Dran glauben
Von Thomas Grossman
Bruce Springsteen hat gegen Präsident Trump und seine Administration mehr ausgeteilt, als je zuvor. Bei einem Überraschungskonzert in Red Bank in New Jersey, dem Heimatstaat des Rocksängers, erklärte er am Sonnabend, dass die grundlegenden Werte des Landes »nie zuvor so gefährdet waren wie jetzt«. Unter dem Jubel des Publikum sagte er: »Wenn ihr an die Demokratie glaubt, an Freiheit, wenn ihr glaubt, dass die Wahrheit immer noch wichtig ist und es Wert ist, sie zu verkünden und für sie zu kämpfen; wenn ihr an die Macht des Gesetzes glaubt und dass niemand über diesem steht; wenn ihr gegen schwer bewaffnete maskierte Bundestruppen seid, die in eine amerikanische Stadt einfallen und Gestapo-Taktiken gegen unsere Mitbürger anwenden; wenn ihr glaubt, dass man es nicht verdient, dafür umgebracht zu werden, weil man das Recht auf Protest nutzt, dann sendet eine Nachricht an diesen Präsidenten. Und, wie der Bürgermeister dieser Stadt erklärt hat: ICE soll verdammt noch mal aus Minneapolis verschwinden.«
ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) ist die größte Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums des Inneren der USA. Präsident Trump setzt sie bekanntlich derzeit in verschiedenen US-Städten ein, um Jagd auf Einwanderer zu machen und diese aus dem Land zu werfen. Springsteen machte auch auf den Mord an der 37jährigen Renée Good aufmerksam. Er widmete ihr während des Konzerts sein Lied »Promised Land« aus dem Jahr 1978: »Dieser Song ist für dich, und in Gedenken an eine Mutter von drei Kindern und eine amerikanische Bürgerin.«
Springsteen, der seit Jahrzehnten Lieder über die Lage der US-amerikanischen Arbeiterklasse schreibt, hat sich schon früher gegen Trump gestellt. Er unterstützte bei den Präsidentschaftswahlen die Demokratin Kamala Harris und nannte Trump den »gefährlichsten Kandidaten für eine US-Präsidentschaft zu meinen Lebzeiten«. Und im Mai vorigen Jahres eröffnete er seine »Land of Hope and Dreams«-Tour in England mit der Bemerkung: »In meinem Land haben sie eine sadistische Freude daran, den loyalen amerikanischen Arbeitern Schmerzen zuzufügen. Sie zerstören die Errungenschaften der historischen Bürgerrechtsgesetzgebung (die eine Diskriminierung aufgrund von ›race‹ und Hautfarbe verbietet, jW), die zu einer gerechteren und pluralistischeren Gesellschaft führte.«
Trump antwortete in der ihm eigenen Manier: Springsteen sei als Musiker »sehr überschätzt«, »kein talentierter Kerl«, und ein »penetranter widerlicher Trottel«. Außerdem forderte der 45. US-Präsident eine »große Untersuchung« gegen Springsteen und andere seiner prominenten Gegner wie Beyoncé und Oprah Winfrey. In den sozialen Medien forderte er Springsteen auf, »gefälligst die Klappe zu halten«. Was kaum zu erwarten war.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas Scharmann aus Berlin (21. Januar 2026 um 22:28 Uhr)Verzeihung, aber es ist ein Ausdruck der Wertschätzung, dass Präsident DJ Trump an Herrn Springsteen denkt, denn mit ihm und ihm sind wir gemeinsam auf der aussterbenden Seite. Unsere Tochter: »Nie gehört.« – Besser so. »Born in the USA« war saumäßiger Massivschrott.
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