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Dürre, Brände, Klimawandel

Das neue Normal

Der größte Waldbrand in der Geschichte Belgiens folgt auf verheerende Brände in Frankreich und Spanien. Eine extreme Dürre begünstigt die Feuer enorm

Von Carmela Negrete
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Die Feuerwalze rückt vor. Waldbrand im Hohen Venn, Belgien, 16. August 2026

In Belgien kämpfen derzeit Einsatzkräfte gegen den größten Waldbrand, der dort jemals registriert wurde. Das Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn hatte bis Sonntag rund 3.000 Hektar erfasst und bewegte sich in Richtung der deutschen Grenze. Im grenznahen Eifelort Monschau in Nordrhein-Westfalen wurden die Einwohner auf eine Evakuierung vorbereitet.

Spanien verzeichnet derweil in diesem Sommer einen traurigen Rekord: Die von Waldbränden betroffene Fläche ist so groß wie seit Jahren nicht mehr. Bis Ende Juli waren nach Angaben des spanischen Umweltministeriums rund 174.000 Hektar verbrannt – fast sechsmal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Regierung sprach Ende Juli bereits von 38 Großbränden.

Der jüngste Großbrand in Andalusien brach in der Provinz Huelva aus. Das Feuer bei Niebla entwickelte sich innerhalb einer Woche zum größten Waldbrand in der Geschichte Andalusiens. Mitte August war von rund 40.000 betroffenen Hektar die Rede. Die Flammen breiteten sich bis in Richtung Sevilla aus. Zeitweise mussten sich Einsatzkräfte zurückziehen; das Feuer war aufgrund der extremen Bedingungen nur schwer unter Kontrolle zu bringen.

Neben Spanien trifft es auch Frankreich in besonderem Maße. Bis Ende Juli waren nach Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS mehr als 91.000 Hektar verbrannt – fast viermal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Brände auch in Kroatien, Griechenland und Portugal.

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Seit Monaten liegt die Niederschlagsmenge in Europa unter dem langjährigen Mittel. In Deutschland sind ganze Regionen regelrecht ausgedörrt. In Freiburg zum Beispiel kamen bisher lediglich 14 Prozent des üblichen Sommerniederschlags zusammen. Im August hat es in der ganzen Republik äußerst wenig geregnet. Subtropische Hochdruckgebiete legen sich wie eine Glocke über West- und Mitteleuropa und verschwinden wochenlang nicht mehr.

Dass steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und extreme Wetterlagen schwere Waldbrände begünstigen können, ist inzwischen gut belegt. Gleichzeitig wäre es zu einfach, jeden einzelnen Waldbrand ausschließlich mit dem Klimawandel zu erklären: Auch Vegetation, Landnutzung, Wind, menschliche Aktivitäten und die Qualität der Prävention spielen eine entscheidende Rolle.

In Huelva fordern lokale Stimmen deshalb mehr Prävention und eine bessere Pflege der Wälder. Dabei geht es insbesondere um die Reduzierung von brennbarem Material wie Ästen und dichtem Unterholz. Die andalusische Gesetzgebung verbietet die Nutzung von Waldressourcen nicht grundsätzlich, doch je nach Waldgebiet und Art der Nutzung sind Genehmigungen, Meldungen oder andere Auflagen erforderlich, was eine traditionelle Nutzung erschwert.

Eine Warnung vor dem, was diese Entwicklung bedeuten könnte, formuliert Antonio Turiel. Der spanische Physiker vom Institut für Meereswissenschaften in Barcelona warnt vor einem Szenario, bei dem die globale Erwärmung bis zur Mitte beziehungsweise bis zum Ende des Jahrhunderts drei Grad über dem Referenzwert der vorindustriellen Zeit erreicht. In Interviews hat er erklärt, dass bei einer solchen Erwärmung etwa 60 Prozent der Erdoberfläche für den Menschen nicht mehr bewohnbar sein könnten.

Für Spanien zeichnet Turiel ein bitteres Bild. Bei einer weiteren Erwärmung könnten nach seiner Einschätzung im Sommer über mehrere Tage Temperaturen von 50 bis sogar 60 Grad Celsius herrschen. Seine Kritik richtet sich dabei auch gegen falsche Prioritäten in Europa. Während enorme Summen in Aufrüstung und militärische Sicherheit investiert würden, erhielte die ökologische Krise nicht dieselbe politische Aufmerksamkeit.

Gerade angesichts der Brände dieses Sommers stellt sich damit eine unbequeme Frage: Sind diese Katastrophen noch außergewöhnliche Ereignisse, oder erleben wir bereits den Beginn einer neuen Normalität?

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.08.2026, Seite 1, Titel

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