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Leichtathletik

Der Held von Rom

Zum Tod des Langstreckenläufers Hans Grodotzki

Foto: Camera 4/IMAGO
Der »blonde Hans« Grodotzki (1936–2026)

»Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft«, lautete der wohl berühmteste Spruch von Emil Zátopek. Wer weiß, ob es Hans Grodotzki ohne dieses Vorbild aus Tschechien jemals in die große Arena geschafft und bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom zu zwei Silbermedaillen gebracht hätte. »Er hat mich inspiriert. Dass ich Läufer geworden bin, lag nur an ihm«, sagte Grodotzki nicht nur einmal, nachdem er im »Stadio Olimpico« über 5.000 und 10.000 Meter seine größten Triumphe gefeiert hatte. Später wurde er Zátopek, der im Jahr 2000 verstarb, ein enger Freund. Unter seinem Spitznamen »Lokomotive« hatte der Mann aus Prag bei den Olympischen Spielen 1948 in London Gold über 10.000 Meter gewonnen und Silber über 5.000 Meter, ehe er vier Jahre später in Helsinki von der »kurzen Langstrecke« bis hin zum Marathon mit dreifach Gold in die olympischen Annalen einging.

Kein Wunder, dass dieser Superläufer den damals 16jährigen Hans so faszinierte. In Ostpreußen geboren und nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges mit seiner Familie im thüringischen Menteroda bei Mühlhausen zu Hause, erlernte er zunächst den Beruf des Bergmanns – und lief nach seinen Schichten im Kalischacht Gleichaltrigen bei sportlichen Wettbewerben regelmäßig davon. Ein Übungsleiter entdeckte das Talent, delegierte den Teenager in ein Trainingszentrum nach Senftenberg, was jedoch zum »Lausitzer Intermezzo« geriet. Er sehnte sich zurück nach Thüringen, wechselte dort zur Volkspolizei und trainierte in Erfurt, bis er läuferisch so sehr verblüffte, dass man ihn 1958 nach Potsdam zum Armeesportklub »ASK Vorwärts« und zur Trainingsgruppe von Trainer Curt Eins versetzte. So reifte der »blonde Hans« zum doppelten Medaillengewinner in einer gesamtdeutschen Olympia-Mannschaft.

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»Zum Finale über 5.000 Meter regnete es. Die Piste war lehmig und klebrig, der Untergrund hing an den Sohlen der Laufschuhe«, erinnerte sich Grodotzki an die erschwerten Bedingungen in Rom. Zwei Jahre darauf musste er seine Karriere wegen eines Achillessehnenrisses viel zu früh beenden. 1969 schloss er sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Potsdam als Diplomsportlehrer ab, arbeitete danach als Trainer und bis 1981 als Sportoffizier beim »ASK« in Potsdam, später als Zivilangestellter und nach der »Wende« als Trainer beim Leichtathletikklub Halensee im Westen Berlins. Schon länger kursierte in Potsdam die Idee, dem Luftschiffhafenstadion, seiner früheren Trainingsstätte, den offiziellen Beinamen »Hans Grodotzki« zu verleihen. Zu Lebzeiten ist ihm die Ehre nicht mehr vergönnt gewesen. Vielleicht ja jetzt? Am 18. September ist der Olympia-Held von Rom im Alter von 90 Jahren verstorben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.09.2026, Seite 16, Sport

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