematisch Einfluss auf Abgeordnete im Repräsentantenhaus zu nehmen; dem Gremium gehörten neben zahlreichen Abgeordneten exklusiv Mitarbeiter der Stiftung an.⁴ Experten brachen das Mandate for Leadership damals auf knapp 1.300 Einzelforderungen herunter – und kamen später zu dem Resultat, die Reagan-Administration habe fast zwei Drittel davon umgesetzt. »Reagan verkörperte die Ideen und Grundsätze, die Heritage am Herzen liegen«, kommentierte die Stiftung rückblickend im Jahr 2004.⁵

Im Lauf der Jahre hat die Heritage Foundation vor allem ihren Aktivismus beträchtlich verstärkt. US-Denkfabriken sind von Steuern befreit, müssen dafür aber bestimmte Regeln einhalten; so dürfen sie sich nicht direkt an Wahlkämpfen beteiligen und dürfen auch mit ihrer Lobbytätigkeit gewisse Grenzen nicht überschreiten. Eine Reihe von Thinktanks hat deshalb Parallelorganisationen geschaffen, die formal unabhängig sind und die erwähnten Regeln nicht einhalten müssen.⁶ Beobachter nennen sie wegen ihrer praktischen Aktivitäten zuweilen nicht mehr Thinktanks, sondern »Do Tanks«. Die Heritage Foundation entfaltet ihren Aktivismus besonders exzessiv. Sie gab schon 2024 an, über gut 20.000 enger angebundene Aktivisten zu verfügen und insgesamt rund zwei Millionen Personen für ihre lokale Agitation mobilisieren zu können. Der ersten Trump-Administration gehörten – auf unterschiedlichen Ebenen – mehr als 70 vormalige Mitarbeiter der Heritage Foundation an.⁷ Darüber hinaus hat die Heritage Foundation vor den meisten US-Präsidentschaftswahlen erneut Programmschriften vorgelegt, deren Umsetzung sie von den jeweiligen Amtsinhabern energisch einforderte. Im Januar 2018 gab sie an, die erste Trump-Administration habe bereits im ersten Amtsjahr beachtliche 64 Prozent der Heritage-Wunschliste realisiert.⁸

»Wie in Ungarn«

Einer breiteren Öffentlichkeit in Europa bekannt geworden ist die Heritage Foundation mit dem »Project 2025«. Das fast 1.000 Seiten starke Papier war die jüngste Programmschrift in der Tradition des Mandate for Leadership von Anfang 1981. Sie wurde schon 2023 fertiggestellt; sie sollte als Blaupause für die Arbeit der herbeigesehnten zweiten Trump-Administration dienen. An dem Papier hatten laut Recherchen von CNN mindestens 140 Personen mitgewirkt, die der ersten Trump-Administration angehört hatten, darunter sechs ehemalige Minister.⁹ Die Gelder für das »Project 2025« kamen dem Onlineportal DeSmog zufolge nicht zuletzt von sechs US-Milliardärsfamilien, die seit 2020 mehr als 120 Millionen US-Dollar an die Heritage Foundation oder an andere Organisationen überwiesen hatten, die auf die eine oder andere Weise an den Vorarbeiten für das Papier beteiligt waren – darunter die Coors-Familie, Charles Koch, der Chef von Koch Industries, sowie die Scaife-Familie.¹⁰ Die Forderungen des »Project 2025« umfassten etwa die Senkung von Unternehmenssteuern, die Abschaffung der Klimaziele, den Kampf gegen Frauenrechte und »woke Propaganda« sowie Maßnahmen, die auf einen echten Staatsumbau zielten – darunter gezielte Angriffe auf die Gewaltenteilung und Attacken auf die Pressefreiheit. Kritiker sprachen von »autoritären« Vorgehensweisen »wie etwa in Ungarn«.¹¹

Wie in Ungarn? Nun, die Heritage Foundation hatte in der Tat begonnen, enge Beziehungen zu Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán bzw. zu dessen politischem Umfeld aufzubauen. Sie hatte, seit der vormalige US-Senator Jim DeMint im April 2013 den Vorsitz übernommen hatte, ihren Kurs schrittweise radikalisiert¹² und war spätestens mit dem Amtsantritt ihres neuen Chefs Kevin Roberts im Dezember 2021 ganz auf MAGA-Kurs angekommen. Roberts flog im November 2022 nach Budapest, um sich dort mit Orbán zu treffen, weitere Kontakte aufzubauen und sich einen persönlichen Eindruck von den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen in Ungarn zu verschaffen. Er war begeistert: »Ich bin ein großer Fan«, beteuerte er in einem Interview mit dem Hungarian Conservative.¹³ Das Land sei »nicht nur irgendein Vorbild für konservative Staatskunst, sondern das Vorbild schlechthin«; »alle können und sollten von ihm lernen«. Die Heritage Foundation werde das ungarische Modell »auf beiden Seiten des Atlantiks befürworten«. Der einzige Umstand, den Roberts offen bemängelte, lag in der ungarischen Außenpolitik: Budapest werde sich »von China, Russland und Iran lossagen« müssen, hielt er fest.

Flossen da wirklich Orbánsche Politikkonzepte in die Arbeit und die Programmatik der Heritage Foundation, vielleicht sogar in das »Project 2025« ein? Darüber ist viel spekuliert worden. Das ungarische Onlineportal Átlátszó – das Wort bedeutet »transparent« – hat Hinweise darauf zusammengetragen. So lässt sich zeigen: In internen Schulungsvideos, die im Rahmen des »Project 2025« erstellt wurden, treten diverse US-Amerikaner auf, die sich vorher zum politischen Austausch in Budapest aufgehalten hatten – beim Center for Fundamental Rights, beim Danube Institute und bei weiteren Organisationen.¹⁴ Allerdings war zum jeweiligen Zeitpunkt das »Project 2025« im wesentlichen bereits fertiggestellt. Dennoch schließt das – speziell im Hinblick auf die allgemeinen Beziehungen zwischen Orbáns Umfeld und der US-Rechten, die sich zu jener Zeit deutlich intensivierten – einen wie auch immer vermittelten Einfluss des ungarischen Vorbilds auf die Strategen der Heritage Foundation nicht aus. Von einer gegenseitigen Befruchtung darf man in derlei Konstellationen ohnehin ausgehen. Ganz davon abgesehen: Beobachter, die das »Project 2025« mit der realen Politik der Trump-Administration abglichen, kamen Anfang 2026 zu dem Schluss, mehr als die Hälfte der Vorhaben sei mittlerweile mehr oder weniger realisiert.

»Keine Ketzer mehr«

Pünktlich mit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump hat die Heritage Foundation begonnen, ihre Beziehungen nach Europa auszuweiten. Kontakte baut sie zunächst vor allem zu Parteien auf, die mit Orbáns Fidesz verbündet sind – zu den Mitgliedern der Patriots for Europe (PfE). Einen ersten Anlass boten die Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Donald Trump, zu denen im Januar 2025 zahlreiche Rechte aus aller Welt in Washington eintrafen. Zur Amtseinführung selbst kamen aus Lateinamerika etwa Argentiniens Präsident Javier Milei und Eduardo Bolsonaro. In Europa hatte – als einzige Staats- oder Regierungschefin – Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine offizielle Einladung erhalten. Außer ihr reisten mehrere Repräsentanten der PfE und weitere Rechte an, so etwa Nigel Farage aus Großbritannien oder AfD-Chef Tino Chrupalla aus der Bundesrepublik. In die Feierlichkeiten neben der Amtseinführung selbst reihten sich viele andere Aktivisten rechter Parteien ein. Die Heritage Foundation nutzte den Ansturm, um mit einigen von ihnen gesonderte Treffen abzuhalten. So kam Heritage-Chef Roberts etwa persönlich mit Santiago Abascal zusammen, dem Vorsitzenden der spanischen Partei Vox. Abascal trat dabei auch im Namen der PfE auf, denen Vox angehört.

Den nächsten Schritt vollzog die Heritage Foundation bei der Generalversammlung der PfE am zweiten Februarwochenende 2025 in Madrid. Die Veranstaltung unter dem Motto »Make Europe Great Again« war prominent besetzt – mit Ungarns Ministerpräsident Orbán, Italiens Transportminister Matteo Salvini von der Lega, Marine Le Pen vom Rassemblement National (RN), Geert Wilders von der Partij voor de Vrijheid (PVV) und anderen mehr. »Gestern waren wir noch die Ketzer«, rief Orbán auf einer Großveranstaltung, die dem internen Treffen der PfE folgte: »Heute sind wir der Mainstream. Wir sind die Zukunft.«¹⁵ Er fuhr fort: »Der Trump-Tornado hat die Welt in nur wenigen Wochen verändert, und eine Ära ist vorbei.« Auf der PfE-Zusammenkunft in Madrid wurde auch entschieden, dass der Likud, die Partei des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, einen offiziellen Beobachterstatus bei den PfE erhält.¹⁶ Zu einem Abendessen am Rande des PfE-Treffens war schließlich Heritage-Chef Roberts eingeladen. Er äußerte die Auffassung, die US-amerikanische und die europäische Rechte seien »Waffenbrüder«.

Die Heritage Foundation beschränkt sich dabei nicht auf die Zusammenarbeit mit den PfE. Sie hat in den zwölf Monaten von Ende 2024 bis Ende 2025 sieben offizielle Treffen mit Abgeordneten aus dem Europaparlament durchgeführt; in den fünf Jahren zuvor hatte es nur ein einziges gegeben.¹⁷ Die Stiftung empfing einem Bericht der Onlineplattform Politico zufolge Abgeordnete aus Ungarn, Tschechien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Darüber hinaus gab es informelle Treffen mit weiteren Europaabgeordneten, darunter drei der Meloni-Partei Fratelli d’Italia (FdI). Ein Mitarbeiter der Heritage Foundation berichtete, bei derlei Treffen gehe es nicht zuletzt um einen Austausch über die Frage, wie sich Gesetzesvorhaben durchsetzen ließen, so zum Beispiel die Streichung von Mitteln für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Davon abgesehen unterstützt die Heritage Foundation das US-Außenministerium bei seinen Plänen, bestimmte als »gleichgesinnt« eingestufte Organisationen in Europa zu unterstützen, und zwar auch finanziell.¹⁸ Im Gespräch war zum Beispiel die Vergabe von US-Mitteln an die britische Free Speech Union und die französische Denkfabrik Western Arc. Letztere begreift sich als »transatlantisches Institut der westlichen Erneuerung« – und sticht damit in der äußersten französischen Rechten ein wenig heraus.

Zurück nach 1957

Was trieb die Heritage Foundation zum Ausbau ihrer Kontakte und ihrer Aktivitäten in Europa? In einem ersten Zugriff konnte man sich einschlägige Passagen aus dem »Project 2025« zu Gemüte führen. Darin fand sich weitgehend, was man von Trump schon aus seiner ersten Amtszeit kannte. So hieß es etwa, das hohe Defizit im Warenhandel mit der EU müsse dringend verringert werden. Gleichzeitig müsse man allerdings den transatlantischen Handel stärken – schon um die EU aus ihrer Abhängigkeit von China zu lösen. Auf die Außenpolitik der EU müsse man seit dem Brexit genauer achten als in der Zeit zuvor, als man noch darauf habe setzen können, dass Großbritannien in mancherlei Hinsicht ähnliche Interessen in Brüssel vertreten werde wie die USA.¹⁹ Das »Project 2025« hob nicht bloß hervor, die nächste US-Regierung werde die europäischen NATO-Staaten zu hohen Militärausgaben drängen müssen. Das Papier wies eigens darauf hin, die EU beharre seit vielen Jahren auf ihren Vorstellungen zum Datenschutz. Dies dürfe Washington nun nicht mehr tolerieren. Hinter der Forderung lässt sich der Drang der US-amerikanischen KI-Riesen erkennen, Zugriff auf möglichst gewaltige Datenmengen aus Europa zu erlangen.

Genaueres und Weiterreichendes über das Europakonzept der Heritage Foundation ließ sich jedoch einer anderen Quelle entnehmen – einer Quelle, die die US-Stiftung ins Zentrum eines Workshops am 11. März 2025 in ihren Räumlichkeiten in Washington stellte. Dabei handelte es sich um ein Papier, das zwei Thinktanks aus Europa erstellt hatten: das Mathias Corvinus Collegium aus Budapest, das Orbán und dem Fidesz nahesteht, sowie das Ordo Iuris Institute for Legal Culture aus Warschau, das zum Dunstkreis der Partei Prawo i Sprawiedliwość (Recht und Gerechtigkeit, PiS) von Jarosław Kaczyński gehört. Das Papier trug den Titel »The Great Reset«, womit die beiden Organisationen auf das gleichnamige Buch des ehemaligen Leiters des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, anspielten, das in rechten Zirkeln weltweit von allerlei wüsten Verschwörungsmythen begleitet wird – etwa von der Idee, da plane eine globale Elite die Abschaffung allen Privateigentums und die Aufoktroyierung des Kommunismus. Im Gegensatz dazu trug das Papier der zwei Denkfabriken den Untertitel »Die Wiederherstellung der Souveränität der Mitgliedstaaten im 21. Jahrhundert«. Dazu schlug es nun eine Reihe konkreter Schritte vor.²⁰

Ausgangspunkt des Papiers war die Beobachtung, die EU habe sich »von einem einfachen Projekt der Wirtschaftskooperation« zu »einer mächtigen supranationalen Einheit« gewandelt. Dies liege nicht im Interesse der Mitgliedstaaten. Zum Beleg führten die Autoren unter anderem das unbestreitbare Demokratiedefizit der EU und die Einmischung der EU-Institutionen in die inneren Angelegenheiten der Mitgliedstaaten an. Man mag darin das Interesse schwächerer EU-Staaten erkennen, ihre Politik nicht von den stärkeren EU-Mächten bestimmen zu lassen, die aufgrund ihrer Größe und ihres politischen wie ökonomischen Gewichts in Brüssel den Ton angeben. Das Papier listete nun eine Reihe von Vorschlägen auf, mit denen die EU – so schrieben die Autoren – »näher an das Modell von 1957« gebracht werden könne, also zurück zu ihrem frühesten Entwicklungsstadium, den Römischen Verträgen. Die Kompetenzen der EU-Kommission sollten dabei ebenso reduziert werden wie die des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Letztlich führten die Vorschläge des Papiers zu einem weitreichenden Rückbau der EU, die sogar einen neuen Namen erhalten sollte: European Community of Nations (ECN).

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Welche Interessen verfolgte die Heritage Foundation damit? Eines lag auf der Hand: Eine ECN böte immer noch einen relativ einheitlichen, für US-Konzerne attraktiven Markt. Doch wäre sie außenpolitisch längst nicht so eigenständig, wie eine geeinte EU es – wenigstens theoretisch – sein könnte. Die ECN wäre also kaum in der Lage, in Zukunft politisch mit den USA zu rivalisieren.

Andere in der Heritage Foundation dachten darüber hinaus über globale Strukturen nach, die sich in enger Zusammenarbeit mit einzelnen Staaten Europas – nicht mit der EU insgesamt – schaffen ließen. James Jay Carafano etwa, ehemaliger Außenpolitikchef der Stiftung, nun als Berater ihres Präsidenten tätig, schlug im März 2026 gemeinsam mit Kaush Arha, dem Architekten mehrerer Japan-Aktivitäten der ersten Trump-Administration, einen informellen Fünferpakt der USA mit Italien, Israel, Japan und Indien vor.²¹ Grundlage sollte die Tatsache sein, dass in allen fünf Ländern ultrarechte Regierungen an der Macht waren. Man müsse nun versuchen, diese Regierungen und ganz besonders die Bevölkerungsspektren, die hinter ihnen standen, zusammenzuführen, etwa mit Hilfe eines jährlichen Forums unter dem Motto »Glaube, Familie, Nation«. Damit ließen sich langfristige, stabile Bindungen schaffen, die es möglich machten, in der internationalen Politik dauerhaft eng zusammenzuarbeiten und Streitigkeiten, die sich nie ganz vermeiden ließen, zu überwinden. Nun konnte man durchaus recht unterschiedlicher Meinung sein, ob das Konzept, das der Heritage-Mann Carafano da vorschlug, wirklich Erfolg verspricht. Eines aber war offensichtlich: Sein Plan zielte außenpolitisch auf eine starke Stellung der USA im Nahen Osten – über Israel – und auf die gemeinsame Frontstellung – mit Indien und Japan – gegen China. Beides sind elementare Ziele der US‑Außenpolitik. Nebenbei: Wer sich bei Carafanos Ideen an die CPAC und ihre globale Expansion erinnert fühlt, liegt ganz richtig.

Anmerkungen

1 Jeff Green: America’s New EU Ambassador Vows to Fight Red Tape for US Companies. bloomberg.com, 11.9.2025.

2 Jane Mayer: Dark Money. How a Secretive Group of Billionaires is Trying to Buy Political Control in the US. London 2016, S. 76 ff.

3 David Sirota: Project 2025 started a half-century ago. A Trump win could solidify it forever. theguardian.com, 29.8.2024

4 Mayer 2016, S. 89 ff.

5 Andrew Blasko: Reagan and Heritage: A Unique Partnership. heritage.org, 7.6.2004

6 Zachary Albert: Heritage Foundation’s »Project 2025« is just the latest action plan from a group with an over 50-year history of steering GOP lawmaking. theconversation.com, 18.7.2024

7 Ebd.

8 Jeremy W. Peters: Heritage Foundation Says Trump Has Embraced Two-Thirds of Its Agenda. nytimes.com, 22.1.2018

9 Steve Contorno: Trump claims not to know who is behind Project 2025. A CNN review found at least 140 people who worked for him are involved. edition.cnn.com, 11.7.2024

10 Joe Fassler: 6 Billionaire Fortunes Bankrolling Project 2025. desmog.com, 14.8.2024

11 The Dangers of Project 2025: Global Lessons in Authoritarianism. american-progress.org, 9.10.2024

12 James Politi, Alex Rogers: Heritage Foundation: the rightwing ›Project 2025‹ think-tank banking on Donald Trump. ft.com, 29.10.2024

13 Tamás Orbán: »Politicians Don’t Like Doing the Right Thing« – Interview with Kevin Roberts. hungarianconservative.com, 5.12.2022

14 Zalán Zubor: Orbán’s influence on Project 2025 was highlighted further by leaked training videos. english.atlatszo.hu, 23.8.2024

15 Mike Gonzalez: The European Right Is Learning From the Trump Tornado. heritage.org, 18.2.2025

16 Eldad Beck: Likud’s engagement with Patriots for Europe raises eyebrows – analysis. jpost.com, 11.2.2025

17 Hannah Roberts: The Heritage Foundation goes from MAGA to MEGA – Make Europe Great Again. politico.eu, 10.11.2025

18 Karl Mathiesen, Marion Solletty, Tim Ross, Mari Eccles, Nette Nöstlinger: The MAGA-friendly European think tanks Trump wants to fund. politico.eu, 13.2.2026

19 The Heritage Foundation: Project 2025: Mandate for Leadership. The Conservative Promise. Washington 2023

20 Szabolcs Panyi: Renaming the EU, dismantling the commission: Polish, Hungarian illiberals seek U.S. backing. vsquare.org, 10.3.2025

21 James Jay Carafano, Kaush Arha: Why the US Needs a Global Center-Right Partnership. nationalinterest.org, 17.3.2026

Jörg Kronauer: Die Brandleger. Der Vormarsch der transatlantischen Rechten. Papyrossa-Verlag, Köln 2026, 200 Seiten, 16,90 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.08.2026, Seite 12, Thema

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