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Hohe Repräsentanz, niedriges Ansehen
Bestrebungen, das Amt in Bosnien-Herzegowina aufzulösen, gewinnen in USA zunehmend an Einfluss
Die Lobbyoffensive des bosnisch-serbischen Politikers Milorad Dodik in den USA bekommt Rückenwind aus der Harvard-Universität. Dabei will Dodik nicht nur seine öffentliche Rehabilitation erreichen. Ihm geht es um die Infragestellung der gesamten internationalen Aufsicht über Bosnien und die Republika Srpska, eine der beiden föderativen Entitäten, die zusammen den Staat Bosnien und Herzegowina bilden und aus der er zuletzt bis 2025 als Präsident regierte. Dabei nutzt Dodik alle ihm verfügbaren Mittel, nachdem die USA unter Präsident Donald Trump im Oktober 2025 die Sanktionen gegen ihn aufgehoben hatten: Gerichtsverhandlungen in Florida, politische Lobbyarbeit im Umfeld der Trump-Administration und einen Beitrag in der juristischen Fachzeitschrift Harvard Journal of Law and Public Policy.
Dobiks Vorhaben richtet sich gegen die Figur, die als der mächtigste Mann Bosniens gilt und sogar die Macht der gewählten Regierung übertrifft: Den sogenannten Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina. Das Amt wurde 1995 vom »Friedensimplementierungsrat« eingesetzt und kann seit den »Bonner Befugnissen« von 1997 per Dekret Gesetze beschließen und Amtsträger entlassen. Nach Rücktritt des CSU-Politikers Christian Schmidt im Mai 2026 und dem transatlantischen Streit um seine Nachfolge führt nun der US-Diplomat Louis Crishock das Amt kommissarisch. Crishock steht damit zwischen zwei Welten: Der Implementierungsrat erwartet von ihm Kontinuität, andere hingegen hoffen, dass er Schmidts gesamtes Erbe auslöscht. Anfang August traf er sich erstmals in Banja Luka mit Vertretern der Republika Srpska: ein symbolischer Bruch mit der anti-serbisch geprägten Schmidt-Ära, wenngleich er öffentlich die Befugnisse verteidigt.
Parallel dazu gewinnt die aktuelle Lobbyarbeit Dodiks in den USA an Fahrt mit juristischen, politischen und medialen Hebelwirkungen. Der Rechtsstreit um die aufgehobenen US-Sanktionen gegen ihn wird vor einem Bezirksgericht in Florida fortgesetzt. Das Anwaltsteam um den Juristen Robert Davy Garson (der zugleich als Dodiks Lobbyist in den USA registriert ist) erhielt vom Gericht in Miami eine Fristverlängerung bis zum 25. August, um auf den Antrag der US-Regierung auf Abweisung der Klage zu reagieren. Die Sanktionen waren bereits im Oktober 2025 unter Präsident Donald Trump aufgehoben worden. Die Klage hat wenig Aussicht auf Erfolg, doch Dodik geht es nicht um den Sieg beim Prozess, sondern um die symbolische Wirkung, und die kommt bei seiner Wählerbasis an.
Im US-Kongress stößt dieser Kurs jedoch auf Widerstand. Abgeordnete beider Parteien kritisierten die Aufhebung der Sanktionen scharf und forderten mehrfach deren Wiedereinführung. Trump zeigt sich davon bislang unbeeindruckt und Dodik, der von Beginn an als Unterstützer Trumps auftrat, vertieft seine Lobbyarbeit gezielt im Umfeld der amerikanischen Rechten und unter Amerikanern serbischer Herkunft.
Flankiert wird diese Offensive durch den strategischen Meinungsbeitrag des Harvard Journals vom 3. August. Die Autoren Joseph Schmitz und Brian Kennedy plädieren darin für ein Ende der internationalen Aufsicht über Bosnien und eine grundlegende Neujustierung der US-Politik gegenüber dem Land. Sie stellen Dodik als langjährigen Gegner »globalistischer« Programme und potentiellen Verbündeten dar. Schmitz ist ein ehemaliger Inspektor des US-Verteidigungsministeriums unter Trump und ein bekannter konservativer Aktivist. Kennedy ist Präsident der American Strategic Group und ebenfalls Trump-Vertrauter. Chefredakteur Tiago de Almeida Graff verglich den Hohen Repräsentanten in einem Begleittext mit dem britischen König George III., unter dessen Herrschaft sich die 13 Kolonien im US-Unabhängigkeitskrieg von Großbritannien lösten. Die Botschaft: Die Bonner Befugnisse sind nicht nur rechtswidrig, sondern auch ein Akt der Tyrannei, die es zu stürzen gilt.
Internationale Rechtsexperten und Vertreter des »Friedensimplementierungsrates« weisen die Harvard-Thesen bislang zurück. Das Papier habe keinerlei Wirkung und ignoriere die politische Realität eines zerrütteten Vielvölkerstaates. Vier Millionen US-Dollar kostet Dodiks Lobbyoffensive in Washington. Eine Summe, die Bosniens Außenminister Elmedin Konaković im Februar öffentlich machte, als Beleg für dessen Sezessionspläne. Dabei werden die Gelder der Steuerzahler der Republika Srpska für Bestrebungen benutzt, die über den Machterhalt und die Abschaffung der internationalen Aufsicht über Bosnien hinausgehen.
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