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Aus: Ausgabe vom 06.07.2022, Seite 10 / Feuilleton

Guthrie, Moik, Brumby

Von Jegor Jublimov
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Arlo Guthrie wacht als Neptun über die alljährliche Meerjungfrauenparade auf Coney Island, Brooklyn, New York (22.6.2019)

Aus jüngerer Zeit gibt es über den US-amerikanischen Sänger Arlo Guthrie eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte vermeldete jW bereits. Nach mehreren Schlaganfällen ist seine Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, er muss auf weitere Auftritte verzichten. Aber es gibt auch eine gute, denn nachdem er vor zehn Jahren seine Frau verloren hatte, ist Arlo, der am Sonntag 75 wird, vor einem Dreivierteljahr erneut den Bund der Ehe eingegangen.

Der Folk- und Protestsänger stand von Beginn an in der Tradition seines Vaters Woody Guthrie, der die inoffizielle US-amerikanische Hymne »This Land Is Your Land« schrieb und am 14. Juli 110 geworden wäre. Arlo, der in Brooklyn geborene und aufgewachsene Künstlersohn, hatte bereits mit 20 Jahren seinen Durchbruch mit der Ballade »Alice’s Restaurant ­Massacree«, in der sich der Künstler kritisch mit der US-amerikanischen Bürokratie, dem Militär, letztlich mit dem Vietnamkrieg befasst. 1969 war sie Grundlage für Arthur Penns Spielfilm »­Alice’s Restaurant« mit Arlo Guthrie in der Hauptrolle. Unvergessen bleibt er für seine von Pete Seeger inspirierten Songs, nicht zuletzt für »City of New Orleans« von Steve Goodman. Arlos deutscher Interpret Wenzel hofft, dass er bald wieder auf die Beine kommt. Da ist er nicht der einzige.

Nach dem Kampf gegen eine heimtückische Krankheit starb am 4. Juli vor 20 Jahren Lutz Moik, der schon in jungen Jahren zu Filmruhm gelangt war. Er wurde noch im Krieg im Großen Waisenhaus zu Potsdam für die Kamera entdeckt, nach ersten Filmauftritten stellte die Defa den Zwanzigjährigen 1950 in der Hauptrolle des ersten Nachkriegsfarbfilms »Das kalte Herz« heraus. Doch ihn lockten Angebote aus dem Westen. 1951 übernahm er – neben Kristina ­Söderbaum – die Hauptrolle ausgerechnet in dem pathetischen Heimatfilm »Hanna Amon« des Naziregisseurs Veit Harlan. Danach kam er nur noch selten über Nebenrollen hinaus, bis er 1981 eine zweite Karriere als hessischer »Tatort«-Kommissar begann. Die musste er abbrechen, nachdem bei ihm Multiple Sklerose diagnostiziert worden war. Seiner zweiten Frau, der Schauspielerin Anna Moik-Stötzer, ist es zu verdanken, dass es ihm im Rollstuhl möglich wurde, TV- und Bühnenauftritte zu bestreiten und als Maler in einigen Ausstellungen vertreten zu sein.

Eine Schauspielerin, die zwischen 1950 und 1960 zum Berliner ­Ensemble gehörte und danach Wahlhamburgerin wurde, kam am kommenden Sonnabend vor 100 Jahren in Berlin zur Welt. Im Fernsehfunk konnte man Eva Brumby bis 1961 in Brecht-Rollen sehen und unter der Regie ihres Mannes Gert Schaefer in der Satire »Die Geistertasse«. Vor die Kamera der Defa holte sie 1954 Curt Bois, in dessen Posse »Ein Polterabend« sie zusammen mit Johannes Maus als »Rieke und Pulecke« Berliner Volkstypen wieder zum Leben erweckte. Neben ihrer Theaterarbeit übernahm sie bis zu ihrem Tod im 80. Lebensjahr viele markante Episodenrollen als Mutter oder Tante, Oberschwester oder Nonne in TV-Reihen wie »Derrick«, »Großstadtrevier«, »Tatort« und »Polizeiruf 110«.

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