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Wem helfen Sie mit den Kühlbussen?
Zwei neue Kälteschutzfahrzeuge in Frankfurt am Main stehen allen offen, die der Hitze entkommen wollen, sagt Christian Albrecht
Für Menschen, die unter der Hitze leiden, bieten die Stadt Frankfurt und die Johanniter seit Dienstag vergangener Woche zwei klimatisierte Kühlbusse an, die jeweils Platz für rund 40 Leute haben. Richtet sich das an Drogenabhängige und Menschen, die keine Bleibe haben?
Das wurde vielfach so berichtet. Tatsächlich ist unser Pilotprojekt für alle Menschen offen, die in der Hitzephase bis Ende August in der Stadt unterwegs sind, sich abkühlen und ein Glas Wasser trinken möchten. Das Angebot ist kostenlos. Es kamen Banker, Handwerker, Reinigungskräfte, auch Reisende, die die Stadt erkunden wollten, oder Straßenbahnfahrer, um sich in ihrer Pause kurz abzukühlen. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern wartete bei uns im Bus darauf, dass ihre Eltern sie abholten, weil sie ihren Anschluss mit dem Regionalverkehr verpasst hatten. Menschen, die bei der Hitze mit der Pflege von Angehörigen zu Hause Probleme hatten, waren froh, bei uns ihr Herz ausschütten zu können. Freilich sind auch Obdachlose dabei. Bisher aber eher verhalten, weil sie ihr Hab und Gut im Einkaufswagen mit sich führen, und Angst haben, dass es geklaut werden könnte, während sie im Bus sind. Es kommt ein bunt gemischtes Publikum zusammen.
Aber sprechen Sie Obdachlose und Drogensüchtige gezielt an?
Nein, aber wir sind gut vernetzt. Es muss sich nur erst mal herumsprechen. Etwa wird die Bahnhofsmission in der Szene bekanntgeben, dass es uns gibt. Möglicherweise sind viele noch verunsichert, weil sie sich schwer vorstellen können, dass wirklich alle im Bus willkommen sind. Bisher gab es weder Vorbehalte noch Berührungsängste. Es ist eine Gelegenheit, miteinander in den Dialog zu kommen, mögliche Vorurteile abzubauen. Die Johanniter haben an zwei Wochentagen, mittwochs und sonntags, ein weiteres niedrigschwelliges Projekt in der Bahnhofsgegend: In unserem Pflasterlaster, einem ehemaligen umgestalteten Rettungswagen, versorgen wir Wunden, behandeln Infektionen, geben Medikamente und Impfungen. Im Winter verteilen wir warme Socken, die eine Gruppe von Frauen ehrenamtlich strickt, und geben Unterwäsche und Kondome aus. Wir versuchen, das Leben auf der Straße angenehmer zu machen. Finanziert ist es auf Spenden- und Stiftungsbasis.
Wer finanziert die Kühlbusse?
Es fallen kaum Kosten an. Wir verteilen dauerhaft Mineralwasser, dafür haben wir einen Kühlschrank. Wir nutzen zwei ausrangierte Linienbusse. Strom dafür beziehen wir aus dem Frankfurter Schauspielhaus. Wir haben davor auch zwei Toiletten aufgestellt. Das finanziert die Stadt.
Die Busse sind täglich von 13 bis 19 Uhr zugänglich. Bei der aktuellen Hitze sind die Temperaturen nur wenige Stunden am Tag erträglich, etwa von vier bis acht Uhr morgens. Ist Ihr Projekt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?
Das Konzept ist, dass Menschen sich in den Bussen nur kurz aufhalten, etwa wenn der Kreislauf schlappmacht und sie überhitzt sind. Wir stehen so, dass auch Rollstuhlfahrende und Kinderwagen in die Busse kommen können. Zwei unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter stehen vor der Tür, um gegebenenfalls Hilfe zu leisten. Und wir haben angedacht, dass die Busse im Winter auch zum Aufwärmen für alle genutzt werden könnten.
Belastet es Sie, wenn Sie die Armut und Not in der Stadt sehen?
Es gibt Unterstützungsangebote, die aber in meinem Fall nicht notwendig sind. Ich mache seit mehr als 30 Jahren Sozialarbeit. Das hilft, geerdet zu sein. Man kommt ins Gespräch darüber, was Menschen passiert ist, dass sie auf der Straße gelandet sind. Es ist gut, wenn sie ihre Geschichte erzählen können. Wir wollen es aber nicht romantisieren. Vor allem braucht es Wohnungen.
Sie machen die Arbeit ehrenamtlich, ohne Aufwandsentschädigung.
Menschen, denen wir Kühlung anbieten, lassen uns Wertschätzung für unsere Arbeit spüren. Schaffe ich es, einen Menschen für einen Moment glücklich zu machen, macht es auch mich glücklich. In Euro ist das nicht aufzuwiegen. Bis zu 30 ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten die Pilotphase bis Ende August und möglicherweise auch länger, falls die Hitze im September nicht nachlässt. Wir suchen noch Menschen, die helfen, in den Dialog zu kommen. Wenn Leserinnen und Leser der jungen Welt mithelfen möchten, können sie sich an mich wenden.
Christian Albrecht ist Bereichsleiter Soziale Dienste bei der Johanniter-Unfallhilfe, Regionalverband Rhein-Main, und ehrenamtlich in den Kühlbussen aktiv
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