Aus Leserbriefen an die Redaktion
Der Feind heißt Krieg
→ Zu jW vom 18./19.7.: Zitat des Tages/NATO-Generalsekretär Mark Rutte
Schön, dass Mark Rutte sich wieder an den vorgeblichen Zweck der NATO halten will. Wie war das 1999 gegen die BR Jugoslawien bzw. deren Teilrepublik Serbien? Wieso konnte 2001 gegen Afghanistan ein »Bündnisfall« behauptet und beschlossen werden? Wieso lehnte der Bundestag die Anträge der PDS 2002 und der Linken 2013 ab, diesen »Bündnisfall« zu beenden? Über das NATO-Klein-Klein hinausgedacht: Wäre es nicht eine angenehme Gewissheit, dass Staat XY niemals angegriffen wird, sehr viel eleganter, umfassender und auch preiswerter zu haben, indem idealerweise alle souveränen Staaten dieser Erde neutral/blockfrei werden? Was sagt überhaupt die Öffentlichkeit Schwedens oder Finnlands, der Vorzüge der Neutralität noch eingedenk, dazu, dass ihre Regierungen schnöde aus der Neutralität desertiert sind?
Mögen Irland, Österreich und die Schweiz ihre Neutralität wieder ernst nehmen – und wieder »immerwährend« bewahren! Mögen sich die mit halben NATO-Austritten bereits vertraute Französische Republik, die ökonomisch kollabierende BRD, aber auch der ganze Mittelmeerraum von Portugal bis zur Türkei, die sich irgendwelche Fünfprozentziele durchweg nicht leisten können, für die Freiheit vor der NATO entscheiden, gern unter Einhaltung von Kündigungsfristen. Sie liefen dann auch nicht mehr Gefahr, mit militärischen Zielscheiben verwechselt zu werden.
Ich sage ein Drittes: Mit Verteidigungskriegen gestattet die UNO eine seltene Ausnahme vom generellen Kriegsverbot. Es darf problematisiert werden: Sind Aggression und Verteidigung immer präzise zu unterscheiden? Tendieren nicht alle Aggressoren dazu, ihre Aggression a priori als »Verteidigung« zu deklarieren? Und gilt nicht auch für mehr oder minder »eindeutige« »Verteidigungskriege«, dass sie durch diese legitimierende Eigenschaft allein für betroffene Militär- und Zivilpersonen kaum ungefährlicher, angenehmer oder weniger tödlich werden als die relativ verwerflicheren Angriffskriege? Kann es also sein, dass vorsichtshalber auch Verteidigungskriege besser nicht gestattet werden sollten? Und sollte sich nicht jeder Soldat der drei wichtigsten soldatischen Tugenden erinnern, die da sind: Verweigerung, Desertion und Kapitulation? »Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde / Euer einziger Feind heißt – Krieg«, schrieb Erich Kästner im Schlusschor seines Stücks »Die Acharner«.
Bernhard May, Wuppertal
Vielfalt als Bereicherung
→ Zu jW vom 5.8.: »Kulturelle Aneignung«
Vielen Dank für diesen erlösenden und klugen Beitrag. Oh, wie schön wäre es doch, einfach nur Mensch zu sein, so ganz ohne moralischen Zeigefinger und ohne ständig nach Herkunft, Hautfarbe oder Kultur bewertet zu werden. Der Text legt präzise offen, wie die aktuelle Debatte um »kulturelle Aneignung« uns nicht etwa befreit, sondern in neue Schubladen sperrt. Anstatt uns als Individuen zu begegnen und das Gemeinsame zu suchen, wird trennendes Gruppendenken gefördert.
Es wird Zeit, dass wir uns auf eine echte, verbindende Menschlichkeit besinnen, die Vielfalt als Bereicherung versteht und nicht als Verbotszone. Ich identifiziere mich mit mir. Und wenn mir etwas gefällt, übernehme ich es. Nicht, um andere schlecht dastehen zu lassen, sondern weil ich es gut für mich finde. Auf »kulturelle Aneignung« als negative Idee musste auch erst einmal gekommen werden. Fragt sich, wer sich so etwas zum Wohle der Menschheit ausdenkt. Danke und Peace.
Stella Djulin, Berlin
Abgehoben und unempathisch
→ Zu jW vom 4.8.: »Der Kampf um die Rente«
Wie schön, dass sich Politiker dieser Republik so richtig an den Leuten unten abarbeiten können. Wer 45 Jahre voll in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll also laut neuer Reformpläne mit 63 nicht abschlagsfrei in die Rente gehen dürfen. Abgehobenheit und fehlende Empathie für eine Gesellschaftsschicht, die Zeit ihres Lebens gearbeitet und geschuftet hat, scheinen dieser Politikerclique nicht vor Augen zu führen, dass sie einer geschützten Spezies angehört – zumindest was Pensionsansprüche anbelangt. Bereits nach einem Jahr der Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag haben Politiker Pensionsansprüche. Schon nach 26 Jahren – man möge sich das auf der Zunge zergehen lassen – haben sie sich den vollen Pensionsanspruch »erarbeitet«. Die arbeitende Bevölkerung hingegen muss sich fast weitere 20 Jahre abrackern, um einen vollen Rentenanspruch zu erhalten.
Rudi Eifert, Langenhagen
Besser als Krieg
→ Zu jW vom 13.8.: »Vergessenes Datum des Tages: 13. August 1961«
Die Reaktionen auf die Sicherung der Staatsgrenze der DDR am 13. August 1961 können bis heute nicht unterschiedlicher sein. Medien und herrschende Politik strotzen vor Verleumdung der damaligen Entscheidung der DDR-Führung unter Walter Ulbricht. Völlig außer acht wird gelassen, dass die DDR einen solchen Entschluss nicht ohne Zustimmung der sowjetischen Führung treffen konnte.
Abgelehnt von den Westmächten und der Bonner Regierung wurde die Stalin-Note vom 10. März 1952, die das Ziel hatte, ein wiedervereinigtes, neutrales Deutschland zu schaffen. Es gab aber auch aus berufenem westlichem Munde ganz andere Meinungen. So vom damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, der sich zum Zeitpunkt des Mauerbaues auf seinem Landsitz aufhielt. Er war erleichtert, dass es zu keiner militärischen Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion gekommen ist. Wörtlich Kennedy: »Eine Mauer ist verdammt noch mal keine sehr schöne Lösung, aber tausendmal besser als ein Krieg.« Zur Beruhigung des damals regierenden Bürgermeisters von Westberlin, Willy Brandt, der die untätige Schutzmacht kritisierte, sandte Kennedy Vizepräsident Lyndon B. Johnson und General Lucius D. Clay nach Westberlin. Die damalige Situation war äußerst zugespitzt. Entspannung tat im Interesse des Friedens dringend Not, auch für die DDR.
Wilfried Schubert, Güstrow
Oh, wie schön wäre es doch, einfach nur Mensch zu sein, so ganz ohne moralischen Zeigefinger und ohne ständig nach Herkunft, Hautfarbe oder Kultur bewertet zu werden.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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